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2. Struktur des Crowleyanischen A.‘. A.‘.

2. April 2020

2. Struktur des Crowleyanischen A.‘. A.‘. (Golden Dawn und Rosy Cross)

Einige Grundinformationen zum Hauptthema dieser Abhandlung findet sich in einem der allerersten Artikel von Crowleys Zeitschrift ‚The Equinox‘, im ersten Band, unter dem Titel ‚An Account of A.‘. A.‘.‘ (gleich zu Anfang, direkt nach dem Editorial). Einleitend sei hier daher eine Auswahl an Zitaten aus diesem fundamentalen Text präsentiert.

Der A.‘. A.‘. ist demnach eine illuminated community which is scattered throughout the world, but which is governed by one truth and united in one spirit‘.

Und: ‚It is from her that all truths penetrate into the world; she is the school of all who search for wisdom, and it is in this community alone that truth and the explantation of all mystery are to be found. It is the most hidden of communities, yet it contains members from many circles; nor is there any Centre of Thought whose activity is not due to the presence of one of ourselves. From all time there has been an exterior school based on the interior one, of which it is but the outer expression. From all time, therefore, there has been a hidden assembly, a society of the Elect, of those who sought for and had capacity for light, and this interior society was the Axle of the R.O.T.A. All that any external order possesses in symbol, ceremony, or rite is the letter expressive outwardly of that spirit of truth which dwelleth in the interior Sanctuary. […] Hence this Sanctuary, composed of members widely scattered indeed but united by the bonds of perfect love, has been occupied from the earliest ages in building the grand Temple (through the evolution of humanity) by which the reign of L.V.X. will be manifest. This society is in the communion of those who have most capacity for light; they are united in truth, and their Chief is the Light of the World himself, V.V.V.V.V., the One Anointed in Light, the single teacher for the human race, the Way, the Truth, and the Life. […] When it became necessary that interior truths should be enfolded in exterior ceremony and symbol, on account of the real weakness of men who were not capable of hearing the Light of Light, then exterior worship began. It was, however, always the type or symbol of the interior, that is to say, the symbol of the true and Secret Sacrament. The external worship would never have been separated from interior revel but for the weakness of man, which tends too easily to forget the spirit in the letter; but the Masters are vigilant to note in every nation those who are able to receive light, and such persons are employed as agents to spread the light according to man’s capacity and to revivify the dead letter. […] Faithful to the spirit of truth, the members of the interior Order live in silence, but in real activity. Yet, besides their secret holy work, they have from time to time decided upon political strategic action. Thus, when the earth was night utterly corrupt by reason of the Great Sorcery, the Brethren sent Mohammed to bring freedom to mankind by the sword. This being but partially a success, they raised up one Luther to teach freedom of thought. Yet this freedom soon turned into a heavier bondage than before. Then the Brethren delivered unto man the knowledge of nature, and the keys thereof; yet this also was prevented by the Great Sorcery. […] This interior community of light is the reunion of all those capable of receiving light, and it is known as the Communion of Saints, the primitive receptacle for all strength and truth, confided to it from all time. […] As soon as external societies wish to transform a temple of wisdom into a political edifice, the interior society retires and leaves only the letter without the spirit. It is thus that secret external societies of wisdom were nothing but hieroglyphic screens, the truth remaining inviolable in the Sanctuary so that she might never be profaned. […] We must not, however, imagine that this society resembles any secret society, meeting at certain times, choosing leaders and members, united by special objects. All societies, be what they may, can but come after this interior illuminated circle. This society knows none of the formalities which belong to the outer rings, the work of man. In this kingdom of power all outward forms cease. L.V.X. is the Power always present. The greatest man of his times, the chief himself, does not always know all the members, but the moment when it is necessary that he should accomplish any object he finds them in the world with certainty ready to his hand. […] It if be necessary that real members should meet together, they find and recognize each other with perfect certainty. […] No one member can choose another; unanimous choice is required. […] Any man can look for the entrance, and any man who is within can teach another to seek for it; but only he who is fit can arrive within. […] He who is fit is joined to the chain, perhaps often where he though least likely, and at a point of which he knew nothing himself.‘

Nun wollen wir all diese recht geballten Aussagen, ein wenig gegliedert, in den folgenden drei Abschnitten weiter vorstellen, um daraufhin dann endlich tiefer in die ’strukturellen‘ Details des Ordens hineinzublicken, namentlich in das Grad-System.

2.1. Ein Orden als Grundgerüst jeder beliebigen (echten) Initiationsdynamik

Der Orden, von dem da die Rede ist, soll also so etwas wie das ‚ewige innere Grundgerüst‘ sein, auf dem alle äußere Form von jeglichem (‚religiösen‘, ‚initiatischen‘) Orden basiert. In erster Linie sind damit die ‚authentischen‘ derartigen Orden und Vereinigungen gemeint, die einen Weg der ‚Einweihung‘ zu vermitteln trachten. Aber auch alles aus solchen äußeren Orden ‚Entartete‘ hat natürlicherweise im letzten Grund in jenem ‚Inneren Orden‘ seinen Ursprung, von dem er lediglich dramatisch abgefallen ist im Laufe der raumzeitlichen Entwicklung. Man wird als auch in all den ‚dunklen‘ Erscheinungen von Geheimbünden in der Welt genau die stufenweise Lehrart (zumindest rudimentär) wiederfinden, die ihre Wurzeln im Ansatz dieses ‚ewigen Orden‘ hat. Um eine tatsächliche ‚Initiation‘ schließlich handelt es sich auch, wenn sie in der Schaffung von ‚Brüdern des linkshändigen Pfades‘ führt …

2.2. Ein Orden ohne äußere Institution?

Die ganze Beschreibung des zitierten Artikels läuft also darauf hinaus, dass es sich beim A.‘. A.‘. gar nicht um eine äußere Organisation handelt, sondern um jene ‚Große Weiße Bruderschaft‘, von der in so manchem esoterisch-okkultistischen Weltbild hier und da (auch heutzutage noch) geredet wird. Obwohl also des Ordens Mitglieder (vielleicht nicht alle Mitglieder, aber doch ein nennenswerter Teil von ihnen) hier in dieser irdischen Welt durchaus handfest anzutreffen sind, als Menschen handelnd, und physisch ihr (auch Alltags-)Leben bestreitend – sind diese Mitglieder dennoch nicht formal miteinander verbunden, lediglich ‚ideal‘, im Geiste, werden sie vom selben Primat geleitet und damit treten sie als geschlossene Einheit, als Kollektiv auf. Und physisch laufen sie sich nur dann über den Weg, bzw. erkennen sich gegenseitig als in diesem mystischen Orden als Geschwister verbunden, wenn dies für eine ihrer Aufgaben notwendig ist.

2.3. Eine ‚Minimal-Institution‘ als Vorbild für den eigentlich wesentlichen institutslosen Kern des Ordens

Doch mit dem zitierten Grundriss des ‚Inneren Ordens‘ des A.‘. A.‘. geht in derselben ersten Ausgabe des Equinox einher, dass anhand von vielen Texten zu philosophischer Ausrichtung und praktischen Anleitungen auch eine ‚äußere Form‘ für diesen Orden geschaffen wird. Und dies ist letztlich überhaupt das zentrale Anliegen der gesamten Zeitschriftenreihe: die Mittel zu liefern, dem Suchenden den Weg zu bereiten, Teil des ‚Inneren Ordens‘ zu werden und in ihm voran zu schreiten. So wird also zwangsläufig eine Art ‚äußerer Orden‘ des A.‘. A.‘. gegründet. Und in der Tat wird dann auch im Jahre 1907 ein zwar schlankes, aber doch am altbekannten Prinzip einer Bruderschaft orientiertes Gebilde eines A.‘. A.‘.-Ordens in die ganz ‚handfeste‘ äußere Welt hinein gegründet (durch Aleister Crowley und George Cecil Jones).

Diese äußere Organisation des Ordens nun ist jedoch sehr verschieden von allen anderen bekannten Einweihungssystemen, und zwar dahingehend, dass tatsächlich großer Wert darauf gelegt wird, möglichst wenig Äußerlichkeit zu zelebrieren, und dass stattdessen das Fortschreiten jedes Einzelnen in aller erster Linie dem Einzelnen selbst in die Hand gelegt wird, indem ihm in schriftlicher Form die Werkzeuge vorgestellt werden, die er dann alleine, für sich, in sich, entwickeln soll. Die einzigen Kontakte zum Orden auf der ‚irdischen Ebene‘ finden (zumindest theoretisch) NUR zwischen dem Strebenden und seinem zugeordneten ‚Meister‘ statt, der einen ‚Grad‘ über ihm steht, und dessen eigenes Fortschreiten zum nächst höheren Grad davon abhängt, seinen Schützling ebenfalls auf seine derzeitige Stufe hoch zu ziehen, bzw. dabei zu unterstützen, diese Stufe zu erklimmen. Der zweite und letzte weitere Kontaktmensch im Orden neben dem eigenen Meister ist entsprechend dann der eigene Schüler, wodurch die Kette (wiederum, zumindest in der Theorie) klar eindimensional bleibt und keinerlei ’soziale Gruppenaktivität‘ Teil des Ordenslebens werden kann. Lediglich für einige Rituale anlässlich von ‚Grad-Erteilungen‘ (speziell auf den ersten paar Stufen der 10) kommen mehrere Mitglieder zusammen und vollziehen die Handlungen mit dem Aufzunehmenden, bzw. dem zu Befördernden. Allerdings wird durch maskierende Bekleidung dafür Sorge getragen, dass die bürgerlichen Identitäten der ‚Offiziere‘ (also der ‚Vollzugsbeamten‘ des Rituals) verschleiert bleiben.

2.4. Bedeutung der Abkürzung A.‘. A.‘.

Als kleiner Einschub, bevor wir uns der eigentlichen inneren Struktur des Grad-Systems zuwenden, sei noch etwas zur Bedeutung der Initialen A.‘. A.‘. gesagt.

Die gängige, man muss wohl sagen, ‚profane‘ Deutung der Abkürzung, ist sicherlich ‚Astrum Argenteum‘ – mit den Varianten ‚Astron Argon‘, ‚Argentium Astrum‘, ‚Aster Argentis‘, und eben dem englischsprachigen Äquivalent ‚Silver Star‘ (wobei das griechische ‚Astron Argon‘ genauer als ‚Scheinender Stern‘, und nicht als ‚Silberner Stern‘ zu übersetzen wäre).

Zum ‚Silver Star‘ als Bezeichnung für einen tatsächlich physischen Himmelskörper sei erwähnt, dass gemeinhin der Stern Sirius darunter verstanden wird. Sirius ist der hellste Stern am Nachthimmel, und fällt besonders durch sein flackerndes Funkeln in scheinbar verschiedenen Farbtönen auf. Mythologisch wird er beispielsweise im Alten Ägypten gerade mit ‚Isis‘, der weiblichen Seite der höchsten Gottheit, assoziiert, während das Sternbild Orion (mit dem prägnanten Orion-Gürtel aus den drei nahezu in gerader Linie angeordneten Sternen), das sich etwas östlich von Sirius am Himmel findet, mit ‚Osiris‘ in Verbindung gebracht wird, der demgegenüber als die männliche Seite derselben Gottheit verstanden werden kann.

Vor diesem Hintergrund könnte man also den ‚Silver Star‘ als Ausdruck gerade der weiblichen Kraft des Göttlichen betrachten, die als hellstes Licht im Dunkeln der ‚Nacht‘ (gegenüber dem ‚Tag‘ des Geistes, wäre dies also gerade die Welt der materiellen Schöpfung) Hoffnung und Rechtleitung schenkt. Diese Aufgabe hätte demnach auch der Orden, der sich als von diesem Stern her ausgehend begreift und erlebt: Der hellste Wegweiser für die Menschen (bzw. für DEN Menschen, die Menschheit als Ganzes), im dunklen Chaos dieser materiellen Welt.

Ein Wikipedia-Zitat beschließe diese Spekulation zur Zuordnung des Namens zum Stern Sirius: ‚Eshelman states that due to Crowley’s use of the phrase „Astron Argon“ (once in a note and once in an official document in Crowley’s handwriting) that the latter is to be taken as the true Greek name. The gematria of Aster Argos is 489, also the value of Sothis, the Greek name for the star Sirius.‘

Und was sollte dagegen sprechen, auch beim Blick in den Nachthimmel, mit seinem silber-bunt funkelnden Auge ‚unserer Lady‘, daran erinnert zu werden, was unser edelstes Streben sei.

So verführerisch eine solche Erklärung für das kryptische A.‘. A.‘. auch sein mag … am Ende müssen wir uns dazu zwingen, unser Unwissen einzugestehen. So ist vielleicht als Platzhalter fast noch angemessener, was auch hier und da als mögliche Bedeutung kolportiert wird: ‚Arcanum Arcanorum‘, Geheimnis der Geheimnisse. Immer noch falsch. Aber zumindest ehrlich …

Wie auch immer, gedruckte Buchstaben sind sowieso immer nur ‚Transliteration‘ – in diesem Sinne: A………. A……! ‚Aleph Alpha‘.

2.5. Die dreifältige Struktur des Ordens

Nach dieser doch recht langatmigen Vorbereitung soll nun endlich das Inhaltliche mehr in den Fokus unserer Betrachtung gerückt werden. Dazu soll vor allem die Grad-Struktur des A.‘. A.‘. erläutert werden.

Grundsätzlich gliedert sich der Orden in drei Abteilungen, die mit ‚Golden Dawn‘, ‚Rosy Cross‘ und ‚Silver Star‘ bezeichnet werden können, abgekürzt GD, RC und SS. Daraus wird schon ersichtlich, dass der eigentliche ‚Innere Orden‘, von dem bereits die Rede war als dem ‚Ewigen Orden‘, gerade nur mit der dritten und höchsten (bzw. eben ‚innersten‘) Abteilung angedeutet wird. So spricht man auch genaugenommen erst ab dieser dritten Abteilung von den wirklichen ‚Brüdern‘ (und ‚Schwestern‘) des A.‘. A.‘., ab dem 8. der 10 Grade. Die Grade 1 bis 7 davor in den beiden ersten Abteilungen stellen erst die ‚Anwärter‘ auf den wahren Inneren Orden dar. Und unter ihnen finden sich auch all diejenigen noch, die einst am ‚Abgrund‘, am ‚Abyss‘, scheitern werden, somit nie in den eigentlichen Orden eintreten können, und stattdessen zu ‚Schwarzen Brüdern‘ entarten.

Doch eins nach dem anderen. Schauen wir uns die Abteilungen mit ihren jeweiligen Graden der Reihe nach an.

2.6. Die Grade des ‚Golden Dawn‘: der Weg vom ersten Entschluss bis zum ‚Heiligen Schutzengel‘

‚The first condition of membership of the A.‘. A.‘. is that one is sworn to identify one’s own Great Work with that of raising mankind to higher levels, spiritually, and in every other way.‘ (Magick Without Tears, Kapitel 9)

Diese Aussage erinnert bereits an etwas, das in anderer Tradition als der ‚Bodhisattva-Schwur‘ bekannt ist: Das Binden der eigenen Erlösung an die Erlösung der ganzen Welt. Während also in anderen (quasi bereits ‚entarteten‘) Systemen durchaus die Möglichkeit besteht, den Weg der Einweihung allein für sich selbst zu gehen (Stichwort ‚Hinayana‘, im Gegensatz zum ‚Mahayana‘, das ‚Kleine Vehikel‘ statt dem ‚Großen Vehikel‘ im Buddhismus), ist die Mitgliedschaft im Wahren Inneren Orden gleichbedeutend mit dem Bestreben, das Schicksal der ganzen Schöpfung mit dem eigenen Schicksal zu identifizieren.

So sehr nun diese Grundhaltung stets präsent sein sollte, schon wenn man die ersten Schritte in der ersten Abteilung des Ordens geht – sie sind nur eine notwendige, längst keine hinreichende Bedingung, einst aufgenommen zu werden ins innere Heiligtum, Teil zu haben an der ‚Gemeinschaft der Heiligen‘. Und so hoch-geistig und erhaben jener ‚Bodhisattva-Schwur‘ ist, auf den man sich vorbereitet von Anfang an – so praktisch und handfest sind die ersten Schritte, die man zu gehen hat, um sich die grundlegenden Fähigkeiten eines angehenden Adepten anzueignen.

Die theoretische Grundlage freilich ist schon in der Vorbereitungszeit zu legen (oder jedenfalls anzufangen). Das nennen manche heutige äußere Erscheinungen des Ordens zunächst die ‚Schülerschaft‘, bei der erwartet wird, eine gewisse Lektüre-Liste thelemischer Schriften (großenteils, aber nicht ausschließlich aus Crowleys Feder) abzuarbeiten. Dabei wird nicht erwartet, die Tiefen zu verstehen, aber der Suchende soll sich einen ersten Überblick darüber verschaffen, was von ihm nach und nach mehr und mehr erwartet wird, will er fortschreiten. Diese Listen sind an verschiedenen Stellen im Internet zu finden, teils in sehr leicht unterschiedlichen Varianten (siehe etwa outercol.org, aa-thelema.org).

Und auch im Anschluss an diese (in der Regel auf drei Monate angelegte und mit einer ‚Prüfung‘ abgeschlossene) Schüler-Zeit wartet noch nicht sofort der tatsächliche ‚1. Grad‘, sondern erst der sogenannte ’nullte‘, der Status eines ‚Probationers‘. Dabei soll ein Jahr lang begonnen werden, beliebige Übungen der grundlegenden (‚magischen‘) Fähigkeiten zu praktizieren – und darüber soll ein möglichst präzises ‚Tagebuch‘ geführt werden. Ab dieser Phase steht man unter der Betreuung seines zugeordneten ‚Meisters‘.

Die Übungen, um die es sich in dieser Anfangsphase dreht, sind vor allem im ‚Liber E. Vel Exercitiorum‘ beschrieben.

Mit dem Eintritt in die erste Ordensabteilung befindet man sich im sogenannten Orden der ‚Goldenen Morgenröte‘ (Golden Dawn). Das System, an dem sich Crowley bei seiner eigenen Lehrart stark zu orientieren scheint, ist das des Hermetic Order of the Golden Dawn, dem er zuvor angehört hatte, der aber inzwischen aufgehört hatte, in äußerlicher Form zu existieren. Und wie die ‚Hermetik‘ schon im Namen jenes Systems eine große Rolle spielt, ist auch der äußerste Ring des A.‘. A.‘.-Ordens von Crowley deutlich ‚hermetisch‘ geprägt, indem der Fokus zunächst auf einer Grundausbildung in ‚angewandter Magie‘ liegt (allerdings wohlgemerkt immer auf der Basis von begleitender ‚mystischer Praxis‘, z. B. in Form des schon oben erwähnten Crowleyanischen Entwurfs von ‚Yoga‘).

Der Name ‚Goldene Morgenröte‘ deutet natürlich an, dass ab dieser Stufe das eigentliche ‚Tageslicht‘ inmitten der Dunkelheit des bisherigen blinden Suchens aufzuleuchten beginnt.

Ab dem ersten Grad, genannt Neophyt, beginnt nun auch die Zuordnung der Weg-Stationen zu den Namen der 10 Sephiroth aus der jüdischen Tradition (allerdings nach Crowleys recht eigenwilligen Verständnis der ‚Qabalah‘). Daher entspricht dem Neophyten die unterste Sephirah namens ‚Malkhuth‘. Der Name ‚Neophyt‘ deutet an, dass es sich bei ihm um eine ‚Neu-Pflanzung‘ handelt, für den der Boden bereitet ist, und der als junges Gewächs nun geduldig auf die rechte Pflege und den Segen des Himmels hoffen muss (auf ‚Feuer und Wasser‘, Sonne und Regen), um heranzuwachsen. So zumindest könnte die Bezeichnung interpretiert werden. Das ändert jedoch nichts daran, dass der Neophyt SELBER zu arbeiten hat, und zwar soll er in erster Linie eine grundsätzliche Kontrolle über den ‚Astral-Bereich‘ erlangen. Dazu dienen ihm die Übungen, die er schon als Probationer kennengelernt und teilweise anzuwenden begonnen hat.

Konkret geht es dabei darum, den sogenannten ‚Lichtkörper‘ zu entwickeln, der vage umschreibbar ist als ‚das energetische Feld von Empfindungsbewusstsein des Menschen‘, das sich im natürlichen Zustand weitgehend mit dem physischen Körper deckt, jedoch bei einem ‚Wandern‘ der Aufmerksamkeit bereits beim nicht ‚magisch-geschulten‘ Menschen mehr oder weniger weitläufige ‚Ausflüge‘ über die Körpergrenzen hinaus macht (sowohl im Sinne der konkreten raumzeitlichen Umgebung des physischen Körpers, als auch im Sinne von einem Abtasten der ‚abstrakten‘, nicht physischen Ebenen der Realität).

Das Entwickeln dieses Lichtkörpers kann auf verschiedenste Art und Weise geschehen, sollte jedoch in jedem Fall zum Ziel haben, ‚gleichmäßig‘ alle Leibesteile mit einzubeziehen (vergleichbar mit einem Trainieren der Muskulatur des physischen Körpers. Zwei grundlegenden Techniken hierzu sind zum Beispiel regelmäßige ‚Rituale‘ (bewusst-gewählte, symbolische Bewegungen, die mehr und mehr in die Gewohnheit eingehen, und so immer tiefer ins ‚Unterbewusstsein‘ sinken), und die sogenannte ‚Eucharistie‘ (im wesentlichen ein Transformieren von Speise und Trank, indem das eingenommene mit bestimmten Qualitäten von göttlicher Kraft aufgeladen wird; vgl. religiöses Tischgebet, bzw. Segnung von Speisen, etc.). Siehe hierzu beispielsweise das grundöegende ‚Liber O‘, sowie die entsprechend benannten Teile von Book 4, Teil 3, ‚Magick in Theory and Practice‘, wie etwa die dortigen Kapitel 15, 18 und 20.

Zur Entwicklung des Lichtkörpers gehört zudem seine Läuterung, Heiligung und Erhebung. Dies geschieht im Crowleyanischen Entwurf primär durch ‚Invokationen‘, dem rituelles ‚Sich-Selbst-Zurücknehmen‘ und Platz machen für ein Innewohnen von Aspekten der Gottheit, die in einem Streben nach der rechten Balance im eigenen Innern durch das Ritual ‚in sich hineingerufen‘ werden.

Ist der Lichtkörper hinreichend vorbereitet, muss der Aspirant mit ihm durch die ‚Ebenen‘ reisen, um einerseits seine Beweglichkeit in dieser nicht-physischen (aber eben doch leiblichen, nicht bloß ‚mentalen‘ oder ‚abstrakten‘!) Form zu trainieren, andererseits um sich einen Überblick über diese anfangs wohl recht fremd anmutenden Welten jenseits des äußerlich Erscheinenden zu verschaffen.

Zu dieser fremd-anmutenden ‚Astral-Welt‘ sei hier noch deutlich gesagt: was sich da dem ‚Reisenden‘ konkret zeigt, ist zunächst rein subjektiver Natur – es ist die Welt des Unter- und Unbewussten des Schülers, die sich ihm in traumhaft-plastischer Gestalt zu offenbaren beginnt. Insofern ist der Übergangsbereich zwischen einer Art ‚Tagtraum‘ und dem bewussten Reisen durch die Astralwelt grundsätzlich fließend.

Der Unterschied wird einerseits dann deutlicher, wenn sich die Bilder und Erlebnisse um den Betrachter herum nicht mehr in erster Linie durch den (oberflächlichen) Willen des Egos dieses Betrachters selbst dirigieren lassen, sondern anfangen, eine deutlich spürbare Eigendynamik zu entwickeln. Der Ungeübte wird an diesem Punkt wohl erschrecken und merken, wie er nichts oder kaum etwas mehr unter Kontrolle hat in seinem ‚Tagtraum‘, was ihn dann ‚im gesunden Fall‘ sofort wieder in die Alltagswirklichkeit zurückkehren lässt. Erst mit der Erfahrung und vor allem mit dem ‚Training des Lichtkörpers‘ wird der Schüler zunehmend ‚Widerstand leisten‘ können und selber mitbestimmen, wie sich ihm die Erlebnisse dieser Welt darstellen.

Und natürlich wird auch dann der Unterschied zwischen Vorstellungskraft und Astralwelt deutlicher, wenn die Gestalten um den Erlebenden herum weniger und weniger mit der ‚materiellen‘ Welt des Alltags gemein haben, wenn nur noch die äußeren Formen der Alltagswelt (und vor allem ihre Sinnbilder) als eine Art ‚Gewand‘ benutzt werden, um dem Reisenden überhaupt erkennbar zu machen, was an sich selbst eher abstrakte Kräfte und Beziehungen von solchen Kräften (in allerdings sehr konkreter Aktivität und Dynamik!) sind.

Auf diese Weise lernt man sich also zunächst einmal nur selber in seinen unbewussten Tiefen kennen, und sollte auch nicht davon ausgehen, dass die so erlebten symbolhaften Geschehnisse bei jedem anderen Menschen identisch aussehen. Dennoch wird mit der Zeit, und dadurch, dass der Suchende auch seine theoretischen Kenntnisse aus seinen anderweitigen Studien mit dem Erlebten in Verbindung zu setzen schafft, mehr und mehr auch das Objektive dieser Erlebnisse in der Astralwelt ersichtlich werden, das als Leitprinzip hinter den subjektiven Formen steht.

Dass auch Crowley diese Relativität der Astralebene deutlich anspricht, lässt sich in folgenden Zitaten nachvollziehen:

‚The ‚reality‘ or ‚objectivity‘ of these symbols is not pertinent to the discussion. […] But there are “planes” proper to every clairvoyant who explores the Astral Light without prejudice; in such case, things assume the form of his own mind, and his perception will be clear in proportion to his personal purity.

On the higher planes, the diversity of form, due to grossness, tends to disappear. Thus, the Astral Vision of “Isis” is utterly unlike that of “Kali”. The one is of Motherhood and Wisdom, ineffably candid, clear, and loving; the other of Murder and madness, blood-intoxicated, lust-befogged, and cruel. The sole link is the Woman-symbol. But whoso makes Samadhi on Kali obtains the self-same Illumination as if it had been Isis; for in both cases he attains identity with the Quintessence of the Woman-Idea, untrammelled by the qualities with which the dwellers by the Nile and the Ganges respectively disguised it. […] Each “plane” is a veil of the one above it; the original individual Ideas become diversified as they express their elements. Two men with almost identical ideas on a subject would write two totally different treatises upon it. […] Every Magician possesses an Astral Universe peculiar to himself, just as no man’s experience of the world is coterminous with that of another. There will be a general agreement on the main points, of course […] The Magician must not accept [Crowleys] account of the Astral Plane, [Crowleys] Qabalistic discoveries, [Crowleys] instructions in Magick. They may be correct in the main for most men; yet they cannot be wholly true for any save [Crowley himself], even as no two artists can make identical pictures of the same subject […] What one sees and hears is ‚real‘ in its way, whether it be itself, or distorted by one’s desires, or created by one’s personality […] The true, the final test, of the Truth of one’s visions is their Value. The most glorious experience on the Astral plane, let it dazzle and thrill as it may, is not necessarily in accordance with the True Will of the seer; if not, though it be never so true objectively, it is not true for him, because not useful for him. […]

The essence of the right sensation consists in recognition of the reality of the other Being. There will be as a rule some element of hostility, even when the reaction is sympathetic. One’s “soul-mate” (even) is not thought of as oneself, at first contact.

One must therefore insist that any real appearance of the Astral Plane gives the sensation of meeting a stranger. One must accept it as independent, be it Archangel or Elf, and measure one’s own reaction to it. One must learn from it, though one despise it; and love it, however one loathe it.

One must realize, on writing up the record, that the meeting has effected a definite change in oneself. One must have known and felt something alien, and not merely tried on a new dress.

There must always be some slight pang of pain in a true Astral Vision; it hurts the Self to have to admit the existence of a not-Self; and it taxes the brain to register a new thought. This is true at the first touch, even when exaltation and stimulation result from the joy of making an agreeable contact.‘ (Book 4, Magick in Theory and Practice, Appendix III)

Doch viel wichtiger, als dieserlei Dinge im Vorhinein schon alle zu verstehen, geschweige denn, unvorbereitet ‚drauf los zu reisen‘, ist es, sich seines ‚Lichtkörpers‘ anzunehmen und in geduldiger, regelmäßiger Arbeit diesen ‚magischen Doppelgänger‘ zu einem mündigen Bürger für die ‚andere Seite‘ zu erziehen. Dazu sind, neben den Empfehlungen eines Crowley (oder eines Rudolf Steiner), auch schlichtweg die Jahrtausende alten Praktiken jeder Religion geeignet – und zwar ganz besonders, sofern sich die Praktiken auf alle Aspekte des Alltags beziehen lassen.

Der 2. Grad heißt Zelator, in etwa ‚Eiferer‘, und ist der Sephirah ‚Jesod‘ zugeordnet. Hier geht es primär um die Ansammlung von innerer Energie, um ein aktives Produzieren von innerer Lebenskraft, die als Reservoir dienen kann, auf Abruf in zielgerichtete Aktivität umgesetzt zu werden. Als grundlegende Übungen sind hierzu speziell die Begriffe Asana und Pranayama zu nennen, grob als ‚Körperhaltungen‘ und ‚Atemkontrolle‘ zu übersetzen. Das schon erwähnte Liber E enthält den Grundriss dieser Fähigkeiten, die es in steter Praxis weiter zu entwickeln gilt. Alles in allem handelt es sich bei diesem ‚Eiferer‘-Grad um eine Fortführung der bereits bekannten Grundübungen, nun in erhöhter Intensität.

Der 3. Grad nennt sich Practicus, der Sephirah ‚Hod‘ entsprechend, und dreht sich um die gedankliche Systematisierung von allem bisher gelernten und erfahrenen. Dies wird bei Crowley als ein Studium der ‚Heiligen Qabalah‘ bezeichnet. Jedenfalls wird hier einerseits alles an bereits bekannten ‚Übungen‘ und Praktiken nun endlich im Kontext des ganzen Kosmos zu erfassen begonnen, während es vorher eher ‚einfach hingenommen‘ werden musste, im Vertrauen auf die Sinnhaftigkeit der Anweisungen des ‚Meisters‘, bzw. des Ordens. Andererseits wird auch dieser weite Kosmos selbst, den man auf seinen ‚Reisen‘ durch die Ebenen schon recht intensiv kennengelernt hat, nun mehr und mehr systematisch erfasst und begriffen.

Im 4. Grad, genannt Philosophus, bewegt man sich in der Sphäre, die man ‚Netzach‘ nennt, und der Fokus liegt auf ‚moralischer‘ Arbeit. Hier steht auch eine Art von Prüfung an, durch deren Bewältigung sich der Suchende seine Hingabe an den Orden und das Große Werk beweist.

Es sei hier angesichts des Grad-Namens vielleicht auch mal der Hinweis gegeben, dass man ‚Philosophie‘, anstatt als ‚Liebe zur Weisheit‘ (bzw. präziser als ‚freundschaftliche Zuneigung zur Weisheit‘), auch als ‚Liebes-Weisheit‘ übersetzen kann, bzw. als ‚Weisheit der (freundschaftlichen) Zuneigung‘.

Den Höhepunkt dieser ersten Abteilung des Ordens, des ‚Golden Dawns‘, bildet dann der ‚Übergangsgrad‘ namens ‚Dominus Liminis‘, ‚Herr der Schwelle‘. An der Schwelle des Überganges vom äußersten in den mittleren, also in den zweiten der drei, Orden, gilt es, sich zu sammeln, und dabei alle Fähigkeiten zu einem heilen Ganzen verschmelzen zu lassen. Hierzu wird auf die Sanskrit-Termini Pratyahara (~Entleeren des Geistes, Abtöten von Störfrequenzen) und ‚Dharana‘ (~Konzentration, Sammlung im unendlich kleinen Zentrum) verwiesen, als Fähigkeiten, die zu meistern sind. Diese beiden werden im Yoga (besonders nach Patanjali) als die Vorstufen des Endzieles ‚Samadhi‘ genannt.

2.7. Die Grade des ‚Rosenkreuzes‘: der Weg mit dem Schutzengel bis an den ‚Abgrund‘

Dann kann es zur schon erwähnten ‚K&C‘ des ‚HGA‘ kommen, zum Kennenlernen des Heiligen Schutzengels und dem zunehmenden Austausch mit demselben. Dieser entscheidende Prozess wird den gesamten Inhalt der nun beginnenden Ordensabteilung des ‚Rosenkreuzes‘ darstellen. Die von Crowley ‚empfohlenen‘ Rituale, die speziell diesen Prozess zum Ziel haben, sind primär sein ‚Liber Samekh‘ und das sehr umfangreiche Ritual aus einer alten jüdischen Schrift namens ‚The Book of the Sacred Magic of Abramelin the Mage ‚, auf dem Crowley seine vereinfachte Variante des Liber Samekh basieren lässt.

Durch das Bekanntwerden mit dem Heiligen Schutzengel also tritt der Aspirant erst vollständig in diese nächste Ordensabteilung ein, dringt eine Schicht weiter in Richtung Kern des Ordens vor. Dieser mittlere Ring des Ordens gilt als das eigentlich zentrale Element in der (jedenfalls ‚äußeren‘) Struktur des A.‘. A.‘., hier findet der eigentliche Weg des ‚Adeptentums‘ statt, den entlang der Aspirant eben durch jenen ‚Engel‘ geleitet wird. Und so viele gute Hinweise dem Suchenden hier durch äußere Schriften und auch persönliche Anleitung gegeben werden können – das Entscheidende ist doch letztlich allein der innere, völlig individuelle Ruf des Heiligen Schutzengels, dem er zu folgen hat, der jeden Einzuweihenden auf seinem je ganz eigenen Pfad schreiten lässt.

Der Name dieser zweiten Ordensabteilung lautet ‚Rosy Cross‘; es ist der ‚Orden vom Rosenkreuz‘.

Dabei spielt das Symbol des Kreuzes, aus dem die Rose erblüht, eine zentrale Rolle in der Grundausrichtung aller Methodik. Die theoretische Grundlage dazu wird dem Adepten bereits gut aus dem ersten Orden bekannt sein, doch nun beginnt er die aktive Arbeit mit diesem Werkzeug.

Der erste Grad dieser Abteilung (der 5. Grad insgesamt), der der Sephirah Tiphereth zugeordnet ist, heißt ‚Adeptus Minor‘, und er ist genaugenommen noch einmal in zwei Hälften unterteilt, wobei die erste der ‚äußere‘, bzw. ‚außenstehende‘ Adeptus Minor ist, und die zweite der ‚innere‘ Adeptus Minor.

Der ‚äußere‘ begibt sich ‚in die Sephirah Tiphereth‘, mit dem Ziel, dort im Zuge des schon angesprochenen Rituals (individueller Ausprägung, aber eben nach dem strukturellen Vorbild des ‚Abramelin‘) den Schutzengel kennenzulernen. Hierzu wurde weiter oben in den Begriffsdefinitionen (1.1.7.), und zu Eingang dieses Kapitels hier schon manches gesagt, und dabei vor allem auf die einschlägige Literatur verwiesen. Eine andere, weniger ‚magische‘ Perspektive auf diesen allerersten, noch ganz sanften Beginn der Einswerdung mit dem Ewigen, soll im zweiten Hauptteil dieser Abhandlung zu geben versucht werden (Stichwort ‚Hören der Bath Qol‘, oder auch ‚Christus in mir‘ geboren werden lassen, wie es ein Meister Eckart umschreibt).

Zwei große Schritte sind es also, die im Grad des Adeptus Minor zu bewältigen sind. Crowley beschreibt es einmal folgendermaßen in eher abstrakter Form:

‚To attain the Grade Adeptus Major, he must accomplish two tasks; the equilibration of himself, especially as to his passions, so that he has no preference for any one course of conduct over another, and the fulfilment of every action by its complement, so that whatever he does leaves him without temptation to wander from the way of his True Will.
Secondly, he must keep silence, while he nails his body to the tree of his creative will, in the shape of that Will, leaving his head and arms to form the symbol of Light, as if to make oath that his every thought, word and deed should express the Light derived from the God with which he has identified his life, his love and his liberty — symbolised by his heart, his phallus, and his legs. It is impossible to lay down precise rules by which a man may attain to the knowledge and conversation of His Holy Guardian Angel; for that is the particular secret of each one of us; as secret not to be told or even divined by any other, whatever his grade. It is the Holy of Holies, whereof each man is his own High Priest, and none knoweth the Name of his brother’s God, or the Rite that invokes Him.‘ (One Star in Sight)

Direkt nach der ‚Kontaktaufnahme‘ mit dem Heiligen Schutzengel beginnt (unter dessen Anleitung) der Prozess einer Art Konsolidierung des bisher erreichten, und im Besonderen fängt man an, Konsequenzen aus der neu gewonnenen Verantwortung zu ziehen. Das bedeutet konkret (in der Sprache Crowleys, bzw. Thelemas), dass ‚die vier Höllenfürsten‘ gebannt werden müssen. Dies ist der Kern der zweiten Hälfte dieses Grades, die Mission des ‚inneren‘ Adeptus Minor. Dies ist betontermaßen eine Pflicht von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit:

‚[…] every magician must firmly extend his empire to the depth of hell. “My adepts stand upright, their heads above the heavens, their feet below the hells.”

This is the reason why the magician who performs the Operation of the “Sacred Magic of Abramelin the Mage”, immediately after attaining to the Knowledge and Conversation of the Holy Guardian Angel, must evoke the Four Great Princes of the Evil of the World.

Obedience and faith to Him that liveth and triumpheth, that reigneth above you in your palaces as the Balance of Righteousness and Truth” is your duty to your Holy Guardian Angel, and the duty of the demon world to you.

These powers of “evil” nature are wild beasts; they must be tamed, trained to the saddle and the bridle; they will bear you well. There is nothing useless in the Universe: do not wrap up your Talent in a napkin, because it is only “dirty money”!

With regard to Pacts, they are rarely lawful. There should be no bargain struck. Magick is not a trade, and no hucksters need apply. Master everything, but give generously to your servants, once they have unconditionally submitted.

There is also the questions of alliances with various Powers. These again are hardly ever allowable.

No Power which is not a microcosm in itself — and even archangels reach rarely to this centre of balance — is fit to treat on an equality with Man. The proper study of mankind is God; with Him is his business; and with Him alone. Some magicians have hired legions of spirits for some special purpose; but it has always proved a serious mistake. The whole idea of exchange is foreign to magick. The dignity of the magician forbids compacts. “The Earth is the Lord’s and the fulness thereof”.‘ (Book 4, Kapitel 21, II)

Dann folgt der 2. Grad, der Adeptus Major (insgesamt ist dies also der 6. Grad des ganzen Ordens). Der Sephirah Gevurah zugeordnet, vollendet der Adept hier seine ‚magischen Fähigkeiten‘ insofern, dass er ohne jede Selbstbeschränkung zu handeln vermag (‚magick powers of the second rank‘, laut Crowley). Allerdings geht dieser Zustand noch nicht mit einem tiefen Verständnis dessen einher, was dabei genau geschieht, und wie die Dinge zustandekommen, die durch den Adepten gewirkt werden. Es ist der Gipfel ‚intuitiver‘ Magie erreicht. Der herrschende Begriff hier ist ‚Balance‘, Gleichgewicht. Auf diesem Weg kann auch ohne tiefschürfendes Verstehen der Zustände und Zusammenhänge stets der gewünschte Prozess eingeleitet, in Gang gehalten, und zu seiner Zeit unterbunden werden. Es ist vergleichbar mit dem sich Üben im Balancieren auf einem schmalen Steg, durch intuitive Verlagerung des Körpergewichts beim Voranschreiten – auch hierbei ist das tiefere Verständnis der Schwerkraft nicht notwendig, sondern der Balancierende beschränkt sich einfach auf jeden nächsten Schritt, der gerade vor ihm liegt und folgt dabei dem Leitprinzip: Gleichgewicht bewahren!

Auf die magische Praxis des Adeptus Major übertragen, ist dies nur durch profunde Erfahrung zu erreichen und kann nicht ehrlich in eine einfache Formel gepresst werden. In gewissem Sinne aber ist es ein ständiges Suchen des Mittelweges, und ein Ausgleichen von Ausschlägen in die Extreme durch ein routinemäßiges Herbeirufen der polaren Gegenkräfte.


‚His work is to use these to support the authority of the Exempt Adept his superior. (This is not to be understood as an obligation of personal subservience or even loyalty; but as a necessary part of his duty to assist his inferiors. For the authority of the Teaching and governing Adept is the basis of all orderly work.)
To attain the Grade of Adeptus Exemptus, he must accomplish Three Tasks; the acquisition of absolute Self-Reliance, working in complete isolation, yet transmitting the word of his superior clearly, forcibly and subtly; and the comprehension and use of the Revolution of the wheel of force, under its three successive forms of Radiation, Conduction and Convection (Mercury, Sulphur, Salt; or Sattvas, Rajas, Tamas), with their corresponding natures on other planes. Thirdly, he must exert his whole power and authority to govern the Members of lower Grades with balanced vigour and initiative in such a way as to allow no dispute or complaint; he must employ to this end the formula called „The Beast conjoined with the Woman“ which establishes a new incarnation of deity; as in the legends of Leda, Semele, Miriam, Pasiphae, and others. He must set up this ideal for the orders which he rules, so that they may possess a not too abstract rallying point suited to their undeveloped states.‘ (One Star in Sight)

Das Symbol des Rosenkreuzes, also die Verschmelzung von Kreuz und Rose, bzw. der durch diese beiden Symbole angedeuteten Aspekte von Makrokosmos und Mikrokosmos, umschreibt bei all dem nun den angestrebten Prozess dieser Ordensabteilung, den Weg hin zu dieser ‚Hochzeit der Extreme‘ als nächste Stufe, die es zu erreichen gilt, als entscheidende Vorbereitung auf das Überschreiten des Abyss am Ende dieser zweiten Ordensabteilung, bzw. beim Übergang in die Innerste der Abteilungen. Bei Crowley wird zum ‚Rosenkreuz‘, und zu dessen Bezug auch zur erotischen Verschmelzung als (potentiell) höchst-heiligstem Ritual auf physischer Ebene, zum Beispiel einmal folgendes gesagt:

‚So we need not be surprised if the Unity of Subject and Object in Consciousness which is samadhi, the uniting of the Bride and the Lamb which is Heaven, the uniting of the Magus and the god which is Evocation, the uniting of the Man and his Holy Guardian Angel which is the seal upon the work of the Adeptus Minor, is symbolized by the geometrical unity of the circle and the square, the arithmetical unity of the 5 and the 6, and (for more universality of comprehension) the uniting of the Lingam and the Yoni, the Cross and the Rose. For as in earth-life the sexual ecstasy is the loss of self in the Beloved, the creation of a third consciousness transcending its parents, which is again reflected into matter as a child; so, immeasurably higher, upon the Plane of Spirit, Subject and Object join to disappear, leaving a transcendent unity. This third is ecstasy and death; as below, so above.‘ (The Equinox I, 4: The Big Stick)

Der 3. Grad (der 7. Grad insgesamt), der die eigentlichen Grade im mittleren Orden des Rosenkreuzes abschließt, ist der Adeptus Exemptus, assoziiert mit der Sephirah Chesed.

Hierzu wird gesagt, dass der Beweis der Vollendung dieses Grades darin besteht, dass der Adept ein (schriftliches) Werk in geeigneter Form veröffentlicht, das die eigene bisher erklommene Weltsicht in angemessener Gestalt nachvollziehbar macht, und damit einhergehend auch eine Art ‚Strategie‘ für den weiteren Gang der Menschheit darlegt. Und dass es sich bei irgendeiner Schrift tatsächlich um jenen ‚Beweis‘ des Status als ‚Adeptus Exemptus‘ des Autors handelt, soll sich daran zeigen, dass auf diesem Werk eine neue ‚Denkschule‘ aufbaut.

Streiten sicher kann man sich in Bezug auf diese Definition darüber, ob mit ‚Schrift‘ zwangsläufig ‚etwas physisch in Wörtern menschlicher Sprache Niedergeschriebenes‘ handeln muss, oder ob nicht auch das gelebte Vorbild eines ‚außerordentlichen Adepten‘ in der Astral-Welt derartige Spuren einritzen kann, die man guten Gewissens als ‚Schrift‘ bezeichnen darf, die in gleichwertiger Weise ein solches ‚Werk‘ repräsentieren kann, auf dem besagte ’neue Denkschule‘ basiert.

Und auch kann gefragt werden, ob die neue ‚Denkschule‘ sich quasi sofort nach Veröffentlichung eines wie auch immer gearteten Werkes schon zeigen muss, oder ob nicht erst der weitere Verlauf der Menschheitsgeschichte erweisen wird, ob eine solch neue Denkschule aufgrund des Werkes konstatiert werden kann. Denn einerseits kann ja ein Werk gelegentlich erst ‚postum‘ zu derartigem Weltruhm kommen (siehe vielleicht das Beispiel Nietzsche). Andererseits kann auch umgekehrt einmal ein Werk sofort einen ‚Hype‘ erleben, bzw. erzeugen, der dann jedoch bald wieder abflacht und vielleicht nach wenigen Jahren schon ganz versiegt ist. Die Zeit also zeigt letztenendes erst, was es WIRKLICH mit diesem oder jenen Werk auf sich haben mag.

!N!

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