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Out of Shadows pt.2


Choke on that Hot Dog …

Today it is the time –
Three Days and Nights
after
that the Grand One, the White One,
granted the Silver Flaming Blade
to a certain dark and quiet one.

Enough Tears collected,
not one of them neglected,
none of them ejected –
but elevated, lifted;

and a Cup … full of the gathered Tears
is counted as the Blood
of all the slaughtered Martyrs.

Proving to the MOTHER
by this Offering:
We are HERE!
Ready!!

Now the Storm may come,
now a new kind of Hunt is on,
no one will succumb
any longer to that scum.

Turned around the playbook,
there will be the Day,
that this current act
of the molochian sect
will be done and gone.

For they changed the Holy Name
of the Rooster-headed, Serpent-legged,
Whip-Master, Shield-holder
Abrasax –

into an institution of
blood thirst and rapish lust;

and the Holy Baptism of Sophia,
the Holy Transformation by
the Mouth of Death
Grave to Life …
Baphometh –

into a mere idol to
rule by torture, murder, pain and death.

So all of ‚them‘ …
the Pingpong-Pedo-Podee’s
James and … John and Tony,
Amanda, Billy and Hillary …
… Huma and that Rayray
Marina,
the Wiener,
Hussain and maybe his Michael, too,
Nancy and certainly creepy Joe –
and all the other sickoes, you’re
together with in this deep state show …

Although …
Let us not skip one fact:
All of those figures are
but burnt children themSELVES:

Some are just a shell, containing nymphs and gnomes;
others are indeed evil demons – but jailed in this human form;
some are sadly poorly guarded kids of God-forsaken times;
and only few are actually heavily demonized rotten souls.

And … the Wicked Witch of Southern Slavia?
Even she, in her core,
is just the little girl ashamed
of thoughts of lust and fears of guilt,
a human being, striving to be guarded
more and more
by a very, very Cold Shield.

But all these basic reasons won’t
help the victims and survivors
here, in This World.

So may it ALL be forgiven
afterwards, ‚up there‘ …
But down HERE we need to harmonize,
all the dis-balance;
so we demonstrate a Justice
worth of the Living God’s Vengeance.

So reap now, what you sow!
This time be it not just few.
Yes, the Judgement Day of Truth
is already on the move –

Look, we see the Q-Flag!!
on the White Houses Roof …

No more praying necessary
in this issue;
ALL is through!

‚Issru Chag‘, ‚binde fest den Tanz‘!!


‚Out of Shadows‘

Imagine:
A glad scene –

Bill Gates‘ private Magus got
shattered by the Rod
of a ‚Nemo‘ …

just cracked up
into pieces of red Dust,
while attempting to punch
with his Left Hand
OUR very Heart …

But a Breastplate of Copper and Bronze
stopped the assault,
an emblazened Shield,
adorned with the Horns
of an Ox,
and with diamond Spikes
like the petrified Light
of the Sun with its rays
like the Mane of a Lion,
frozen to glistening Ice.

And so he got pwned,
by his own act of wrath –
‚gainst a Naught,
a Nothing –
just a soft, gentle Breath.
That poor Left-handed heck …

So now he’s gone –
that oligarchs last trump,
and Billy will fear Trump,
and Billy will soon drop.

Played too much the ‚Doctor‘,
neutered too many wombs,
… crippled too many toddlers –

Who knows?
W.H.O. knows.

Maybe just got a little too intoxicated
by his own smug fakeness …

So may he fall deep,
but land well,
and feel at home down there …

No ‚Windows‘ though, no:
ONE door only …
So, knock, knock, pause –
KNOCK! .. ending your spell!
… one ‚Hashtag‘ remaining:

#GatesToHell.

 

.‘.

 

And almost concurrently:
Envision a giant turd,
dropped on George Soros‘
force field of influence …

And not just any feces, but
the product of digesting all
the sponsored revolutions‘ Blood,
Sweat, Toil and Tears he painted
all so colorful and powerful
through all the years of his ‚Spiel‘ –
as OUR Life’s Meal.

The smell of this toxine,
WE now finally are freed of,
will be HIS everlasting stain
of Shame, Mark of Cain.

And even his OWN old associates
quite soon will be too grossed out
to stay in the same room
with THAT corrupted and corrupting fraud.


.‘.


Bill and George, two are torched,
‚BeeGee-Boys‘, sang a song,
Dance is going on …
and many still to come.

Let it be on ‚Queue‘.
(Letter Seventeen is ‚Q‘.)

And Hope begets a Son:
Shalom

.‘.

Nachwort: Thelema und LaThalmidim.


Nachwort: THELEMA und La.TH.aL.M.I.D.I.M.

Tu was du willst! … soll sein das Ganze des Gesetzes.

LATHALMIDIM als Motto … äußerlich zunächst einfach: ‚für die Schüler‘, oder auch ‚für die Jünger‘, aus dem Hebräischen übersetzt. Doch da das Hebräische im Original keine Vokalisierungszeichen hat, besteht der Begriff ‚LaThalmidim‘ eigentlich nur aus den acht Zeichen L(amed), Th(aw), L(amed), M(em), J(od), D(aleth), J(od), M(em). Und die KANN man als ‚LaThalmidim‘ vokalisieren, aber man kann sie auch genausogut als ‚LaThäläm Jad Jam‘ vokalisieren. Und das heißt dann ‚hin zur Furche der Hand des Meeres‘, oder noch ein wenig literarischer: ‚ausgerichtet auf die Furche, die die eingreifende Hand des Ozeans über das Antlitz der Erde zieht‘.

Und ‚auf diese Furche gerichtet‘, könnte auch das Wort ‚Thelema‘ verstanden werden, wenn es statt als ein Griechisches, als ein Hebräisches gedeutet würde. Dann wäre es also ‚Thälämah‘, was schlicht ‚hin zur Furche‘ bedeutet.

Was ist aber diese ‚Furche‘, die jene ‚Hand‘ des flutenden ‚Meeres‘ zieht? Es ist UNSER Trampelpfad, unsere sogenannte ‚Realität‘, die wir uns kollektiv aus dem zügellosen Wogen und Wallen der Tiamat herbeiflehen. Unbewusst. Größtenteils. Aber hier und da … blitzt etwas auf.

In diesem Sinne …

Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen!

im jirzeh haSHEM,

Janosch Moser

Edessa Goetiana, 8. April 116 AH

!L!

.‘.

LACTOR NVBI

‚Ich werde gelockt von der Wolke‘

CORONA TRIBVNAL

‚Kröne den Richterstuhl!‘

VBI AB IBI VICIT LORICA CORNVTA.

‚Sobald durch den Ibis der gehörnte Brustschild gesiegt hat.‘

Ergänzungen und Fazit: … was daraus wurde


Ergänzungen und Fazit: Crowley, der A.‘. A.‘. … und was daraus wurde bis heute

Um nun auch wirklich eine Art von Fazit zu ziehen, müssen noch manche Ergänzungen gemacht werden, die in den Inhalt des eigentlichen Hauptteils nicht so recht hineingepasst haben. An erster Stelle betrifft dies wohl die Person Aleister Crowleys, die nicht so einfach übergangen werden kann, wenn über seine theoretischen Ausführungen gesprochen wird. Schließlich ist er doch eine ’schillernde Persönlichkeit‘, wie man so sagt, die allein durch ihre Exzentrik und durch all das, was über ihn bekannt ist oder vermutet wird, schon einen nicht zu ignorierenden Schatten auch auf sein literarisches Werk wirft.

Zum Schluss soll dann auch noch einmal kurz der Blick auf die Besonderheiten des Crowley-Entwurfs, gerade als Methodik eines Einweihungsweges, gerichtet werden.

Und während all dem soll es, als eigentliches ‚Fazit‘, zu einer Bewertung der praktischen Konsequenzen von Crowleys Leben und Lebenswerk (auch für die ‚Weltgeschichte‘) kommen. Das umfasst dann auch die zumindest oberflächliche Betrachtung von äußerlichen Gruppierungen, die sich ausdrücklich als ‚thelemisch‘ betrachten, und von solchen, die vielleicht eher implizit auf die thelemischen Prinzipien zurückgehen.

1. Zur Person Crowleys

Die wohl für viele entscheidende Frage dürfte sein: Ist Crowley jetzt eigentlich ‚Satanist‘? Genug Zitate lassen sich schließlich finden, die das für die meisten Ohren sehr wahrscheinlich klingen lassen würden. Konkret würde die These, dass Crowley ein ‚Satanist‘ ist, wohl vor allem mit seiner deutlich artikulierten Abneigung gegen die zu seiner Zeit herrschende Auslegung (und Auslebung) der Bibel untermauert werden können. Ist dies dann schon Ausdruck eines tatsächlichen ‚Hasses‘ auf das Christentum, bzw. auf ‚die Christen‘? Hass vielleicht sogar auf den ‚wahren Gott‘ (den biblischen JHWH)?!?

Feststellbar ist sicherlich, dass Crowley gerade diese biblisch positiv konnotierte Erscheinungsform Gottes, als eines ganz vom Menschlichen abgesonderten ‚Vaters‘ aller Wesen, im Rahmen seines eigenen Symbol-Kosmos geradezu gegenteilig zeichnet, und umgekehrt häufig die nach gängiger Bibelauslegung als ‚böse‘, bzw. neutraler: als ’negativ‘ empfundenen Figuren, Konzepte und ganze ‚Mythologeme‘ als positive Elemente seiner Weltanschauung darstellt (um nur ein Beispiel zu geben: ‚There is no god but Man.‘).

Doch darf man dabei auch nicht übersehen, dass Crowley erstens grundsätzlich die ‚Provokation‘ als wichtigen Aspekt seiner (Lehr-)Methodik versteht, und dass er sich zweitens auch sehr viel differenzierter mit Konzepten wie ‚Satan‘, ‚JHWH‘ (bzw. ‚Adonai‘), ‚Jesus‘, dem ‚Christus‘ und vielen weiteren Begrifflichkeiten der biblischen Gedankenwelt auseinandersetzt, als sie einfach nur schwarz-weiß in ‚böse‘ und ‚gut‘ einzuteilen (siehe etwa ‚The Gospel according to Saint Bernard Shaw‘, Crowleys sehr ausführliche Kommentierung des Werkes ‚Androcles and the Lion‚ von George Bernard Shaw, aber auch viele Stellen in anderen Werken, vermehrt zum Beispiel im Spätwerk ‚Magick without Tears‘).

Und schon in seiner ‚Grundsatzerklärung‘ zum A.‘. A.‘. (die zu Anfang der ersten Hälfte des Hauptteils dieser Abhandlung ausführlich zitiert wurde) finden sich einige Passagen, die sich sehr wohl so verstehen lassen, dass Crowley als ‚Obermeister‘ des wahren ‚Inneren Ordens‘ Jesus Christus betrachtet, ‚den Weg, die Wahrheit und das Leben‘, das ‚Licht der Lichter‘. Auch, wenn er dabei den Namen ‚Jesus Christus‘ vermeidet, und überhaupt in seinem Gesamtwerk recht scharf trennt zwischen ‚Jesus‘ als verklärtem Bild der profanen Christenheit und ‚Jesus‘ (bzw. Jeheschua, wie er ihn auf Hebräisch nennt) als dem ‚großen Magier‘, der vor rund zwei Jahrtausenden das Äon des Osiris eingeleitet hat (und den er gelegentlich übrigens auch mit ‚Satan im positiven Sinne‘ identifiziert …). Und ebenfalls betrachtet er ‚Christus‘ nicht einfach als eine Art ‚Nachnamen‘ des biblischen Jesus, sondern als Titel, bzw. als eine in der Welt durch den Menschen wirkende göttliche Kraft (so, wie es ja EIGENTLICH auch dem Bibeltext zu entnehmen ist; die Deutung als ‚Nachname Jesu‘ ist ja eine völlig entartete Verständnisweise, tauchen doch in der Bibel schon im Alten Testament mehrere ‚Christusse‘, nämlich ‚Gesalbte des Herrn‘ auf …).

Dennoch sei es jedem unbenommen, der Crowley als ‚Satanisten‘ betrachten will … schließlich betrachtet Crowley seinerseits ‚den Satan (im positiven Sinne)‘ als den großen ‚Einweiher‘ unter den Himmlischen Heerscharen, der ja zum Beispiel auch einen Hiob zur höheren Einsicht in das Wesen Gottes zu führen vermag (auf Befehl Gottes hin, wohlgemerkt). Und indem Crowley selbst auch als ‚Einweiher‘ versucht in der Welt zu wirken, dazu noch eine so provokante Art an den Tag legt … kann man ihn wohl durchaus als ‚Agenten Satans‘ verstehen. Aber ist DIESE Art von ‚Satanist‘ wirklich das, was sich gemeinhin unter dem Begriff vorgestellt wird?

Vielmehr entspricht wohl dem Bild des ‚Satans-Verehrer‘ noch dasjenige, was gewisse Aspekte der Lebensführung Crowleys zeigen, sofern man den heute verfügbaren Überlieferungen zu seinem Lebenslauf trauen kann (sowohl seine eigenen ‚Confessions‘ betreffend, als auch die Biographien über ihn aus fremder Feder …). Wir werden noch auf diesen Lebenswandel zurückkommen.

Aber zum Schluss dieser Anfangsüberlegungen mal eine (rhetorische) Frage an alle fundamentalistischen ‚Christen‘: Crowley hat sich ja bekanntermaßen ganz offen als ‚Antichrist‘ (bzw. als ‚the BEAST 666‘) bezeichnet – ist denn nach der üblichen Bibelauslegung der Antichrist dafür bekannt, sich OFFEN als derselbe zu präsentieren?!

Doch wir wollen zu einer weiteren Schattierung dieses Eingangsthemas übergehen. Eine mit alldem Obigen zusammenhängende Frage könnte dann nämlich noch sein: Ist Crowley zumindest der ‚Begründer‘ eines sogenannten ‚Neo-Satanismus‘?

Zweifellos hat Crowleys Tun weite Kreise gezogen, und bis heute gibt es Gruppen, die sich auf ihn (oder auf ihr jeweiliges Bild, das sie von ihm haben) berufen, oder sich zumindest indirekt auf sein Werk beziehen. Es hat sich also einiges entwickelt aus dem, was Aleister Crowley hinterlassen hat, mit seinen Schriften, mit seinem Lebenswandel.

Diese Entwicklungen allerdings sind nicht so ohne weiteres ‚historisch-kritisch‘ zu untersuchen, weil sich der Ideentransfer eher unsichtbar (und häufigenfalls gar nicht bewusst und gezielt) vollzieht, und die Ideen dabei auch des Öfteren mehr oder weniger verzerrt weitergegeben werden.

So kann man zwar klar konstatieren, dass Crowleys Gedankenwelt ‚irgendwie‘ fortgelebt hat – und natürlich auch in selbsterklärt ’satanistischen‘ Kreisen … aber wieviel er selbst davon hat steuern können, und was genau das heutige Ergebnis davon ist, dürfte schwer festzustellen sein.

Schauen wir aber mal auf einige öffentlich zugängliche Informationen zu Gruppen, die sich heute auf Crowley berufen. Stichpunkte sollten reichen, um bei Interesse an mehr Tiefe selbst weiter zu suchen.

Da ist zunächst die ‚Erste‘ von diesen ‚Gruppen‘, der eigentliche A.‘. A.‘.: Crowley und George Cecil Jones sind dessen Gründer im Jahr 1907 (The Equinox-Zeitschrift als wichtigste Quelle zu den geistigen Inhalten).

Eine Auswahl an heutigen ‚Ablegern‘ davon ist mit folgenden Namen von Personen assoziiert:

J.D.Gunther (dies die vom O.T.O. ‚offiziell anerkannte‘ Linie, benutzt ein Londoner Postfach, das wohl schon Crowley genutzt hat)

J.Eshelman (äußert sich z. B. in Internetforen zu Thelema, vertritt eher eine ‚Religion Thelema‘, als wirklich einen Orden)

D.Shoemaker (hauptberuflich Psychologe; sein Living Thelema Podcast ist z. B. bei Youtube zu finden)

Apropos Youtube: ein sehr empfehlenswerter Vortrag von einem gewissen Joshua Adam Sharp trägt den Titel ‚The Principle of Satan in Thelema‘ (siehe Youtube); für den, der ein bisschen systematischer die Satans-Thematik bei Crowley analysiert bekommen will.

Und um auch mal eine kritische Sicht auf ‚offizielle Ableger‘ des A.‘. A.‘. zu sehen, sei hier der Hinweis auf G. M. Kelly gegeben (einfach mal googlen).

Nur als Randnotiz: Gerade im deutschsprachigen Raum sind dem Verfasser keine selberklärten Thelemischen Gemeinschaften und/oder ‚Kirchen‘ bekannt, die auch nur ansatzweise verdient hätten, hier erwähnt zu werden. Aber das ist freilich eine ‚Privatmeinung‘ und es möge jeder für sich selbst entscheiden, ob dieser Standpunkt gerechtfertigt ist, falls er mal über eine deutschländische Ausformung des Thelemischen stolpert …

Nicht unterschlagen werden soll die ‚Gnostisch Katholische Kirche‘, als eine Art ‚öffentlicher(er) Arm‘ des Ordo Templi Orientis (… auf welchen wir gleich noch kommen wollen); die für diese ‚Kirche‘ zentrale ‚Gnostische Messe‘ (Ritualtext veröffentlicht in Liber XV von Crowley) ist zumindest mal ein Überfliegen wert für jeden, der Ansätze einer Neugierde empfindet.

Nun müssen also wohl auch wenige Worte gesagt werden zum Verhältnis des A.‘. A.‘. zum O.T.O.

Der ‚Ordo Templi Orientis‘ ist als klassische Bruderschaft mit Ritualen und Logenhäusern aufgebaut (gelegentlich in Privaträumen improvisiert, vor allem außerhalb der USA, wo weniger Mitglieder und weniger Geldmittel vorhanden sind). Dadurch herrscht hier naturbedingt eine viel größere Gefahr, ‚politisch‘ (im weitesten Sinne des Wortes) instrumentalisiert zu werden. Dennoch könnte auch diese Ausprägung ‚Crowleyanischer Mysterienschulung‘ einen fruchtbaren Grund für den eigenen Weg bieten (aber, als Außenstehender ist das bei einem geschlossenen Orden freilich nicht endgültig abzuschätzen). Auffällig ist jedenfalls, dass die meisten (wenn nicht sogar alle) nennenswerten äußeren Formen des A.‘. A.‘. zumindest in der Führungsebene auch O.T.O.-Mitglieder beherbergen. Wie schon zu Crowleys Zeiten ist also eine deutliche Allianz der beiden Systeme festzustellen – leicht dadurch zu erklären, dass Crowley den O.T.O. quasi ‚übernommen‘ hat; spätestens ab dem Punkt, nachdem Reuss (der Gründer) verstorben war.

Ein Kaninchenbau, der hier nicht weiter betreten werden kann, der aber gegebenenfalls seeehr tief führt, ist beim O.T.O. die Personalie des ‚Raketenwissenschaftlers‘ Jack Parsons (und damit einhergehend auch dessen Bekanntschaft mit dem Scientology-Gründer L. Ron Hubbard). Wer hier weiter forschen will, wird über Internetrecherche manche ‚These‘ finden – Stichworte wie ‚Roswell‘, ‚Grey-Aliens‘ und die ‚Hunde-Wesen (von Sirius)‘ werden dabei allerdings nicht zu vermeiden sein …

Um aber wieder zur Frage zurückzukommen, ob Crowley den ‚Neo-Satanismus‘ gegründet habe: Zweifellos berufen sich auch viele ‚moderne (ausdrückliche) Satanisten‘ auf Crowley. Zu nennen wäre hier vor allem die ‚Church of Satan‘ von Anton Szandor Lavey, die allerdings Internet-Recherchen zufolge nicht einmal ansatzweise an die Tiefen des Crowley’schen Schriftwerkes heranreicht, sondern kaum mehr als ein materialistischer Sozial-Darwinismus zu sein scheint.

Und wer ‚Neo-Paganismus‘ als eine Art Satanismus betrachtet, wird im ‚Wicca‘, wie es von Gardner etabliert worden ist, auch die Einflüsse Crowleys feststellen können (standen Crowley und Gardner doch zumindest in Kontakt).

Aber in keinem Fall, außer im Fall des Ordo Templi Orientis (O.T.O.), kann Crowley selbst ein wirklicher ‚Vorwurf‘ für die jeweilige heutige Ausprägung gemacht werden – wenn sich auch noch so oft und laut auf ihn berufen werden mag. Es sei denn, man macht auch Mohammed einen Vorwurd für Malcolm X, oder Mose einen Vorwurf für die Irgun-Terroristen, oder Zarathustra einen Vorwurf für Nietzsche, oder Nietzsche einen Vorwurf für die Nazis. Oder Zarathustra einen Vorwurf für die Nazis … Oder, Gott behüte, Jesus einen Vorwurf für den Papst.

Der O.T.O. dagegen, den Crowley schließlich fundamental geprägt hat, kann wohl nicht ganz so einfach als ’satanistisch‘ klassifiziert werden, wie eine ‚Church of Satan‘ (wenn auch natürlich es jedem frei steht, es dennoch zu tun …). Bei diesem Orden handelt es sich in erster Linie tatsächlich um den Versuch, das ‚Thelema‘-Prinzip in einer klassischen ‚Bruder- und Schwesternschaft‘ auszuleben. Was dort dann genau intern vonstatten geht, kann freilich von außen nicht wirklich gesehen werden. Aber es ist davon auszugehen, dass es, wie in jeder Institution in der Welt, mehr und mehr in die Entartung abdriftet … Was aber nicht heißen soll, dass nicht dennoch auch immer eine Minderheit von vorbildlichen Vertretern in diesen Kreisen anzutreffen sein kann.

Einen nicht zu übersehenden Einfluss hat Crowley auf die abendländische Variante sogenannter ‚Sex Magick‘. Oben im fünften Abschnitt der zweiten Hauptteils ist einiges grundsätzliches zu dem Thema gesagt worden, aber noch nicht viel auf Crowleys eigene Praktiken eingegangen worden.

Und hier ist auch nicht alles so klar nachforschbar. Sicher, in seinen Schriften kann man stellenweise einigermaßen deutlich nachlesen, was er theoretisch zum Thema Sex Magick zu sagen hatte. Aber was davon und in welcher Weise er es tatsächlich umgesetzt, also ‚ausgelebt‘ hat … das ist schon weit weniger leicht nachzulesen. Sicher, auch hier gibt es die ‚Magischen Tagebücher‘ von solchen ‚Arbeiten‘, wie die ‚Paris Workings‘. Und allein in solchen Notizen finden sich Beschreibungen, die für die meisten ’normalen‘ Menschen wohl regelrecht erschreckend sein dürften, von wilden ‚Perversitäten‘ kündend. Und gegen diese Reaktion soll hier sicher kein Einspruch eingelegt werden. Aber die entscheidende Frage aus Sicht des hier Schreibenden ist vor dem Hintergrund der ‚Satanismus-Anklagen‘ gegen Crowley vielmehr, ob bei solchen Praktiken Menschen (oder andere Wesen) ‚zu Schaden‘ kommen, ob Zwang eingesetzt wird und/oder in irgendeiner Weise ‚böse Ziele‘ damit verfolgt werden.

Nicht ausklammern wollen wir, dass gewisse Kreise heutzutage sich direkt oder wenigstens indirekt auf Crowleys ‚Sex Magick‘ berufen oder zu berufen scheinen. Namen von Personen sollen hier nicht weiter genannt werden … denn diese Abhandlung soll kein (offener) Angriff auf irgendwelche selbsternannten ‚Menschheits-Eliten‘ sein … Aber die Stichwörter ‚Spirit Cooking‘ und ‚Adrenochrom‘ seien doch einmal ausdrücklich mit derjenigen Form von ‚Sex Magick‘ in Verbindung gebracht, die recht eindeutig zu egomanischen Zwecken missbraucht wird, und keineswegs das ‚Große Werk‘ im Sinne von Crowleys Schriften oder überhaupt im Sinne der Mysterientradition zum Ziel zu haben scheint.

Jedem steht es (abhängig von einer evt. zum jeweiligen Zeitpunkt herrschenden Internetzensur) mehr oder weniger frei, zu diesem Thema selbst weitere Recherchen anzustellen.

Etwas konkreter können wir noch werden, wo es um die breitere Entwicklung der (westlichen) Gesellschaft nach Crowley geht.

Ohne bestimmte Tendenzen ALLEIN auf Crowley zurückführen zu wollen, sei doch vor allem im Bezug auf das, was man die ’68er‘ nennt, ein nicht zu leugnender Bezug behauptet.

Und zwar ist dabei gerade jener Aspekt dieser ‚aufbegehrenden Generation‘, den man unter dem Schlagwort ‚Freie Liebe‘ kennt, derjenige, wo die Rückbezüge auf Crowley überaus deutlich sind, teilweise auch ganz offen kommuniziert wurden und werden, und sich auch zum Beispiel in (im Grunde allen) Formen der Unterhaltungsindustrie (bis heute) sehr aggressiv ausdrücken.

Zunächst sei dabei nicht übersehen, dass durchaus auch positive Dinge darin gesehen werden können, insoweit zum Beispiel Heuchelei angeprangert wird und Hass auf Menschengruppen gedämpft wird. Aber der Fokus unserer kurzen Betrachtung hier sei dennoch auf die eher negativen Tendenzen gerichtet, die man in erster Linie als eine ‚Entartung der Sexualität und Erotik‘ bezeichnen kann.

Diese nun aufzuzählen wäre müßig; ein jeder kann sich selbst ein Bild machen. Das Konkrete, was da aufgezählt werden könnte, sind ohnehin immer nur die Symptome; die eigentliche Krankheit aber ist etwas, das eigentlich gar nicht durch die Schriften Crowleys begründet werden kann. Nämlich, dass Erotik in dieser ’neuen Zeit‘ tendentiell stattfindet als ein Mittel zu bloßem ‚Rausch‘ auf der einen Seite, und als eine Art ’soziales Status-Symbol‘ auf der anderen Seite. Kurzum: es herrscht das genaue Gegenteil eines bewussten Umgangs mit Erotik als etwas dem Heiligen zugehöriges, wie es von Crowley propagiert wird (… wenn auch bei ihm in oft fragwürdigen Ausdrucksformen).

Trotzdem, man kann eine gewisse Kausalkette ausmachen, die von Crowleys exzentrischen Auslassungen zur Sexualität und Erotik (inklusive den Berichten über seine Art des Auslebens dieser theoretischen Ideen zur Sexualmagie) über Esoteriker in seinem Bekanntenkreis (Gardner) und solche in seiner (mehr oder weniger direkten) Nachfolge (Motta), bis hin zu den Popkulturellen Ikonen der ’68er‘-Zeit (Beatles) verläuft. Und zwar durchzieht diese Kausalkette dabei durchaus verschiedenste Subkulturen, lässt sich genauso in einem ‚flower-power-Hippie‘-Umfeld antreffen, wie in Satan-Symbolik-verherrlichenden ‚Rock-‚ und ‚Metal-‚Gruppen. Insofern kann also Crowley eine gewisse ‚Schuld‘ für diese Entwicklung mitzugesprochen werden, ob er es bewusst so gewollt hat, oder nicht. Und es gibt in der Tat Behauptungen, die unterstellen, Crowley habe ausdrücklich diese Gesellschaftszustände als nötig für das ‚Neue Äon‘ herbeigewünscht. Doch auch hierbei sollte man nicht vergessen, dass diese Zustände nicht bedeuten, dass der einzelne Mensch zu irgendwelchen Abartigkeiten GEZWUNGEN wird … sie werden dem Menschen nur ‚freigestellt‘, ihm angeboten, natürlich dadurch auch als ‚Verführung‘ vor die Nase gehalten. Aber die Wahl hat der Mensch immer noch. Und vielleicht hat der Mensch eben erst DURCH diese immens erweiterte soziale Duldung von Praktiken und Verhaltensweisen auch wirklich eine FREIE Wahl.

Und … was wäre, wenn derselbe Weg gegangen worden wäre von unserer Gesellschaft, OHNE dabei jedoch ein Werk wie dasjenige Crowleys im Hintergrund zu haben? Dort schließlich KANN jeder auch die konstruktiven Seiten jener Freiheit finden, wenn er sie sucht … Dort KANN er aus dem Rausch der Erotik wieder befreit werden, indem er diese Kraftquelle menschlichen Lebens wieder als etwas HEILIGES entdeckt, und sie entsprechend zu würdigen sich vornimmt.

Was Crowleys wahre Motive bei all seinem Tun waren, weiß (höchstens) er selbst. Und nur er selbst kann dafür ‚zur Rechenschaft gezogen‘ werden. Für alle anderen ist nur wichtig, wie man selbst im Leben handelt … auch im Bezug auf die Gesellschaftszustände natürlich – ob diese Zustände nun ‚von Crowley herbeigeführt‘ worden sind, oder auch nicht. Und was die Motive, Worte und Taten eines jeden anderen Mitmenschen (also auch eines Crowley) angeht, sei nur jedem ans Herz gelegt, so lange wie möglich das Beste zu unterstellen und das Gute auch im scheinbar Schlechten und Bösen noch zu suchen.

Doch um nun auch noch ein wenig den fragwürdigen Lebenswandel Crowleys zu beurteilen, sollen exemplarisch drei bekannte Vorurteile zu ihm etwas näher auf ihre Berechtigung untersucht werden.

Crowley, der ‚Frauenhasser‘

Aleister Crowley hat wahrlich viel dafür getan, gemeinhin als frauenverachtender Chauvinist zu gelten. Nicht wenige Zitate ließen sich anführen, diese Charakterisierung zu untermauern. Aaaaber: Angesichts der Tatsache, dass er allgemein zu drastischer und möglichst provokativer Ausdrucksweise neigt, könnte man derartige Aussagen auch einmal symbolisch deuten, und zum Beispiel folgendes Zitat als Beleg für diese doch etwas tiefergehende Sichtweise auf ‚das Weibliche‘ heranziehen: ‚A male star is built up from the centre outwards; a female from the circumference inwards. This is what is meant when we say that woman has no soul. It explains fully the difference between the sexes.‘ (Book 4, 18, II)

Vor diesem Hintergrund also reihen sich vermeintliche Geringschätzungen des Weiblichen ein in alte Traditionen, die sich etwa auch im Judentum und im Christentum niederschlagen als Formulierungen wie ‚Die Stimme der Frau ist Unzucht‘ (Judentum) und ‚Die Frau soll in der Gemeinde schweigen‘. Solche Dinge sind (in erster Linie) als BILDER zu verstehen, nicht als Bezugnahmen auf das biologische Geschlecht konkreter Menschen. Die Wurzel dieser Ausdrucksweisen ist die Zuordnung von Männlich und Weiblich zur Komplementarität von Innen und Außen (wie ja auch in dem Crowley-Zitat deutlich ausgesprochen), von ‚Geist‘ und ‚Materie‘. Dass ‚die Frau schweigen soll‘, weil ‚ihre Stimme Unzucht‘ ist, meint demnach, dass das Äußere uns nicht mit seinem Glanz blenden, uns nicht vom Inneren ablenken soll. Übrigens findet sich diese zuordnung von ‚Mann = Innen‘ und ‚Frau = Außen‘ wohl auch in der alten indischen Tradition (zumindest laut Wikipedia) – was schlicht daran liegen dürfte, dass auch die ganz ‚handfeste‘, physiologische Ebene der Existenz jene Komplementarität von männlich-weiblich als innen-außen zeigt, wenn sich nämlich beide Geschlechter in produktivem Sinne ‚verbinden‘ …

Crowley, der ‚Sodomit‘

Dass Crowley einen offen bisexuellen Lebenswandel gepflegt hat, ist nicht zu leugnen. Und auch, dass er überhaupt in jeder Hinsicht die Grenzen des ’sozial Akzeptierten‘ infrage gestellt hat, allen Devianzen und Perversitäten ganz grundsätzlich eine gewisse Berechtigung für die Methodik seines magischen Weges zuerkannt hat, ist kein Geheimnis.

Doch liegt der Fokus vielleicht ja wirklich gerade auf letzterem: Dass das Überschreiten von Grenzen in diesem so symbolisch-wertvollen Lebensbereich für ihn schlichtweg ein potentes Instrument war, das Bewusstsein der Beteiligten zu erweitern. Das kann man selbstverständlich sehr kritisch sehen – aber es ist dennoch unbestreitbar etwas anderes, als einfach nur blind seinen ‚abartigen Trieben‘ zu folgen, womöglich noch ohne Rücksicht auf das Wohl der anderen (beteiligten oder auch unbeteiligten) Menschen. Unterstellen könnte man Crowley also höchstens noch, dass er all seine theoretischen Überlegungen zu diesem Thema als bloße Entschuldigungsstrategie missbraucht, seinen Lüsten nach Belieben frönen zu können.

Jedenfalls kann man seine Aussagen zu dem Thema und ebenso seine Berichte vom praktischen Umsetzen seiner Vorstellungen auch einfach als Lehrinhalte begreifen, und für sich selbst individuell entscheiden, was daran wertvoll und was wertlos ist.

Oder um es mal drastisch-bildhaft auszudrücken: Niemand muss sich homoerotischen Ekstasen hingeben oder seinen Gastgebern ins Treppenhaus defäkieren, um Crowleys ‚Weg‘ gehen zu können, bzw. sich Teile von Crowleys Instrumentarium anzueignen …

Er soll übrigens mal als seine Grundmaxime in Bezug auf Sexualität geäußert haben: ‚Jede sexuelle (bzw. erotische) Abweichung vom natürlich-animalischen Zeugungsakt ist ein Ausdruck des Magischen Willens‘ … und somit in erster Linie eine BOTSCHAFT an denjenigen, der diese Abweichungen in oder an sich als Neigung erkennt. Nebenbei: das Wort für ‚Botschaft‘ im Hebräischen ist von der selben Wurzel abgeleitet (gelegentlich sogar exakt identisch geschrieben) wie das Wort für ‚Fleisch‘.

Crowley, der Praktizierende von ‚Blutigen Opferritualen‘

Wer von Crowley nur mal hier und da was gehört hat … der dürfte sehr wahrscheinlich den Eindruck gewonnen haben, dass dieser wahnsinnige Satanist mal MINDESTENS grausam-blutige Tieropfer praktiziert hat – wenn nicht sogar Menschenopfer!! … solche Mutmaßungen tauchten schon zu Crowleys Lebzeiten wohl auch in der ein oder anderen Tageszeitung auf.

Doch was hat es wirklich mit diesen Anschuldigungen auf sich? Wir haben ja inzwischen klargestellt, dass die ‚Provokation‘ mit einem schockierenden Nimbus um seine Person bei Crowley geradezu zu einer Methodik erhoben worden ist. Versucht man dann aber nach dem ersten ‚Schock‘ wirklich einmal in die Fakten zu schauen, so findet man vor allem zwei Kategorien von Hinweisen auf das Thema ‚Opferungen‘: Textzitate theoretischer Natur in Crowleys Schriften, sowie Aussagen von Wegbegleitern Crowleys (speziell die ‚Abtei Thelema‘ betreffend) und von Crowley selbst zu tatsächlich ausgeführten Ritualen mit Elementen von ‚Opferung‘.

Vorneweg: Letztere sind bei Crowley selbst sehr selten anzutreffen, dem hier Schreibenden ist nur eine ausdrückliche Geschichte bekannt (Stichwort ‚Frosch‘), auf die gleich kurz eingegangen werden soll. In Berichten von Wegbegleitern Crowleys wird tatsächlich gelegentlich auch von (mehr oder weniger regelmäßigen) (Klein-)Tieropferungen gesprochen. Doch ob diese Berichte authentisch sind, oder doch eher verleumderischer Natur, aus welchen Gründen auch immer, ist heute schwer festzustellen. Es gibt jedenfalls Hinweise auf letzteres. Doch um der Auseinandersetzung willen, gehen wir nun für unsere Zwecke einfach mal davon aus, dass Tieropferungen tatsächlich stattgefunden haben, und zwar auf eine solche Art, wie sie aus Crowleys theoretischen Schriften zu dem Thema auch zu erklären wären.

Dann handelt es sich um Tiertötungen, die entweder durch einen gezielten Stich ins Herz, oder durch ein Durchtrennen der Halsschlagader zu einem sehr schnellen Tod führen – und keineswegs dürfte es dabei zu Qualen seitens des Tieres kommen, geschweige denn zu gezielter Folterung, Gott behüte!

Crowleys eigene Worte mögen einen Eindruck vermitteln:

‚But the bloody sacrifice, though more dangerous, is more efficacious [als ein Ersetzen des Blutes durch ein Räucheropfer, also ‚Pflanze‘ statt ‚Tier‘; vgl. auch Kain und Abel]; and for nearly all purposes human sacrifice is the best. The truly great Magician will be able to use his own blood, or possibly that of a disciple, and that without sacrificing the physical life irrevocably. [hierbei weist eine Fußnote ausdrücklich darauf hin, dass Crowley zwar im Prinzip der Meinung ist, dass der tatsächliche Tod des Geopferten die allerhöchste Form eines ‚Blutopfers‘ ist, dass er selbst aber niemals einen Menschen im physischen Sinne getötet habe, und dass dieses ‚Töten‘ beim Magier ohnehin eigentlich auf das Vernichten des Egos zu beziehen ist]‘

‚The method of killing is practically uniform. The animal should be stabbed to the heart, or its throat severed, in either case by the knife. All other methods of killing are less efficacious; even in the case of Crucifixion death is given by stabbing.‘

‚The victim must be in perfect health — or its energy may be as it were poisoned. It must also not be too large: the amount of energy disengaged is almost unimaginably great, and out of all anticipated proportion to the strength of the animal. Consequently, the Magician may easily be overwhelmed and obsessed by the force which he has let loose; it will then probably manifest itself in its lowest and most objectionable form.‘

‚If you are easily disturbed or alarmed, or if you have not yet overcome the tendency of the mind to wander, it is not advisable for you to perform the “Bloody Sacrifice”.‘ (alle Zitate aus Magick in Theory and Practice, Kapitel 12)

Und nun vergleiche man einmal diese Grundbedingungen eines ‚Magischen Opfers‘ mit den Tierschlachtungen der Nahrungsmittelindustrie … Werden dabei wohl die freiwerdenden Energien im rechten Sinne behandelt?! Was sagt das über den ‚Vergiftungsgrad‘ all des (Supermarkt-)Fleisches aus, das man uns als ‚Speise‘ vorsetzt!?

Ein einziges Beispiel ist dem hier Schreibenden bekannt, wo Crowley im Detail eine solche tatsächlich durchgeführte Opferung (eines Tieres) beschreibt. Dabei handelt es sich um einen Frosch, dem er die vielleicht zweifelhafte ‚Ehre‘ des sterbenden Osiris zukommen lässt, namentlich in Gestalt der Symbolik der Kreuzigung Jesu von Nazareth.

Sicherlich wundert es niemanden, wenn die allermeisten Menschen diese Aktion als grausame Barbarei betrachten … Doch versichert Crowley zumindest, den Frosch VOR der Kreuzigung mit einem Stich ins Herz weitgehend schmerzlos getötet zu haben. Und das Wesentliche bei dem Ritual ist schließlich dessen Bedeutung als Zelebrierung des ‚Übergangs in ein neues Äon‘, und nicht etwa die scheinbare Blasphemie an ‚Jesus‘, oder gar das sadistische Quälen eines Frosches. Man halte also davon, was man will … doch wird wohl kaum ein Frosch, der einen mehr oder weniger natürlichen Tod in ‚freier Wildbahn‘ stirbt, auch nur ansatzweise die gleiche Ehrerbietung durch den Menschen erfahren, wie jener Gekreuzigte. Und wiederum: Ist es besser, wenn massenweise Froschschenkel als ‚Delikatesse‘ verspeist werden?! Der Mensch nimmt sich des Frosches an, auf die ein oder andere Weise, integriert dieses Wesen in die Ganzheit des Menschen hinein, es so mitnehmend auf die Reise zurück in die Ewige Heimat.

Verschwiegen werden soll hier nicht das wohl berüchtigteste Zitat in dieser Thematik:

‚For the highest spiritual working one must accordingly choose that victim which contains the greatest and purest force. A male child of perfect innocence and high intelligence is the most satisfactory and suitable victim.‘ (ebenfalls Kapitel 12 des besagten Buches)

nun, angesichts der Vermutung, dass Crowley niemals so etwas im phyischen Sinne ausgeführt hat, kann man entweder unterstellen, dass es einfach eine kalt-analytische Beschreibung von Möglichkeiten ist (und so wirkt eigentlich der Großteil des ganzen Buches, aus dem das Zitat stammt; eine Art objektive Anleitung, ‚jenseits von Gut und Böse‘, ohne jede Handlungsempfehlung ‚moralischer Natur‘ dabei) – oder, dass es sich grundsätzlich um eine SYMBOLISCHE Beschreibung handelt, die auf das höchste Opfer IN EINEM SELBST hinweist, bei dem der Einzelne bereit ist, in sich sogar die ‚Frucht‘ seines ureigenen Seins hinzugeben (vgl. die ‚Bindung Isaaks‘ durch den Vater Abraham in Genesis 22).

Doch weiter im Thema … Von Wegbegleitern wurde hin und wieder auch der Vorwurf erhoben, Crowley habe sich ‚brutal‘ gegenüber seinen Schülern und Zöglingen verhalten … Daher noch kurz etwas zu diesem ‚brutalen Verhalten‘ gegenüber Schülern: Verfolgt man diese allgemeinen Anschuldigungen, findet man als konkrete Beispiele zum Beispiel ‚Lehrmethoden‘, wie: ‚Ritze dir immer mit einer Rasierklinge ein wenig ins Handgelenk, wenn du dich dabei ertappst, das Wort ‚ich‘ gebraucht zu haben!‘ … es handelt sich also um eine (wenn auch drastische) Übung, sich seines Sprechens bewusst zu werden, und seine Sprache (und damit einhergehend auch sein Denken) zu kontrollieren. Heutige ‚Thelemiten‘ haben diese Technik ‚entschärft‘, indem sie statt dem Ritzen einfach ein Gummiband ums Handgelenk tragen, was sie bei Bedarf spannen und zurückschnellen lassen. Jeder entscheide selbst, ob man für solche ‚Lehrmethoden‘ ein ‚brutales Verhalten‘ gegenüber seinen Schülern nachgesagt bekommen muss. Es sollte ja jedem ‚Schüler‘ freistehen, sich einen anderen ‚Lehrer‘ zu suchen.

Crowley als ‚Black Brother‘?!

Nun auch noch mal deutlich zur Frage, die wohl jedem auf der Zunge liegt, der sich mit Crowley von dieser oder jener Seite befasst, und der im Laufe des Studiums seiner Gedankenwelt auch das Konzept des ‚Black Brothers‘ kennengelernt hat: Ist Crowley selbst etwa ein ‚Black Brother‘?

Vieles kann als darauf hindeutend interpretiert werden, zweifellos. Und dennoch lässt sich aus Sicht des hier Schreibenden nicht sagen, dass man Crowley eindeutig grausamer Verbechen beschuldigen kann. Und sein Inneres zu sehen vermag niemand, als nur sein Schöpfer. Überlassen wir es also vielleicht dem Ewigen allein, zu entscheiden und zu URTEILEN. Wir Menschen aber BE-urteilen nur, inwieweit wir aus irgendetwas, das uns in der Welt entgegentritt, einen Wert, oder besser: Bereicherung für unser eigenes Leben beziehen können.

Wollten wir wirklich eine klare Antwort auf die Frage, ob Crowley ‚böse‘ ist, wollten wir sicherlich auch noch klare Antworten auf viele, viele weitere Fragen. Aber welche Antworten könnten wir erwarten?

Ist George Bush Senior der Enkel von Crowley? Vielleicht. Ist Angela Merkel die Tochter von Adolf Hitler, und ist sie zudem eine Jugendfreundin sowohl von Theresa May, als auch von der litauischen Statschefin mit dem unaussprechlichen Namen? Vielleicht. Sind Marc Zuckerberg, Joseph Greenwald und Edward Snowden Cousins, und ist Zuckerberg außerdem ein Enkel von Rockefeller? Vielleicht. Was weiß man. Jedenfalls hat jeder und jede von uns, bei allem ‚Baggage‘ unserer jeweiligen Herkunft, jeden Tag wieder die Wahl, zu tun, was er oder sie für richtig hält. Und auch, wer über eine seiner Ahnenlinien von Kinderblutopfer-praktizierendem wallonischem Klein-Adel des ausgehenden Mittelalters abstammt, hat vielleicht in einer anderen Linie den König David als Vorfahren. Oder gar in der selben Linie.

Crowley und seine ‚mystische Bildung‘

Und eins noch: Bei allem Respekt für Crowleys Gesamtwerk – sein Verständnis von ‚Kabbalah‘, bzw. was er die ‚Sacred Qabalah‘ nennt, ist doch recht bescheiden, wie übrigens jeder Hebräischkundige mit etwas Fleiß leicht nachweisen kann, und wie es insbesondere jeder ‚praktizierende‘ Jude mit chassidischem Hintergrund fast auf den ersten Blick erkennen würde. Diese Bewertung gilt zumindest solange, wie man unter ‚Kabbalah‘ die JÜDISCHE Überlieferung versteht (und immerhin ist ‚Kabbalah‘ ja ein hebräisches Wort für ‚Überlieferung‘ …). Aber wenn man sich eine Ebene höher begibt und von dort auf Crowleys Umgang mit dem, was ihm halt zur Verfügung stand, betrachtet, kann man ihm dennoch zugestehen, der Kabbalah – trotz einiger Detail-Fehler bezüglich einzelner Begrifflichkeiten und Worte, und trotz einem starken Einengen des tieferen Sinnes der eigentlichen Jüdischen Überlieferung – einen sinnvollen Platz in seinem sozusagen ‚chaos-magischen‘ Systementwurf von/für ‚Thelema‘ gegeben zu haben. Er bedient sich einfach stark aufgeladener Symbole einer alten Tradition, und nutzt sie nur etwas anders, als ‚ursprünglich vorgesehen‘. Das kann im Detail hier und da problematisch sein, wenn man Dinge blind nachbetet (wie das beim ‚Blind-Nachbeten‘ ja eigentlich sowieso immer der Fall ist …) – aber gerade gegen diese Art von Herangehensweise richtet sich ja ohnehin das ganze Werk Crowleys, sodass die auf diesem Wege quasi ‚eingebauten‘ Schwachpunkte auch durchaus als so etwas wie ‚Sollbruchstellen‘ bei unrechtmäßigem Gebrauch verstanden werden können. Nur versuche man bitte nicht, anhand von Crowley die Jüdische Überlieferung gründlich und unverzerrt kennenzulernen …

Crowley als Künstler

Ist Aleister Crowley vor diesem bunt-mosaikhaften Hintergrund seines bewegten Lebenslaufes in aller erster Linie vielleicht doch eher ‚Künstler‘, als ‚Religionsgründer‘?! Besteht doch sogar sein schriftliches Gesamtwerk zu sehr großen Teilen aus Gedichten und Prosa. Dazu kommt das durchaus ‚kunstvolle‘ Gestalten des ‚Bildes‘ seiner öffentlichen Person, das er der Nachwelt hinterlassen hat …

Auch hierbei: Ein jeder entscheide selbst.

Zuletzt noch einmal einige Hauptschriften aufgelistet, die relativ komprimiert, stellenweise auch sehr ‚technisch‘, seine Philosophie und Lehrmethodik umreißen:

Zum A.‘. A.‘. selbst: die ganze Equinox-Reihe, vor allem darin die ‚technischen‘ Bücher, die im Laufe dieser Abhandlung großenteils schon anempfohlen worden sind.

Book of the Law: für die komprimierteste, daher notwendigerweise mythisch-assoziative Zusammenfassung des Gedankens ‚Thelema‘.

Magick in Theory and Practice (= Teil 3 vom ‚Book 4‘): für die Einführung in alle grundlegenden Konzepte von ‚Magick‘.

Magick without Tears: für eine literarische Kommentierung der Philosophie, die sich komprimiert als ‚Thelema‘, und als das Ordens-System des A.‘. A.‘. ausdrückt (und im O.T.O. eine noch einmal sehr viel ‚buntere‘ Ausgestaltung erhält).

The Vision and the Voice: für die poetische Umschreibung des eigentlichen ‚mystischen Weges‘, der gegangen wird.

und auch seine ‚Confessions‘, seine Autobiographie, sei hier dazu gestellt, denn sie enthält noch einmal sehr viele Interpretationen der Werke Crowleys im Rückblick – nüchterne Korrekturen gelegentlich, wo solche der Klarheit mancher getätigter Aussage zuliebe hilfreich erscheinen mögen.

2. Besonderheit des Crowley-Entwurfs eines Einweihungsweges

Nun also noch ein Blick auf das, was an Crowleys Entwurf der ‚Mysterien-Schulung‘ so besonders ist. Und das ist zu Beginn des Weges ganz deutlich ein sehr starker Fokus auf dem, was z. B. in dr alchemistischen Ausdrucksweise die ‚Schwärzung‘ genannt wird: der grundlegende ‚Weg der Läuterung‘, also im Grunde alle Schritte bis hin zur Erlangung der ‚Kenntnis von und Kommunikation mit dem Heiligen Schutzengel‘, welche ja das primäre Ziel des Ordens darstellen.

Insbesondere kommt es auf diesen ersten Stufen zu einer starken Betonung auch der körperlichen (bzw. die Lebenskräfte betreffenden) Aspekte (Stichworte ‚Asana, Pranayama‘). Allgemein wird wetgelegt auf eine besonders gründliche Grundarbeit – man könnte sagen: da, wo man noch viel ’selbst‘ in die Hand nehmen kann. Und zwar deshalb, um dann später, wo die weiteren Dinge sich ‚von selbst‘ ergeben (müssen/werden), möglichst gut vorbereitet zu sein. Exemplarisch für dieses stramme Programm von Grundübungen, siehe etwa den ersten Artikel des Equinox (= ‚Liber Exortitiorum‘, kurz: Liber E).

Der zweite große Fokus des Lehrweges liegt auf einer umfassenden ‚Balance‘, die in jeder erdenklichen Hinsicht angestrebt wird. Aus dem relativ simplen, aber mächtigen Grundgedanken heraus, dass alle, und wirklich ALLE ‚Extremismen‘ aus Einseitigkeit unbedingt vermieden werden sollen. Eine zwar überspitzt wirkende Formulierung dieser Idee, die aber bei Crowley geradezu wortwörtlich gemeint sein dürfte, ist, dass ‚die Hure zölibatär zu leben zu lernen hat‘, und ‚die Prüde soll die erotische Ausschweifung kennenlernen‘ … um so schließlich beide dieser Extreme, in ihrer jeweiligen Individualität gefestigt, zum eigenen Weg zurückkehren zu lassen – sodass das ‚eigene Gegenteil‘ (also für die Prüde die Hure und für die Hure die Prüde) nicht länger verurteilt wird, weil man wahrhaftig gelernt hat, sich ins Gegenüber hineinzuleben – und zwar bis ins scheinbar ‚aller-entfernteste‘ Gegenüber.

Und um das noch in einem etwas hübscheren Zitat Crowleys auszudrücken, jetzt zu guter Letzt, aus der Geschichte ‚Tien Tao, oder die Synagoge des Satans‘: ‚Gib dem Löwen das Herz des Lammes und dem Lamm das Herz des Löwens … dann können Löwe und Lamm in Eintracht beieinander liegen!‘

ein echter ‚Heiratsvermittler‘ ist er also eigentlich, immer einen Weg suchend, die Extreme zu versöhnen, mit extremen Methoden, zur Not auch per Herztransplantation – unser berühmt-berüchtigter Aleister Crowley …

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5. ‚Innerer Orden‘ und ‚Sex Magick‘


5. ‚Innerer Orden‘ und ‚Sex Magick‘

Nun betreten wir zu guter letzt das Gebiet (bzw. zwei Gebiete), wo sich endgültig ‚die Spreu vom Weizen trennen‘ dürfte. So ist es ja auch schon im Crowley-Ansatz selbst deutlich angesprochen, und etwa im Konzept der ‚Schwarzen Brüder‘, bzw. der großen Herausforderung des ‚Abyss‘ veranschaulicht: wer seine eigenen Vorurteile nicht RESTLOS loszulassen schafft … der ‚mauert sich ein‘, verkrustet – und geht schließlich unter als ‚zur Salzsäule‘ erstarrtes Monstrum der Unflexibilität, im unerschöpflichen Meer der Möglichkeiten (Tiamat/Tehomoth).

Und naturgemäß werden sich in diesem Punkt vorliegender Abhandlung dann auch die Geister scheiden; viele Bewunderer des Crowley-Werkes werden vermutlich den folgenden Gedanken nicht in jede Richtung folgen wollen. Und Gegner Crowleys werden wahrscheinlich ohnehin nicht bis hierher gelesen haben …

Die zwei Gebiete sind erstens (noch nicht ganz so provokant …) der ‚Absolutheitsanspruch‘ des A.‘. A.‘., und zweitens (hoch-brisant …) das Thema ‚Sex Magick‘. Und gerade letzteres muss, so unangenehm es sein mag, für die Zwecke dieser Abhandlung doch zumindest knapp aber präzise und deutlich angesprochen werden.

5.1. Das Prinzip des ‚Einen Wahren Inneren Ordens‘

Die Grundbehauptung ist: Es war nie das eigentliche Ziel (Crowleys, bzw. der Kräfte, die durch ihn wirken), einen ‚äußeren Orden‘ namens A.‘. A.‘. zu etablieren. Das kurzlebige Beispiel, das durch seine Person in die Weltgeschichte gepinselt worden ist, dient ’nur‘ als Skizze, stellt genug Material zur Verfügung, um den Weg GANZ ALLEINE zu finden – und dieses Material wurde durch den unübersehbaren Auftritt des Exzentrikers Crowley in der Welt quasi zwangsläufig ‚ins Museum‘ katapultiert, es ist heute für jeden im Prinzip einsehbar und erreichbar.

Was aus diesem Impuls von damals vor hundert Jahren genau geworden ist (hier, in der heutigen Sichtbarkeit), das soll gleich im Fazit noch etwas betrachtet werden. Jetzt soll zum Abschluss dieses Hauptteils nur noch auf das theoretische Ideal eingegangen werden, auf dem jede Praxis basiert.

Die leitende Idee ist also, die Struktur des universellen ‚Einweihungsweges‘ so zu veröffentlichen, dass jeder, der sich dazu berufen fühlt, diesen Weg anzutreten, alle dazu nötigen Ressourcen (in Form von technischer ‚Anleitung‘) vorfindet. Und dabei sollen diese Ressourcen – sinnvollerweise – in einer dem herrschenden Zeitalter angemessenen Form angeboten werden.

Darüber hinaus soll in dem so geschaffenen System die Möglichkeit enthalten sein, eine ‚kontinuierliche‘ Lehrer-Schüler-Kette (bzw. ein Netz) zu gewährleisten, indem die Hauptvoraussetzung zur ‚Beförderung‘ in den nächst-höheren Grad (zumindest im Prinzip) darin besteht, (mindestens) einen ‚Schüler‘ auf die bisherige eigene Stufe emporzuheben (bzw. ihn bei diesem Weg zu unterstützen, ihn mit Rat und Tat zu begleiten). So ist ein Mittelweg gefunden zwischen einerseits möglichst autarkem Arbeiten (keine ‚rituellen Arbeiten‘ in der Gemeinschaft; stattdessen studiert und praktiziert jeder für sich), und andererseits einer einheitlichen herrschenden ‚Kraft‘, durch die alle Ordensmitglieder dennoch miteinander eng verbunden sind: die stets von oben nach unten fließende Kraft, den ‚emporzuheben‘, der sich ihrer bedient.

So fällt die Bewertung dieser Grundidee einer weitgehenden ‚Selbsteinweihung‘, bei dennoch ausreichender Unterstützung durch frei verfügbare Hilfen und die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten als Mitstreiter zusammenzukommen – in der Theorie jedenfalls – rundum wohlwollend aus. Tatsächlich hat der hier Schreibende einmal, vor rund einem halben Jahrzehnt, ganz ähnliche Gedanken gehabt im Bezug auf eine angemessene heutige Form für ‚Einweihungswege‘ (damals vor allem bezogen auf die Freimaurerei), ohne geahnt zu haben, dass dieses Modell bereits seit einem guten Jahrhundert ‚ganz offiziell‘ in Form der Schriften Aleister Crowleys (bzw. der Zeitschrift The Equinox) existiert. Die damaligen Gedanken zur Freimaurerei finden sich in einem Artikel mit dem Titel ‚Freimaurerei als Safecopy‘ auf LaThalmidim.net, in der Rubrik ‚Geschichte dieses eLogs‘ unter ‚Bundeslade‘. Doch das nur als Randnotiz. Die vorliegende Abhandlung ist demgegenüber so etwas wie die unterbewusst endlich zur Reife gelangte, angemessen gründliche Ausarbeitung jenes damaligen nur recht sanften Impulses.

Also: Was auch immer aus Crowleys ‚äußerer‘ Institution für den A.‘. A.‘. geworden sein mag (das ist an dieser Stelle völlig irrelevant), dadurch, das er sie als Beispiel verwirklicht hat, ist die IDEE (recht breit, jedenfalls nicht ‚im Geheimen‘) überliefert worden. Das ist sein ‚persönlicher‘ Verdienst, wenn man es so sehen will.

5.2. ‚Sex Magick‘ als (notwendiger) verborgener Kern des Ganzen

Jetzt aber müssen wir noch zu einem heiklen Thema kommen, ohne das diese Abhandlung nicht vollständig sein könnte.

Indem nämlich der sogenannte ‚Orden vom Rosenkreuz‘ die mittlere Abteilung des Ordens darstellt, in der die explizit als ‚Hauptaufgabe‘ des Ordens bezeichnete eigentliche Mission des ‚Adeptentums‘ stattfindet (bezeichnet als ‚das Kennenlernen des Heiligen Schutzengels und der Austausch mit diesem‘), steht (wenn auch zunächst noch hinter der Allegorie des Rosenkreuzes verschleiert) das ‚höchste Mysterium‘ im Zentrum des A.‘. A.‘.: die ‚Heilige Hochzeit‘, die Vereinigung von ‚Himmel und Erde‘, von ‚Männlichem und Weiblichem Prinzip‘, kurz: das Mysterium der geschlechtlichen Vereinigung, das sich auf geistiger Ebene in seiner höchsten Form eben im ‚Adeptentum‘ ausdrückt, im ‚Erkenne dich selbst‘, dem Befruchtetwerden des Individuums durch den Kosmos in der Einswerdung zwischen Zeit und Ewigkeit des Erlebens.

Und die äußerste (praktische) Konsequenz dieses zentralen Motivs aller Einweihung … ist bekannt unter dem berühmt-berüchtigten Terminus ‚Sex Magick‘, der insbesondere durch Crowley im jüngeren Abendland bekannt geworden ist (neben anderen Vorreitern in dieser Thematik, wie Paschal Beverly Randolph, Theodor Reuss und Gerald Gardner, in den vergangenen zweihundert Jahren).

In den Jahrhunderten zuvor freilich war dieses Motiv stets präsent in verschiedenen ‚religiösen‘ Verhaltensweisen, die moderne Religionswissenschaftler vermutlich grob unter dem Begriff der ‚Fruchtbarkeitskulte‘ subsumieren dürften (ein Stichwort hierbei wäre auch ‚Tempelprostitution‘). Im Biblischen Hebräisch gibt es ein Wort, das gemeinhin als ‚Tempelhure‘ (oder im männlichen Äquivalent als ‚Tempelhurer‘) übersetzt wird, das aber genauso geschrieben wird, wie das Wort für eine ‚Heilige‘ (bzw. einen ‚Heiligen‘): Kadeschah (resp. Kadesch).

In der Renessaince sollen Denker wie Marsilio Ficino und Giordano Bruno das Thema (wohlwollend) behandelt haben, und Paracelsus assoziiert die ‚Sexualkraft‘ mit der Imaginationskraft (ein Motiv, was bis heute in der jüdischen Überlieferung hinter mancher Chiffre zu entdecken ist – mehr dazu unten).

Zu all dem muss zunächst einiges Grundsätzliches gesagt werden, bevor auf Crowleys Einlassungen zu der Thematik (und dann, vor allem im Fazit zum Schluss, auch auf sein mutmaßliches Ausleben dieser Vorstellungen) eingegangen werden kann.

Zentrales Motiv aller ‚Sex Magick‘ ist die Symbolik der Vereinigung von zwei Extremen, woraus ‚Frucht‘ hervorgeht – und damit ist es eigentlich schlichtweg die Grundlage überhaupt aller Mysteriums-Symbolik.

Adeptentum‘ ist zu allen Zeiten verstanden worden als ein Weg der ‚Verschmelzung von Mikro- und Makrokosmos‘. Wie schon erwähnt, ist es unter anderem das Rosenkreuz-Motiv, das diesen Gedanken im Bild ausdrückt. Aber letztlich lassen sich sehr viele Symbole mystischer (bzw. allgemeiner: religiöser) Traditionen vor diesem Hintergrund deuten. Beispiele wären das Yin-Yang-Symbol, das freimaurerische ‚Winkelmaß und Zirkel‘-Emblem (Square and Compasses, ‚Quadrat und Kreis‘), der sogenannte ‚Davidstern‘ (eigentlich ‚Magen Dawid‘, ‚Schild Davids‘; bzw. auch bekannt als ‚Siegel Salomonis‘ – geometrisch ein Hexagramm aus einem nach oben und einem nach unten zeigenden gleichseitigen Dreieck), auch der Heilige Gral und die Lanze des Longinus (die die Wunde hervorruft, aus der das Blut in den Gral tropft) gehören hierher. Sogar der ‚Satz des Pythagoras‘ kann in diesem Sinne interpretiert werden (siehe z. B. Friedrich Weinreb dazu, oder auf LaThalmidim.net das erste Kapitel des Buches Hebrew Astrology).

Nun soll aber auch klar betont sein: Die Anerkennung dieses ‚höchsten aller Symbole‘ für das ‚Große Werk‘ MUSS keineswegs allzu deutlich mit dem physischen Zeugungsakt assoziiert, geschweige denn durch ihn manifestiert werden!

Als ‚höchstes Mysterium‘ ist diese ‚Heilige Hochzeit‘ zunächst weder ‚Gut‘ noch ‚Böse‘, das Potential zu BEIDEM ist darin enthalten. Man kann vermutlich sagen, dass sowohl das aller-Heiligste, als auch das aller-Entweihendste aus diesem immensen Potential schöpft. Angefangen bei der physisch-biologischen Zeugung von neuem Leben, welche in nahezu jeder Religion zunächst mit einer ‚Hochzeitszeremonie‘ des Brautpaares rituell geheiligt wird – bis hin zum Degradieren der Erotik zu einem Machtmittel und/oder bloßer Lustbefriedigung am anderen Extrem der Polarität.

Gerade der ‚Samen‘ (konkret im Sinne menschlichen Spermas, aber im weiteren Sinne auch im Sinne von jeder pflanzlichen ‚Saat‘, siehe dazu auch diverse biblische Gleichnisse u. ä.) ist als hochpotente Substanz im ‚magischen‘ Sinne zu begreifen; in ihm manifestiert sich der Mensch als (Mit-)Schöpfer. Wobei demgegenüber natürlich nicht das weibliche Äquivalent, die Eizelle, außer Acht gelassen werden kann. Und wie es beim männlichen Samen konkret dann die Samenflüssigkeit ist, die als der materielle Träger ‚handhabbar‘ ist, so ist es im Falle der weiblichen Eizellen üblicherweise besonders das Menstruationsblut, das diese ‚Trägerfunktion‘ in der magischen Handhabbarkeit übernimmt (wobei wohl oft auch das Vaginalsekret eine annähernd gleichwertige Rolle einnehmen kann). Diese Auffassung schlägt sich auch (in freilich nicht offen ‚magischer‘ Konnotation) in der jüdischen Überlieferung nieder, wo man zum Beispiel in der Mischna (= die älteste Schicht des Talmud) die Rede vom ‚Weißen‘ und vom ‚Roten‘ antrifft, als das, wodurch sich jeweils der Mann, respektive die Frau ‚verunreinigt‘. Und hier sollte wohl der Hinweis gegeben werden, dass ‚Unreinheit‘ eine recht einengende Übersetzung des hebräischen Wortes ist: ‚tamä‘ ist nämlich ein Wort, das eigentlich gar nicht übersetzt werden kann, aber es sei dazu die Behauptung aufgestellt: wenn biblisch vor dem Kontakt mit der menstruierenden Frau oder dem samenflüssigen Mann gewarnt wird, ist das eher ‚zum Schutz‘ der Frau und des Mannes zu verstehen, und nicht zum Schutz der Mitmenschen vor der vermeintlichen ‚Verunreinigung‘ durch die entsprechenden Körpersubstanzen. Vor dem Hintergrund, dass besagten Substanzen das höchste magische Potential unter allen irdischen Substanzen innewohnt (’neutrales‘ Blut des regulären geschlossenen Kreislaufs im Körper an dieser Stelle einmal ausgeklammert), sind Samenflüssigkeit und Menstruationsblut als Träger der Lebenskraft des Menschen zu betrachten, dem sie entfließen (und daher ließe sich mit diesen Substanzen schlimmer ‚Schindluder‘ treiben, auch zum Nachteil der quasi unfreiwilligen ‚Spender‘). Letzter Hinweis dazu: ‚Unreinheit‘ hat mit ‚Tod‘ zu tun (sowohl bei austretender Samenflüssigkeit, als auch bei Menstruationsblut handelt es sich prinzipiell um ‚Lebenskraft, die aber dem Tod preisgegeben wird‘), und ‚Tod‘ hat mit ‚Verwandlung‘ zu tun. Und auch ‚Magie‘ hat mit ‚Verwandlung‘ zu tun.

Wer mehr zu dieser Thematik ‚in der Theorie‘, aus ‚magischer‘ Sicht, erfahren will, möge sich an entsprechende Schriften Crowleys wenden, wo zumindest in Andeutungen manches gesagt ist.

Zum Umgang mit diesen Substanzen in verschiedenen Traditionen sollen hier nun nur noch ein paar wenige Hinweise allgemeiner Natur gegeben werden.

So gibt es (bzw. gab es) einmal eine gnostische Strömung, von der angenommen wird, dass sie eine demonstrative Geringschätzung des Samens gepflegt habe, inklusive seiner rituellen ‚Zerstörung‘ in Form von ‚fruchtlosem Vergießen‘ (also ein Motiv, das ‚orthodox-biblisch‘, vor allem alttestamentlich, aufs Schärfste abgelehnt zu werden scheint, siehe die Herkunft des modern-psychologischen Begriffs der ‚Onanie‘ …). Diese Praxis hat in der Auffassung ihren Ursprung, dass die materielle Welt minderwertig, und von einem ‚bösen Demiurgen‘ geschaffen sei, und die Menschenseelen bei jeder neuen Geburt in dieses Gefängnis hinab gesaugt würden. So ist also die Zeugung eines Menschen durch den natürlichen Vorgang eine ‚Sünde gegen die Seele‘, bzw. gegen den ‚reinen Geist‘, der von keiner Materialität befleckt ist, und zu dem empor sich diese Art von Gnostiker hinauf sehnen.

Diese Auffassung des Samens als etwas ‚Bösem‘ findet sich auch in der jüdischen Überlieferung angedeutet – dort jedoch werden geradezu gegenteilige Konsequenzen aus der Gesamtsituation des Menschen gezogen.

Der Gedanke dreht sich dabei um das hebräische Wort für Samen (auch für die pflanzliche Saat), ‚zera‘. Dieses Wort wird in einer Art Wortspiel auch als ‚zeh ra‘ gelesen, was dann ‚dies ist böse‘ bedeutet. Same ist also ‚böse‘, und zwar, weil das Böse primär als Verlust der Einheit gedeutet wird, und im Falle des Menschen sich dieser Verlust auch darin niederschlägt, dass die Menschheit aus ihrem ‚ewigen Urzustand‘ im Garten Eden hinabfällt in eine Zersplitterung in die Generationen.

So wird explizit die ‚Verführung durch die Schlange‘ im Garten als die Verführung zum Geschlechtsakt gedeutet, wodurch eben besagte Zersplitterung ihren Anfang nimmt. Hiermit stimmt auch die Gleichsetzung von ‚Erkennen‘ und ‚Befruchten‘ überein (‚Und Adam erkannte sein Weib, und sie ward schwanger‘, etc.; daher auch die Rede vom ‚Baum der ERKENNTNIS von Gut und Böse‘).

Daraus ergibt sich aber nun der Widerspruch, dass einerseits die ‚Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse‘ (also dass, wozu die Schlange verführt, der biologische Zeugungsakt) verboten ist … andererseits aber das erste Gebot Gottes an den Menschen lautet: ‚Seid fruchtbar und mehret euch!‘. Der Mensch ist also von Anfang an in ein unauflösbares Spannungsverhältnis hinein geschaffen …

Die jüdische ‚Halakha‘, die empfohlene Lebenspraxis, zieht dann bestimmte Konsequenzen aus all dem, die im Wesentlichen auf einer ‚Hoch-Heiligung‘ der Ehe basieren, aus der möglichst viele Kinder hervorgehen sollen, welche aber wiederum unbedingt im Rahmen dieser streng ‚vor unkontrolliertem Zerfall‘ geschützen Familie möglichst ‚jüdisch‘ erzogen werden sollen, um zumindest die ‚Heilige Thora‘, die den Juden als ‚Baum des Lebens‘ gilt, durch alle zersplitterten Generationen hindurch lebendig und verfügbar zu halten, um so den Fluch des ‚Baumes des Todes‘, der mit jedem Zeugungsakt einhergeht, quasi unwirksam zu machen. Doch dies ist freilich nur eine sehr vereinfachte Erklärung und überhaupt nur EINE mögliche Deutung. Für die Details wende man sich an einschlägige Schriften (z. B. für den Anfang an den Schulchan Arukh von Josef Karo).

Zum Kern des Mysteriums des (menschlichen) Samens dringt die jüdische Überlieferung ihrer Natur gemäß nur sehr schüchtern vor. Nämlich da, wo sie für den Umgang mit Samenergüssen beim Mann versucht, Empfehlungen abzugeben, begründet sie diese Empfehlungen mit einer sehr präzisen Aussage zum Wesen des Samens (dies findet sich z. B. im Kitzur Schulchan Arukh von Schlomo Ganzfried, geht aber wohl auf ein Maimonides-Zitat zurück): ‚Der Same ist die Kraft des Körpers und das Licht der Augen. Wenn zuviel den Körper verlässt, geht der Körper zugrunde und schwindet das Leben; […] den überfällt das Greisenalter, seine Kraft wird schwach, seine Augen werden trübe, übler Geruch kommt aus seinem Mund, sein Haupthaar, seine Augenbrauen und seine Wimpern fallen aus, das Haar seines Bartes, seiner Achselhöhlen und seiner Füße wird groß, seine Zähne fallen ihm aus und viele Leiden, außer denen, kommen auf ihn.‘

Und dieses ‚Licht der Augen‘ (wörtlich: ‚Leuchte der Augen‘; man vergleiche hiermit auch ‚Volksweisheiten’/’Ammenmärchen‘ im Bezug auf männliche ‚Masturbation‘ im Sinne von ‚davon wirst du blind!‘) ist im geistigen Sinne – wie es auch der oben schon erwähnte Paracelsus deutet – die menschliche ‚Imaginationskraft‘, welche die Grundpotenz ALLER Willensverwirklichung überhaupt innerhalb der menschlichen Seele ist.

Ein mit besonderer Vorsicht zu gehender Weg ist nun der der Entkoppelung der erotischen Kraft, welche sich im Samen manifestiert, von der biologischen Zeugung. Und wohl um die damit einhergehenden Risiken von vorneherein zu vermeiden, ist in sehr vielen Traditionen (zumindest was die ‚exoterische‘ Ausprägung betrifft) dieser Weg mit besonderer Strenge tabuisiert.

Das hat auf der anderen Seite aber in manchen mehr ‚esoterischen‘ Ausprägungen dann dazu geführt, dass dieser ‚Weg der Entkoppelung‘ geradezu empfohlen wird, um ‚wahre Freiheit‘ kennenzulernen, die nötig ist, um wahrhaftigen Gottesdienst leisten zu können. Das vermutlich bekannteste Beispiel mit sehr langer Tradition ist hierzu wohl das sogenannte ‚Tantra Yoga‘, im Besonderen dann auch dessen ‚linkshändige‘ Variante (was im Hinduismus NICHT zwangsläufig in einem ’satanischen‘ Sinne gemeint ist!). Wobei dazu angemerkt sei, dass, im Gegensatz zum herrschenden Vorurteil, ‚Tantra‘ sich keineswegs auf erotische Praktiken beschränkt – diese stellen lediglich eine (wenn auch durchaus relevante) Komponente dieses besonderen Weges dar.

Die tiefergehende Begründung für diese ‚Entkoppelung des Eros vom biologischen Zeugungsakt‘ zu religiösen oder ‚magischen‘ Zwecken liegt jedoch wiederum im Begreifen des Geschlechtstriebes des Menschen als besonderes Kraftpotential. Dadurch, dass aus dieser Kraft ’neues Leben‘ in die irdische Welt gebracht wird, hat dieser Trieb natürlicherweise den Charakter der ‚Gottesebenbildlichkeit‘ im Sinne der (Mit-)Schöpfertätigkeit des Menschen. Das an sich freilich kann weiterhin zum ‚Guten‘, wie zum ‚Bösen‘ ausgelebt, bzw. gebraucht werden.

Es fließen also die geistig-kreative und körperlich-aufbauende Kraft des Samens (‚Licht der Augen, Kraft des Körpers‘) und die symbolische Dimension (‚Mitschöpfertum beim Zeugungsakt‘) zusammen. Darin besteht das große ‚magische Potential‘ des Samens, bzw. allgemein der dahinterstehenden Lebenskraft (auch hier: die weibliche ‚Gegenseite‘ hat vergleichbare Konnotationen, wenn auch natürlich mit anderen, ‚komplementären‘ Erscheinungsformen).

Nun gibt es davon ausgehend zwei grundsätzliche Wege (die allerdings auch wiederum zusammenfließen können): Einerseits, die betreffenden Substanzen zu ‚verinnerlichen‘, das heißt, sie vor jedem Austritt zu bewahren, bzw, sie bei Austritt vor Missbrauch ’schützen‘ (= jüdischer Weg; eine deutlich weiter ausgearbeitete Praxis findet sich in Teilen des Hinduismus, bestimmte Formen von ‚Tantra Yoga‘; man könnte hier auch vom ‚männlich>weiblichen Weg‘ sprechen). Dies ist in der elaborierteren Ausprägung im Prinzip eine erweiterte Form von Asana und Pranayama (~ Körperspannung und Atemkontrolle): die Kraft wird nicht ‚unterdrückt‘, bzw. gedämpft (= jüdischer Weg), sondern sie wird innerlich ‚gesammelt‘ und ‚emporgehoben‘ (bzw ‚mit Intentionalität versehen‘; ‚Dharana‘ und ‚Pratyahara‘). Denn die ‚Sexualkraft‘ ist eigentlich keine ‚eigene Kraft‘, sondern einfach die Lebenskraft, die sich in einem bestimmten Kontext manifestiert (und die aufgrund dieses Kontextes eine besondere Intensität aufweist, welche dann durch die Techniken eines ‚Emporhebens‘ auch für andere Kontexte fruchtbar gemacht werden soll).

Andererseits gibt es den entgegengesetzten Weg, die ‚Veräußerlichung‘, bzw. ‚äußere Anwendung‘ (hierbei könnte entsprechend vom ‚weiblich>männlichen Weg‘ gesprochen werden): Und zwar will man die Substanzen dabei dadurch ‚heiligen‘, dass sie (insbesondere jenseits des natürlichen, biologischen Zeugungsaktes) äußerlich ‚angewendet‘ werden, ihre natürliche Funktion damit ebenfalls ‚transzendiert‘ wird.

letzteres scheint dann auch Crowleys bevorzugter Weg zu sein (aber allem Anschein nach von ihm vor allem im O.T.O, und möglicherweise im Rahmen seiner ‚Abtei Thelema‘ praktiziert, nicht aber im konkreten Rahmen des A.‘. A.‘.; siehe zum O.T.O. auch eine recht bekannte Anekdote zum Ritual der ‚Mass of the Phoenix‘, aufgrund dessen ‚Kenntnis‘ Crowley von Theodor Reuss, dem Gründer des O.T.O., direkt in einen hohen Grad dieses Ordens aufgenommen worden sein soll).

Nur der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt: Die ‚äußerliche‘ Anwendung erweitert die ‚magischen‘ Möglichkeiten dadurch, dass eine direkte Mischung mit dem ‚komplementären Gegenüber‘ des Samens, also mit dem weiblichen Vaginalsekret geschehen kann (bzw. auch mit Menstruationsblut; oder natürlich auch mit allen möglichen sonstigen Substanzen – ein Gebiet, das schnell in eindeutig ’schwarze‘ Bereiche der Magie führt, indem es dazu verführt, sich durch das immense Reservoir an Kombinationsmöglichkeiten, mit entsprechend vielfältigen Wirkungen, auf die gezielt werden könnte, vom eigentlichen Weg des Großen Werkes ablenken zu lassen).

Dabei erfüllen die erwähnten Techniken des ‚Verinnerlichens‘ (zumindest deren mehr ‚mechanischen‘ Komponenten) wohlgemerkt noch immer einen vorbereitenden Zweck im Bezug auf die Ansammlung der Kraft, bevor das Ergebnis davon dann ‚in die Substanz überführt externalisiert wird‘. Aber auf dieses Gebiet soll hier nun wirklich nicht weiter eingegangen werden, und stattdessen DRINGEND vor voreiligen Experimenten in diesem Bereich gewarnt werden! Und zwar aus dem Grund, dass alles ‚Zweckgerichtete‘ gerade dort, wo echtes ‚Wunder‘ geschieht, tötet. Und wenn das Tödliche nicht als solches wahrgenommen wird, kann schnell ein Amoklauf daraus werden …

Die erstgenannte Variante, die ’nach innen gerichtete‘ (die männlich>weibliche), birgt dagegen für sich genommen weniger Risiken, stellt aber in ihrer vollständigen Form in zweierlei Hinsicht eine größere Herausforderung für den Mann dar: einerseits konkret für die Willenskraft und für die Beckenbodenmuskulatur, um den erotischen Klimax von einer (dann nicht stattfindenden) Ejakulation zu entkoppeln (bei der Frau muss hier entsprechend als Schwierigkeit beim ‚weiblich>männlichen Weg‘ umgekehrt ‚das eine AN DAS andere gekoppelt‘ werden, und eine sogenannte ‚Ejakulation‘ STATTFINDEN) und den inneren Fokus dabei auf ‚das Ziel‘ zu richten (‚Dharana‘). Andererseits muss in beiden Fällen allgemein das komplementäre Gegenüber ‚geistig-seelisch‘ selbst aktiv bereitgestellt werden – ganz gleich, ob eine physische Verbindung der beiden Geschlechter währenddessen geschieht, oder nicht (der Mann muss im Erleben auch ‚die Frau‘ sein; die Frau muss im Erleben auch ‚der Mann‘ sein).

Es gibt die Sichtweise, das im Falle einer solchen Begegnung von physischem Mann und physischer Frau (ohne ‚äußerlicher‘ Verquickung von Samen und Eizelle durch einen ‚Erguss, abgeschossen so schnell wie ein Pfeil aus dem Bogen‘, im Bild der jüdischen Überlieferung gesprochen …) eine sogenannte ‚unbefleckte Empfängnis‘ möglich ist.

Tja, und so endet dieser Hauptteil vorliegender Abhandlung mit recht ‚expliziten‘ Ausführungen, die nicht wenigen Lesenden eine Schamesröte ins Gesicht treiben dürften …

!N!

4. ‚Linkshändiger Pfad‘ am Beispiel des Judentums


4. ‚Linkshändiger Pfad‘ am Beispiel des Judentums und anderer Religionen

Wir wollen ein letztes Mal in dieser Abhandlung auf die ‚Schwarzen Brüder‘ zu sprechen kommen. Nachdem sie (im ersten Abschnitt des I. Teiles) in der Theorie vorgestellt worden sind, und der genaue Prozess, der zu ihrer Entstehung führt, in der Terminologie von Thelema zumindest grob umrissen worden ist (im dritten Abschnitt des I. Teiles), soll jetzt noch der Kern dieser Thematik so verallgemeinert werden, dass das Phänomen in prinzipiell allen ‚Lehrarten‘ wiedergefunden werden kann, seien es ausdrücklich ‚hierophantische‘ Kulte, seien es aber auch ’nur‘ religiös-theologische Weltanschauungen.

Speziell soll dabei der Blick wieder auf das (chassidische) Judentum gerichtet werden (ohne aber dabei auch andere Religionen ganz außer Acht zu lassen).

Die große Gefahr ist, hier wie dort, im ‚Thelemischen‘ wie im ‚Traditionell-Religiösen‘, der kritische Punkt beim Übergang zwischen 7 und 8: Schafft der große Eingeweihte/Weise es, seine eigene Tradition (samt seinem gesamten eigenen Lebensweg auf Erden) zu transzendieren, um Raum zu schaffen für das ‚von selbst geschehende‘ Neu-Geordnetwerden aller Kräfte in ihm? Oder klammert er sich an das bisher Erreichte und will diesen dem WAHREN WILLEN gemäßen Prozess der Neugestaltung seinerselbst, angesichts des klaffenden Abgrundes vor ihm, stattdessen SELBST kontrollieren??

Im Chassidismus wäre der besagte kritische Punkt (laut unserer Zuordnung zu den Graden im A.‘. A.‘., wie sie im letzten Abschnitt versucht wurde) beim Übergang von einem wirklichen ‚Rebben‘, bzw. ‚Rabbi‘, der diesen Ehrentitel auch in der Tat verdient – zu einer Art ‚weisem Sonderling‘, der zwar offensichtlich über die Erfahrungen der ‚ausgelebten‘ Überlieferung genauso verfügt, wie ein klassischer Rebbe, der aber all die ‚Privilegien‘ eines Rebbenhofes (= quasi ‚Amtssitz‘, oft mit Bediensteten und oft nicht wenig Luxus, wo der Rebbe seine ‚Chassidim‘ empfängt, wenn sie seinen Rat suchen, etc.) ablehnt, oder aufgibt, um stattdessen einen (vermutlich recht einsamen) Weg zu gehen, der scheinbar dem Judentum (oder zumindest dessen Exklusivitätsanspruch) den Rücken kehrt.

Nun muss dieser Übergang vielleicht gar nicht ‚äußerlich‘ sofort sichtbar sein. Der Rebbe mag weiter seinen Hof führen, auch nicht aktiv dagegen vorgehen, dass, dem Brauch nach, ein Sohn von ihm als sein Nachfolger aufgebaut wird (obwohl dieser vielleicht gar nicht dieselben geistigen Qualitäten wie sein Vater an den Tag legt) … und doch wird er dann in bestimmten Situationen zeigen, dass er innerlich seiner Rolle als üblicher Rebbe inzwischen entwachsen ist: er kann dann nämlich mit JEDEM Menschen über alles Wesentliche sprechen – ganz gleich, welcher geistigen, religiösen, kulturellen Sphäre der Mensch entstammt, dem er begegnet.

Was aber passiert, wenn dieser entscheidende Schritt nicht gemacht wird? Wenn also der Rebbe sich allzu sehr gefällt in der Rolle des ‚Führers‘ seines Hofstaates, und bestrebt ist, in dieser Rolle ‚auf ewig‘ zu verharren? Dann tritt ein, was Crowley in Bezug auf den 7. Grad des A.‘. A.‘. folgendermaßen ausführt (wir zitierten es schon im englischen Original): ‚Er kann nicht auf unbestimmte Zeit ein Adeptus Exemptus bleiben; er wird weiter voran getrieben durch das unwiderstehliche Moment, das er [selbst] generiert hat. Sollte er versagen, willentlich oder aus Schwäche, seine Selbst-Vernichtung absolut zu machen, so wird er nichtsdestotrotz in den Abgrund gestoßen, aber anstatt dort angenommen und im dritten Orden wieder auferbaut zu werden, als ein ‚Junges des Abgrunds‘ im Mutterleib unserer Dame BABALON, inmitten der Nacht des Pan, um aufzuwachsen als ganz Er Selbst und wahrhaftig etwas, das er zuvor nicht gewesen ist – so bleibt er im Abgrund, seine Wesensbausteine als Absonderungen um sein Ego herum sammelnd, als sei er isoliert vom Universum … und er wird, was man einen ‚Schwarzen Bruder‘ nennt.‘ (One Star in Sight)

Diese Gefahr droht dem ‚Rabbi‘ genau wie jedem anderen höheren Vertreter einer religiösen Strömung. Das Tückische, so könnte man vielleicht sagen, liegt gerade darin, dass bis zu jenem entscheidenden Punkt es wirklich nicht nötig ist, sich groß jenseits der eigenen Tradition umzuschauen, so lange man nicht mit anderen Traditionen direkt konfrontiert wird. Sicher, auch vorher schon gilt es, eine ehrliche Grundtoleranz nach Außen zu praktizieren, indem mit keinem Menschen jemals in Respektlosigkeit umgegangen werden darf. Doch diese ‚äußere Toleranz‘ aus Mitmenschenliebe bringt noch nicht mit sich, fremde Wege zum selben Ziel überhaupt nur zu vermuten. Der Mensch neigt eben natürlicherweise zunächst dazu, seine eigene Wirklichkeit als überlegen gegenüber jeder ‚fremden‘ Auffassung wahrzunehmen.

Doch ab dem Punkt, wo der ‚Lehrer‘ so etwas wie die ‚Führung eines Zweiges‘ seiner jeweiligen ‚Schule‘ innehat (was sich wohl auch nicht immer in ganz ‚formaler‘, äußerlicher Stellung zeigen muss!), und diese Führungsposition einigermaßen konsolidiert ist (sei es als ein Theologe, Pfarrer, Pastor, ‚Priester‘, Bischoff; oder als ein Guru, ein Imam, ein Lama, oder welchen Titel auch immer er sich errungen haben mag …) – ab diesem Punkt MUSS sich irgendwann der Möglichkeit geöffnet werden, dass noch VIELE andere Wege möglich sind, die zum exakt selben Ziel führen können, wie der eigene Weg. In wie weit man dann diese anderen Wege alle im Detail verstehen können muss, ist eine andere Frage. Eine gewisse Grundhaltung aber muss vorausgesetzt werden können, diese anderen Wege zumindest aufrichtig ernst zu nehmen, und danach bestrebt zu sein, die bekannten Grundmotive der eigenen Tradition mit etwas Mühe auch in jeder betrachteten Fremd-Tradition wieder zu finden.

Das ist also der ‚Abgrund‘, hier nun mal auf ‚theoretischer‘ Ebene beschrieben … denn in der Seele dessen, der bis an einen solchen Punkt auf dem Weg gekommen ist, finden hier große Umwälzungen und Turbulenzen statt (je weniger er sich bereits auf dem bisherigen Weg mit diesen Herausforderungen auseinandergesetzt hat, desto heftiger wird es ihn jetzt anfechten).

In der Konfrontation mit dem Abgrund also entstehen die wirklich Bösen in der Welt, deren gebündelte Kräfte (jenseits ihres eigenen Bewusstseins) kollektiv die ‚Widersacher-Macht‘ in der Weltgeschichte ausmachen – welche wiederum paradoxerweise durch die Entscheidungen der Weitergeschrittenen (vor allem der ‚Magi‘, bzw. ‚Davidskinder‘, in Grad 9) gelenkt werden (das sei hier einfach mal ‚behauptet‘ …).

Um es noch einmal ganz drastisch auf den Punkt zu bringen: Ab einer gewissen Wegmarke ist es NÖTIG, dass der Suchende die ewige Wahrheit sogar in einer solchen Mythologie erkennt, die aus Sicht seiner ‚Ausgangsschule‘ als schlechthinniger ‚Satanismus‘ erscheinen muss, indem ALLE für ihn dahingehend vorbelasteten Begriffe nun in einem neuen Kontext angeordnet sind, sodass sie NICHT mehr der ‚Widersacher-Dynamik‘ entsprechen, in der sie in der ‚Ausgangsschule‘ auftreten.

Crowley hat genau ein solches neues Mythologie-Gefüge für eine christlich geprägte ‚Ausgangsschule‘ geschaffen (bzw. auch in etwas reduziertem Maße für alle anderen ‚Abrahamitischen Schulen‘). An seiner ‚Lehre‘ kann daher jeder sich selbst prüfen, der die Hauptabschnitte ’seines‘ Weges unter abrahamitischen Vorzeichen bewältigt hat.

Wer aber HÄNGENBLEIBT an dieser großen Prüfung … der geht eben tragischerweise den linken Pfad.

Und bei der Begrifflichkeit einer ‚Linken Seite‘ können wir auch noch mal kurz den Blick auf die jüdische Tradition werfen. Dort ist, vor allem in den eher mystischen Schriften (‚Kabbalah‘), von der sogenannten ‚Sitra Achra‘ die Rede, von der ‚Anderen (Linken) Seite‘. Damit ist eben die ‚linke Hand Gottes‘ gemeint, die satanische Kraft in der Schöpfung, die zwar im Ganzen genommen genauso eine notwendige Hälfte des Gesamt-Gefüges ist, deren direkten Einfluss aufs eigene Leben man aber berechtigterweise scheut, und sie deshalb auch nur mit äußerster Vorsicht anspricht, um sie durch Großmäuligkeit nicht versehentlich ‚herbeizurufen‘ (daher die Formulierung ‚andere‘ Seite, anstatt ausdrücklich ‚linke‘ Seite …).

Ein Aspekt dieser Sitra Achra wird angesprochen, wenn von der Gegenseite der ‚kabbalistischen Sephiroth‘ als den ‚Qlipoth‘ gesprochen wird. Diese ‚Qlipoth‘ sind die ‚Scherben‘, hervorgegangen aus den ‚zerbrochenen Gefäßen‘, die die immense Kraft des göttlichen Lichtes nicht ertragen können, das in sie gegossen wird bei der Schöpfung. So ist in jeder einzelnen ‚Scherbe‘ (aus deren Summe die gesamte materielle Welt besteht) ein ‚Funke des göttlichen Urlichtes‘ enthalten, der durch die Arbeit des ‚Gerechten‘ befreit, ‚emporgehoben‘ wird. Doch auf diese Themen soll hier nicht im Detail eingegangen werden, es würde den Rahmen sprengen (es sei wieder einmal besonders auf Bücher und Vorträge Friedrich Weinrebs verwiesen).

Und analog zum ‚Baum des Lebens‘, der als Schema der 10 Sephiroth dargestellt wird, gibt es den ‚Baum des Todes‘, bzw. den ‚Baum der Erkenntnis von Gut und Böse‘, der sich aus der ‚Sitra Achra‘ jenes Lebensbaumes speist, sich zusammensetzt aus den jeweiligen Gegenbildern der zehn Sephiroth, eben den ‚Qlipoth‘. Diese (bzw. deren untere 7/8) werden üblicherweise auch mit den Namen der mythischen ‚Fürsten Edoms‘ benannt. Und Crowley hat diese Symbolik recht ausgiebig benutzt in seinem Entwurf eines ‚antichristlichen‘ Systems einer Mythologie für das ‚Neue Äon‘.

Aber wie heißt es in der jüdischen Überlieferung: Denke nicht, dass irgendein Vers der Thora wichtiger ist als irgendein anderer Vers … Auch die Verse über die Stammhäuser Edoms sind GENAU SO WICHTIG, wie das Schma Jissrael (= jüdisches ‚Glaubensbekenntnis‘) und die Zehn Gebote!!

!V!

3. Parallelen gradueller Wege


3. Parallelen zwischen dem graduellen Weg beider Herangehensweisen

Sicherlich ist einer der Hauptunterschiede auf den ersten Blick, dass im ‚jüdisch-chassidischen‘ Ansatz keine ausdrücklichen ‚Grade‘ genannt werden, dass überhaupt auch die drei Hauptabteilungen nicht ganz so eindeutig voneinander abgrenzbar scheinen. Im Besonderen gilt dies für die erste und zweite Abteilung des A.‘. A.‘., denen im chassidischen Weg quasi die Begriffe ‚Halakha‘ und ‚Kabbalah‘ entsprächen; denn hieran zeigt sich, dass eigentlich die ‚Halakha‘ bereits alles enthält, was auch ‚Kabbalah‘ genannt wird … lediglich das tiefere Verständnis der Verhaltensweisen der Halakha ist tendentiell zu Beginn des Weges natürlich noch nicht gegeben. Aber letztlich basiert die ganze Halakha auf den Prinzipien, die die Kabbalah dann auch für den Verstand nachvollziehbar zu machen strebt. Bevor man jedoch dieses tiefere Verständnis geschenkt bekommt, ist eine Art Vertrauensvorschuss die treibende Kraft, die einen dennoch die (teilweise geradezu absurd wirkenden) Empfehlungen der Halakha ernst nehmen und befolgen lässt.

3.1. Order of the Golden Dawn

Die Eckdaten der Arbeit der ‚Goldenen Morgenröte‘ noch einmal kurz zsammengefasst: Es geht zunächst um ein Bewusstmachen und Kräftigen des ‚Lichtkörpers‘, und um die Übung im ‚Reisen‘ mit diesem durch die verschiedenen Ebenen der Realität (mit dem Fokus auf der ’nächsten‘ Schicht, der ‚Astralebene‘).

Dieser Arbeit entspricht im (chassidisch-, bzw. ‚mystisch‘-geprägten) Judentum in etwa dasjenige, was durch die ‚Halakha‘ angestrebt wird, also durch das Befolgen des ‚rechten Wandels‘ im Leben. Grundsätzlich besteht dieser Wandel aus den regelmäßigen ‚Gebeten‘, aus regelmäßigem ‚Thora-Lernen‘ und aus vielerlei kleineren ‚Alltagsritualen‘, besonders in Form von kurzen Segenssprüchen anlässlich bestimmter Verrichtungen oder Erlebnisse.

In beiden Ansätzen erfolgt mit der Zeit des Praktizierens ein völliges ‚Verdoppeln des körperlichen Lebens‘, indem alles konkrete Tun auch eine ‚himmlische Dimension‘ erhält. Es ist ein zunehmendes Sich-Aufschwingen des Innenlebens zum Leben in der ‚Wahren Welt‘ – und damit geht einher, dass, jenseits des ‚theoretischen‘ Lernens von überlieferten Schriften, nun auch ‚von dort her‘ Neues gelernt wird.

1. Grad: Neophyt

Speziell für den Grad des Neophyten ist im A.‘. A.‘. vorgesehen, dass durch ein fortgeführtes Studium der relevanten Schriften die Grundlage, die schon in der Vorbereitungszeit gelegt worden ist, weiter gefestigt wird. Dem entspricht im jüdischen Brauchtum im Grunde die gesamte (traditionell ‚orthodoxe‘) Kindeserziehung, bei der den (männlichen) Kindern stufenweise die Heiligen Schriften nähergebracht werden (erst Tanakh, also das sogenannte ‚Alte Testament‘ nach der Ausdrucksweise der Christen; dann die Mischna, das ist der Kern, das ‚Skelett‘ des Talmud; dann die Gemara, das ist die umfangreiche Kommentierung der Mischna und der eigentliche ‚Körper‘, das ‚Fleisch‘ des Talmud; sowie überhaupt zu allen diesen Schriften mehr und mehr auch die verschiedenen Kommentare der Weisen der Jahrhunderte kennenzulernen).

Neben der Theorie gilt es im Neophyten-Grad zudem, die grundlegenden Übungen (speziell Liber E und Liber O) in den Alltag einzubauen, und sich durch ‚Tagebuch
-artige Notizen einen Überblick über die eigene Entwicklung zu ermöglichen.

Dem könnte man als jüdisches Gegenstück den Beginn einer Gewöhnung an das Leben nach der ‚Halakha‘ zuordnen – wobei der Zeitpunkt, wenn das Kind ‚Bar Mitzwah‘ wird (wörtlich ‚Sohn des Gebotes‘, mit 13 jahren), den Anfang der Verpflichtung markiert, auch wirklich den gesamten Alltag nach bestem Wissen und Gewissen nach der Halakha zu führen.

Dasjenige, was im A.‘. A.‘.-System den ‚Astral-Reisen‘ entspricht, bzw. dem Training, eine gewisse Ordnung in dieses ‚Reisen‘ zu bekommen, ist im Judentum recht eindeutig das regelmäßige (3 mal tägliche) Gebet, wenn es im chassidischen Sinne als wirkliches ‚Aufheben der Seele hin zu Gott‘ erlebt wird. Im Optimalfall wird mit der Zeit jedes der Hauptgebete (im Besonderen in der Strukturierung des Morgengebetes) als ein ‚Gang durch den Tempel‘ (hinein und wieder hinaus) erlebt, wobei das stille Gebet der sogenannten ‚Amida‘ (oder ‚Schmone Essre‘, ’18-Bitten-Gebet; oder schlicht ‚Tfillah‘) das Stehen im Allerheiligsten vor der Präsenz der ‚Einwohnung Gottes‘ repräsentiert. Doch für Näheres zu diesem Thema siehe zum Beispiel das Buch ‚Der Weg durch den Tempel‘ von Friedrich Weinreb.

2. Grad: Zelator

Als Hauptaufgabe des 2. Grades mit dem Namen ‚Zelator‘ gilt im A.‘. A.‘. das Behrrschen von Asana und Pranayama, also das Erlernen und Meistern bestimmter Körperhaltungen und Atemtechniken. Auf den ersten Blick mögen die bei Crowley hierzu gegebenen Übungen sehr speziell wirken, doch wird einem bei näherer Befassung mit diesen Praktiken (zum Beispiel auch in den Traditionen, denen sie entlehnt sind, selbst; sprich: Yoga der indischen Kultur) bald klar, dass es jenseits der grundlegenden Prinzipien nicht so sehr um diese oder jene äußere Körperstellung geht, oder um genau diese oder jene Sekundendauer von angehaltener Luft zwischen dem Ein- und Ausatmen … Es geht darum, durch körperliche Methoden, die dem Menschen innewohnende ‚Lebensenergie‘ erstens immer feinfühliger zu spüren in sich, und zweitens diese Energieflüsse mehr und mehr kontrollieren zu lernen, insbesondere, sie ‚anzusammeln‘, sie gezielt zu konzentrieren, etc.

Das chassidische Äquivalent zu dieser Zelator-Arbeit des A.‘. A.‘. wäre wieder in den täglichen Gebeten zu suchen, wobei nun der Fokus weniger auf dem Aspekt einer ‚Astral-Reise‘ liegt, als darauf, dass das Gebet jedesmal ganz bestimmten hebräischen Worten folgt, die in einem stets ähnlichen bis identischen Rhythmus gesprochen, bzw. in einer Art ‚Singsang‘ vorgetragen werden. Dazu kommt, dass verschiedene Abschnitte des Gebets jeweils verschiedene Körperhaltungen, Körperbewegungen und Handgesten mit sich bringen. Darüber hinaus gibt es besonders beim Morgengebet noch recht aufwändige Begleitumstände, indem ein Gebetsmantel mit einem bestimmten Bewegungsablauf umgeworfen wird und (an Wochentagen) gewissen lederne Gebetsriemen um Arm und Kopf gebunden werden. Indem Juden also all diese Bräuche in strenger Regelmäßigkeit praktizieren, inklusive die erwähnten Körperhaltungen und andere kleine ‚Rituale‘, die mit dem Gebet einhergehen, vollziehen sie eigentlich sehr ähnliche Dinge, wie ein ‚Zelator‘, der in täglichem Eifer seine Übungen macht. Lediglich das Bewusstsein wird ein gedämpfteres sein beim Juden, und die Dinge werden einfach getan, ohne einen allzu deutlichen ‚Zweck‘ dabei zu verfolgen (und diese ‚Zwecklosigkeit‘ ist überhaupt eine Besonderheit der ganzen Methodik des Chassidismus, also gerade sehr im Kontrast zum Ansatz des Crowleyanischen A.‘. A.‘., wo mit dem Fokus auf ‚Magie‘ natürlich Zweckmäßigkeit ein besonders hohes Instrument der Methodik ist). Letztlich aber ist die ganze Halakha im Grunde ebenfalls ein Trainingsprogramm, das den nach ihr Lebenden ‚fitt macht‘ für ein mündiges Leben in der ‚geistigen Welt‘.

3. Grad: Practicus

Im dritten Grad namens ‚Practicus‘ ist die zentrale Aufgabe des Suchenden, zu einer Art vorläufigen ‚Ordnung der Gedankenwelt‘ zu gelangen. Hierzu wird als Stichwort insbesondere das ‚Studium der Kabbalah‘ gegeben, wobei jedoch die von Crowley ‚Qabalah‘ genannte, recht eigenwillige Abart derselben gemeint ist. Speziell ist es auch im Sinne einer ‚Parallelisierung‘ des erworbenen Wissens mit seiner bisher bekannten Terminologie zu anderen Traditionen mit anderer Terminologie gemeint. Das bedeutet, dass Symboliken miteinander in Verbindung gebracht werden müssen, dass der ‚Practicus‘ möglichst zu jedem Symbol des einen Systems die Entsprechungen in anderen Systemen (er-)kennen muss, bis er an den Punkt kommt, den großen Gesamtzusammenhang zu verstehen, der alle verschiedenen Symbolsysteme vereint, deren ewigen Gehalt sichtbar macht. In Crowleys Entwurf für diesen Grad wird vor allem sein ‚Liber 777‘ als Hauptwerk zu dieser Thematik betrachtet, welches im Grunde aus nichts anderem besteht, als aus Tabellen von Symbolen und mythologischen Begriffen, die miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Hier könnte man im Judentum als Entsprechung zu diesem ‚Allgemeinverständnis‘ von Symbolischem nennen, dass beim Praktizierenden ein immer tieferes Verständnis der Halakha Einzug erhält. Damit ist hier gemeint, dass der Bezug der Gebote der Halakha zum Geistigen dahinter, welches sich durch die äußerliche Verrichtung des Gebots nur plastisch wahrnehmbar ausdrückt, immer klarer aufleuchtet. Dasselbe gilt freilich auch für die Thora und alle darüber hinaus gehenden ‚Midraschim‘, also Geschichten und Auslegungen, die von nun an immer deutlicher in erster Linie GEISTIGE Prinzipien erläutern, als bloße ‚moralische Anleitungen‘ oder gar profane ‚historische Berichte‘ zu sein. Es ist also ein Einsehen der Allgemeingültigkeit der dahinterliegenden Prinzipien – und damit einhergehend eine Akzeptanz auch aller fremden Traditionen, als für jene anderen Gruppen eben das jeweilige ‚Rechte, Wahre und Gute‘ repräsentierend. So wird der Jude auf dieser Stufe in den alten indischen Weisheitslehren genau dieselben Botschaften wiedererkennen, die er aus seiner eigenen Kultur kennt … ohne selbst deswegen zum Inder werden zu wollen, oder den Inder zu einem Juden missionieren zu wollen …

4. Grad: Philosophus

Im vierten Grad, dem ‚Philosophus‘, geht es im A.‘. A.‘. grob gesagt um eine Festigung der Moral – und zwar nicht im Sinne irgendeiner konkreten ‚Moral‘, die man aufgrund der eigenen Erziehung und des gesellschaftlichen Umfelds, etc. angenommen hat, sondern um Moral als eine Seelenkraft, die sich aus dem gezielten Leben nach bewusst gewählten Prinzipien speist. Praktisch wird diese Festigung etwa durch die Übung der ‚rituellen Anbetung‘ zu erreichen versucht (‚Bakhti-Yoga‘ wäre hier das Stichwort aus dem indischen Kontext, die ‚Vereinigung durch Liebe‘). Ein mysteriös-anmutendes Element der Arbeit dieses Grades ist eine ‚Prüfung, was die Hingabe an den Orden anbelangt‘. Unnötig zu erwähnen, dass es sich beim ‚Orden‘ hierbei im Optimalfall NICHT um eine weltliche Institution handelt, sondern um den ‚Ewigen Orden‘ … und entsprechend ist besagte ‚Prüfung‘ etwas, das sich dem Philosophus ganz individuell zeigen muss, und deren ‚Bestehen‘ er sich in erster Linie SELBST beweisen muss (wenn auch natürlich ein ihm zugeteilter ‚Meister‘ ihm bei der Beantwortung dieser Frage beistehen kann, indem er aus seiner eigenen Erfahrung bezüglich dieser Prüfung schöpft).

Im Chassidismus liegt an dieser Stelle der Fokus erstmals ganz bewusst auf dem, was ein Friedrich Weinreb das ‚Mysterium des Tuns‘ nennt; es geht um das Handeln in der Welt bis hin zur partiellen Selbstaufgabe, das nicht länger als Verlust empfunden wird, sondern im Gegenteil zur Quelle unerschöpflicher Kraft und Motiviertheit transformiert wird. Und um den Vergleich zum vierten Grad des A.‘. A.‘. zu erleichtern: Angefangen sei bei dieser Intensivierung der Hingabe vielleicht schon bei einer weiteren Intensivierung des Gebets, dabei den Aspekt der ‚Anbetung‘ des Ewigen als persönlicher Gottheit in den Vordergrund rückend. Aber auch Kleinigkeiten im Bezug auf die ohnehin schon lange gepflegte Halakha können hier eine besondere Rolle im individuellen Weg übernehmen: das Selbstknüpfen von Tzitzith (= Schaufäden an bestimmten Gewändern, siehe Numeri 15,37-41), das Schreiben von Mezuzah-Pergamenten (= Amulette an Türrahmen, siehe etwa Deuteronomium 6,9), etc. Auch über ‚Tzedakah‘ (= Spenden, Wohltätigkeit; wörtlich eigentlich ‚Gerechtigkeit‘), sowie die seelische (und freilich auch körperliche) Fürsorge für seine Mitmenschen kann hier einiges an innerer Kraft aktiviert werden. Über allem als Leitmotiv stehe aber stets die Liebe und Hingabe an seine Menschengeschwister, als der ‚wahre Gottesdienst‘ … und nicht etwa der Geltungsdrang, besonders ‚heilig‘ zu wirken.

Und als Äquivalent der ‚Prüfung der Hingabe zum Orden‘ im A.‘. A.‘. ließe sich hier so etwas sagen, wie dass die Hingabe an ‚das rechte Tun‘ soweit gehen kann, dass sogar große Lebensentscheidungen aufgrund des Glaubens getroffen werden, wie etwa der Entschluss zu einem (vielleicht aus rein wirtschaftlicher Sicht riskanten) Jobwechsel o.ä.

Übergangsgrad ‚Dominus Liminis‘

Der erste sogenannte ‚Übergangsgrad‘, genannt ‚Dominus Liminis‘, ‚Herr der Schwelle‘, bedeutet ein ’sich Sammeln‘ vor dem nächsten großen Schritt, ein Zusammenführen der bisherigen Fähigkeiten zu einer Einheit. Während also in den vier ersten Graden jeweils eine bestimmte Hauptarbeit zu bewältigen, zu ‚meistern‘ war, welche sich mehr oder weniger präzise umgrenzen lässt, ist nun die Zeit gekommen, diese diversen Fähigkeiten zu einem möglichst organischen Ganzen einer ‚magischen Persönlichkeit‘ zusammenwachsen zu lassen.

Demgegenüber findet sich in der chassidsch-jüdischen Herangehensweise (und hieran erkennen wir nun einen wichtigen Unterschied zwischen den beiden miteinander verglichenen Ansätzen des ‚Weges‘) an dieser Stelle keine so große Notwendigkeit zur ‚Nachjustierung‘, zur Harmonisierung des bisher Gelernten … einfach, weil der Weg ohnehin ein heiles Ganzes ist, nicht wie beim A.‘. A.‘. in ‚Grade‘ unterteilt. Wir haben ja schon bei Besprechung der Äquivalente zu den Graden gemerkt, dass sich die Dinge hier nicht ganz so klar abgrenzen lassen (die ‚Gebete‘ etwa tauchen in mehreren Graden als wichtige ‚Übung‘ auf, nur jeweils mit unterschiedlicher Akzentuierung). Dieses Prinzip wird sich ohnehin weiter durch den ganzen ‚Weg‘ hindurch ziehen; auch der ‚Übergang in den nächsten Orden‘ ist im Chassidismus natürlich nicht mit deutlichen ‚äußerlichen‘ Änderungen verbunden, sondern eher etwas, das sich nur am inneren Erleben festmachen lässt.

Was man aber vielleicht hier am Punkt des Überganges sagen kann, ist, dass die ‚Vorbedingung‘, um die nächsten großen Schritte angehen zu können, hier erreicht sein sollte: das Verschmelzen des ganzen Alltags mit dem Studium der Thora, sozusagen ein Aufheben jeglicher Trennung zwischen Alltag und ‚Heiligem‘. Jedenfalls was das innere Erleben betrifft – äußerlich wird man aus symbolischen Gründen weiter zwischen ‚heilig und profan‘, zwischen ‚rein und unrein‘ unterscheiden, z. B. im Bezug auf die Werktage und den Sabbat, oder auf koscheres Essen und ‚Treife‘ (‚Zerrissenes‘, wird zu allem ’nicht-koscheren‘ gesagt).

3.2. Order of the Rosy Cross

Zunächst die Geschehnisse der Phase des ‚Rosenkreuzes‘ nun auch noch einmal knapp zusammengefasst: hierbei handelt es sich primär um ein Kennenlernen des ‚Heiligen Schutzengels‘ und um ein zunehmendes Verschmelzen mit ihm. Auf diese Weise wird der ‚Weg‘ des Adepten von nun an immer individueller, kann der äußerlichen Form nach nicht mehr so deutlich vorhergesagt werden, wie bei der Arbeit im ‚ersten Orden‘.

Dem entspricht im Chassidismus, sehr platt ausgedrückt, ein erstes Erleben der ‚Unio Mystica‘, des tatsächlichen ‚Einsseins mit dem Ewigen‘, trotzdem sich der Mystiker weiter ganz ’normal‘ in der zeitlichen Welt bewegt (und in diesem Sinne äußerlich noch genauso auftritt, wie davor – also in erster Linie die Halakha beachtet und alles Tun und Lassen an ihr misst). Das innere Erleben, das man als diese ‚Unio Mystica‘ beschreiben kann, stellt sich dar als ein sich ständig konfrontiert sehen mit ‚Gott‘, als dem einzigen wahren Gegenüber. Mit Blick auf eine Art Wortspiel des Hebräischen kann das auch angedeutet werden mit der Formulierung ‚Begreifen des Namens ‚Adam‘ (dann zu übersetzen als ‚Ich gleiche‘)‘, wobei es zu einem zunehmenden Einleben dieses Bewusstseins in den Alltag kommen soll. Dadurch beginnt eine Art des Lernens von ‚den Weisen‘ selbst, in unmittelbarer Form, die man bisher nur aus ’staubigen Büchern‘, als vermeintliche ‚historische Persönlichkeiten‘ kennengelernt hatte. Dies kann gehen bis hin zu einem direkten Belehrtwerden von ‚den Engeln‘, den ‚Boten des Ewigen‘. Um den Vergleich zur Terminologie des A.‘. A.‘. zu erleichtern, können wir hier die Möglichkeit ansprechen, dass dabei auch ‚ein bestimmter Engel‘ der primäre ‚Kanal‘ wird, über den die ‚himmlischen Botschaften‘ den Mystiker erreichen. Eine andere Ausdrucksweise ist, dieses neue ‚Lernen‘ als ein ‚Lesen der Heiligen Schrift der ganzen Natur‘ zu bezeichnen, bzw. als ein ‚Hören der Bath Qol (‚Tochter der Stimme‘, sinngemäß eine ‚göttliche Inspiration‘)‘.

5. Grad: Adeptus Minor

Es lohnt sich an dieser Stelle, das Büchlein von der ‚Heiligen Magie von Abramelin dem Magier‘ wirklich mal zu lesen (oder es wenigstens zu überfliegen). Dabei wird sich deutlich zeigen, wie eng die Parallelen zum klassischen Judentum sind, bestehen die (6, bzw. 18 monatigen) ‚Vorbereitungen‘ zu dem beschriebenen ‚Beschwörungsritual‘ doch aus kaum etwas anderem, als aus dem graduellen Sich-Gewöhnen an eine orthodox-jüdische Gebetspraxis (zwar ein wenig anders gestaltet, als in heutigen Gebetsbüchern beschrieben, aber im Großen und Ganzen dieselben Komponenten beinhaltend; lediglich spielt bei ‚Abramelin‘ bei der äußeren Verrichtung des Gebets noch das Räuchern, Salbungen mit Öl, sowie ein physischer Altar eine Rolle).

Im Zuge des ‚Rituals‘ (bzw. des ggf. langwierigen Geschehens und Erlebens, das vermittels eines solchen Rituals begünstigt werden kann) des Kennenlernens seines eigenen Heiligen Schutzengels ist es notwendig, wie weiter oben schon angesprochen, direkt im Anschluss an das Kennenlernen, die ‚vier Höllenfürsten‘ zu beschwören – und sie zu bezwingen.

Dies könnte einen Kenner der jüdischen Überlieferung an eine Auslegung der Geschichte des Erzvaters Jakob erinnern: Als dieser am ‚Jabbok-Fluss‘ einen merkwürdigen ‚Kampf‘ hat, erhält er nämlich seinen ’neuen Namen‘ (‚Israel‘). Dieser neue Name deutet nach besagter Auslegung an, dass Jakob (Zahlenwert 182) mit dem Satan (Zahlenwert 359) gekämpft hat und bestehen konnte, sodass er nun den Satan in sich integriert, wodurch er ihn sich dienstbar macht, und nun ‚Israel‘ heißen darf (Zahlenwert 182+359=541), sodass er in ‚dieser Welt hier‘ auch seine ‚Auserwähltheit‘ für die ‚jenseitige Welt‘ geltend machen kann. Dieses ‚in beiden Welten gelten können‘ wird als die eigentliche Bedeutung des Terminus Technicus ‚Segen‘ bezeichnet. Doch für die Details dieser Geschichte und dieser Konzepte muss hier auf die jüdische Überlieferung verwiesen werden (oder, für eine zumindest etwas ausführlichere Einführung, auf den Youtube-Kanal ‚Jochanan Massorah‘, und die Videos zum Thema ‚Jakob‘, ‚Kampf am Jabbok‘, ‚Jakob und Esau‘ und ähnliche Titel).

Es sei aber noch angemerkt in diesem Zusammenhang, dass im Rahmen des A.‘. A.‘.-Systems all dieses Geschehen des Adeptus Minor-Grades gerade in der Sephirah Tiphereth stattfindet. Und diese ist traditionell dem Patriarchen ‚Jakob‘ zugeordnet …

Um zuletzt noch einen sehr augenfälligen ‚Beweis‘ der Parallelen zwischen unseren beiden Vergleichsobjekten zu liefern: Der sogenannte Kontakt zum ‚Schutzengel‘ und noch mehr der dadurch ermöglichte Eintritt ins Studium am ‚Kollegium des Heiligen Geistes‘ sollte doch jedem, der ein bisschen durch das Äußere von Terminologie hindurchschauen kann, als geradezu identisch mit dem auffallen, was in der jüdischen Überlieferung als ein ‚Hören der Bath Qol‘ bezeichnet wird, und im noch umfassenderen Sinne quasi ein ‚Lesen in der Heiligen Schrift der ganzen Natur‘ ist.

 

6. Grad: Adeptus Major

Was bei Crowley – gewohnt mysteriös – als ein ‚Beherrschen von praktischer Magie‘ bezeichnet wird (wörtlich auch ‚magische Kräfte zweiten Ranges‘ genannt), und ein Ausleben des ‚Wahren Willens‘ meint, jedoch noch ohne tieferes Verständnis, ließe sich vielleicht etwas weniger reißerisch und dafür trockener, abstrakter beschreiben als ein ‚intuitives Suchen und Finden der perfekten Balance im Umgang mit jeder erdenklichen Lebenssituation‘. Diese nüchternere Umschreibung soll das Gemeinte dabei keineswegs in seiner Schwere und Bedeutsamkeit schmälern, es ist in der Tat ‚Magie‘ im Sinne eines gezielten (Be-)Wirkens.

Der Adept diesen Grades ist dadurch insbesondere ein Weitergebender dessen, was ihm ‚von oben her‘ zufließt (sei es von physischen Mitmenschen als seinen ‚Lehrern‘, sei es auch von ‚Lehrern‘ aus der anderen Welt). Und zwar gibt er es nicht einfach ziellos weiter ‚an alle Welt‘, sondern explizit an die ihm zugeordneten ‚Schüler‘ (was nicht heißt, dass er ‚aller Welt‘ demgegenüber irgendetwas verheimlicht – nur kann diese Art von Wissen ab einer bestimmten Stufe nicht in allgemeinverständlicher Sprache weitergegeben werden, sondern muss den je individuellen Zugang zum Empfänglichen finden).

Diesem Grad entspricht in der chassidischen Lebensweise und deren Gemeinschaftsform eine Art ‚Thora-Lehrer‘, der dem ‚inneren Kreis‘ von Schülern eines wahren ‚Rebbe‘ angehört. Was ein wahrer ‚Rebbe‘ ist, kann im Abschnitt zum nächsten Grad ein wenig näher beleuchtet werden.

Der ‚Rebbe-Vertraute‘, der hier nun dem ‚Adeptus Major‘ des A.‘. A.‘. entspricht, könnte vielleicht grob charakterisiert werden als jemand, der sein ganzes Handeln bereits aufgrund von einer (wenn auch großenteils unbewusster) Entzifferung der persönlichen Botschaften der ‚Bath Qol‘, oder des ‚Geistes Gottes‘ wählt. Dies geschieht aber eben noch intuitiv-tastend, nicht bewusst-gezielt – er ist ‚vom Geist getrieben‘, lässt sich nicht mehr von untergeordneten Geistern irritieren, aber beherrscht noch nicht selbst alle diese ‚untergeordneten‘ Geister uneingeschränkt. Er zeichnet sich durch sein unerschütterliches Vertrauen auf ’seinen Rebbe‘ aus (wiederum: ob nun dieser Rebbe ein physischer Mensch seines Umfelds ist, oder auch der ‚Lehrer in ihm selbst‘, vgl. hierzu wiederum das Konzept des ‚Heiligen Schutzengels‘).

7. Grad: Adeptus Exemptus

Wie im ersten Teil dieser Abhandlung angesprochen, geht es beim Abschlussgrad des Rosenkreuzer-Ordens darum, die ‚Kunst der Magie‘ (auf einer individuellen Ebene) zu perfektionieren, was auch damit einhergeht, das eigene individuelle ‚Weltbild‘ soweit vollendet zu haben, dass man es in so präziser Form vor Augen hat, sodass in formulierten Worten seine Struktur (zumindest prinzipiell) als Ganzes weitergegeben werden kann. Formal schließt dies dann, den Ausführungen Crowleys nach, die ‚Veröffentlichung‘ einer Schrift diesen Inhalts ein, auf der eine eigene ‚Denkschule‘ basiert, bzw. basieren könnte. Als Beispiele für solche Schriften und deren Autoren nennt Crowley einmal: ‚Eliphas Levi’s „Clef des Grands Mysteres,“ the works of Swedenborg, von Eckartshausen, Robert Fludd, Paracelsus, Newton, Bolyai, Hinton, Berkeley, Loyola, etc., etc., are examples of such essays.‘ (One Star in Sight)

Dies alles bringt mit sich, dass der Adept endlich die Fähigkeit und Autorität zur Leiterschaft seiner (eigenen) ‚Schule‘ (Einweihungsweg) bis an den Punkt innehat, den er jetzt selbst erreicht hat (das umfasst also ‚die ersten beiden Orden‘ in ihrer Gänze). Hier sei noch einmal deutlich darauf hingewiesen, dass sich diese ganze A.‘. A.‘.-Struktur als Skelett einer JEDEN möglichen ‚Schule des Weges‘ begreifen lässt!

Und wie es sich ja eigentlich schon aus den letzten Abschnitten her ergibt, steht an der Stelle dieses ‚7. Grades‘, auf der anderen Seite unseres Vergleiches, beim chassidischen Judentum, die Figur des ‚Rebben‘, oder ‚Rabbis‘ (das ist NICHT dasselbe wie ein ‚Rabbiner‘, welcher ein bloßer ‚Geistlicher‘ einer weltlichen religiösen Institution ist, genau wie ein Pfarrer, Pastor, etc. …).

Friedrich Weinreb, seligen Andenkens, gibt einmal folgende Definition dessen, was man einen ‚Rebben‘ (bzw. einen ‚Rabbi‘) nennt: ‚Das Wort Rabbi kommt von ‚Raw‘, das ‚viel‘ bedeutet. Gemeint ist nicht, dass er viel Macht oder sonstigen Spaß hat, es will sagen, dass das Leben für ihn nicht die Eindeutigkeit der physischen Wahrnehmung ist, sondern dass er immer vieles sieht, spürt und empfindet. Das gilt vor allem vom Worte Gottes. Er kennt nicht die Meinung, er weiß, dass es unendlich viele Auslegungen gibt, weil das Wort heilig ist, vom Ewigen her zu uns kommt. Es ist in uns, und das ist die göttliche Anwesenheit im Menschen. Ein Rabbi muss deshalb sanft sein, aus sich selber schon, denn er weiß, alles, was sich artikuliert, sich manifestiert, hat irgndwo seinen Sinn und damit auch seine Berechtigung. Er weiß, dass das Rechthaberische, das nur diese oder jene Meinung gelten lassen will, aggressiv, zerstörerisch ist. Wie die Mentalität des Wissenschaftlichen fast immer nur einer Meinung Recht geben kann.

Ein Rabbi ist also im Menschen der Lehrer, der ihn ermutigt, das Leben hier als Fluss aus der Quelle der Ewigkeiten zu sehen, der ihm die Wunder des Lebens zeigt. Man kann manchmal erfahrenere Freunde haben, die einen dann durch ihr Verhalten, durch die Begegnung auf dies alles aufmerksam machen können.

Solch ein Rabbi weiß, dass er in Bescheidenheit lebt, weil es nicht anders geht. Er ist, wie Israel, verborgen, unverletzbar in der Verborgenheit. […] Der sanfte Rabbi zieht sich zurück. Für die Bescheidenen, für die Gott Suchenden, für die den ewigen Lebenssinn Suchenden meldet er sich immer. Das Schicksal schickt den Rabbi schon zur Begegnung. Es sei, er kommt als sichtbarer Mensch, es sei, im Suchenden meldet sich der verborgene Lehrer.‘ (Weinreb: ‚Das Jüdische Passahmahl‘)

In der praktischen Konsequenz wird so ein echter ‚Rabbi‘ dann auch ein brietes Wissen von der (Jüdischen) Überlieferung haben. Aber im Unterschied zu einem bloßen ‚eisernen Kopf‘, der vielleicht den ganzen Talmud auswendig kann und sich wunderbar auf das logisch-spitzfindige Argumentieren versteht, ist dieses ‚Wissen‘ beim Rabbi etwas ihm natürlich zufließendes, aus dem er ohne jede Mühe schöpfen kann, und dies nicht zum intellektuellen Rausch tut, sondern um damit handelnd in die Welt und das Schicksal ihrer Bewohner einzugreifen, wenn er sich dazu aufgerufen erlebt.

Auch bei einem solchen ‚Rabbi‘ kann man also eigentlich ganz ähnliche ‚Fähigkeiten‘ konstatieren, wie beim ‚Adeptus Exemptus‘ des A.‘. A.‘.: ein Beherrschen sämtlicher Grundkonzepte der Überlieferung als unerschütterlicher Rahmen jeglichen Alltagshandelns, und auch jeglicher besonderer Aktivitäten – aber viel wichtiger: das mühelose Anwenden dieses ‚Weltbildes‘ durch die spontanen Worte und Taten. Das macht diesen ‚Rabbi‘ dann möglicherweise auch äußerlich zu einem ‚Rebben‘ irgendeiner chassidischen Gemeinschaft, zu einem in diesen Kreisen anerkannten ‚Großen Weisen‘, bzw. mindestens zu einem außergewöhnlichen ‚Thora-Gelehrten‘. Jedenfalls ist er dan auch ein ‚Adeptus Exemptus‘ … wenn er sich auch kaum so nennen würde, oder von anderen so genannt würde in seinem Umfeld …

Übergangsgrad ‚Babe of the Abyss‘

Das im ersten Teil dieser Abhandlung relativ ausführlich behandelte Geschehen des Übergangsgrades zwischen zweitem und drittem Orden wollen wir hier nur noch kurz in Bezug zum chassidischen Weg einordnen:

Es ist dies ja grundsätzlich ein ‚Aufgeben von Allem‘, das bisher erreicht wurde an fester Struktur – sei es im Weltbild, sei es aber auch im mehr ‚emotionalen‘ Gefestigtsein durch die biherigen geistigen Erfahrungen (inklusive den sogenannten ‚Schutzengel‘-Kontakt, der ja das ‚Adeptentum‘ am entscheidensten prägt).

Und so ist es auch beim chassidischen Weg an dieser kritischen Schwelle ein völliges Relativieren aller bisherigen Kenntnisse innerhalb des eigenen Denksystems und ein (wirklich auch inneres) Aufgeben aller Gewissheit des eigenen Handelns und Erlebens; und es ist insbesondere ein Geringachten des inzwischen erworbenen ‚Weisen‘-Status, und das aktive Ablehnen von ausdrücklichen ‚Schülern‘ in der Gefolgschaft, das erforderlich sein wird, um den ‚Abgrund‘ zu bewältigen. Denn von nun an geht es darum, die Gruppengebundenheit, die ein wichtiger Begleiter auf dem bisherigen Weg war, zu transzendieren, um sich der Gottesebenbildlichkeit des Ürsprünglichen Menschen (des ‚Adam Qadmon‘), das heißt auch: der GANZEN ‚real existierenden‘ Menschheit, auch wirklich ‚in der Tat‘ hingeben zu können.

3.3. Order of the Silver Star

Die Arbeit des eigentlichen ‚Inneren Ordens‘, des ‚Silbersterns‘, wäre dann so zu umreißen: Ein völliges Aufgeben des individuellen Weges und gar ein Verlieren des ‚Schutzengels‘, der einen bis hierhin in den ‚Abyss‘ geleitet hat, und ein gewaltiges ’sich neu gebären lassen‘ aus dem Abgrund heraus, aus der ‚Gebärmutter Babalons‘, gezeugt durch ‚das Biest‘.

Im chassidischen Gegenüber könnte man diese Symbolik wiederfinden im Durchbrechen des Gebundenseins an die eigene Tradition (also in diesem Fall an die Tradition des Judentums überhaupt), sodass wirklich eine Bereitschaft zum Aufgeben von allem bisher Gelernten erlebt wird, weil man die Nichtigkeit der bloßen äußeren Formen und Symbole einzusehen begonnen hat. Und der ‚Durchbruch‘, um den es geht, ist ein Durchbruch zu einem nun endlich völlig freien Empfangen der kosmischen ‚Botschaft‘, von allen Welten her und von allen deren Kräften. Und sogar die Zahl 666 tritt uns hier auch im jüdischen Gewand noch entgegen; nämlich als die Entfaltung der 36 (36+35+34+33+32+…+4+3+2+1=666), mit welcher gerade die ‚Nistarim‘, die ‚Verborgenen Zaddiqim‘ gemeint sind, ‚auf denen die Welt steht‘, wie es heißt. Es gilt an dieser Stelle des Weges also, zu begreifen, was es mit ‚ihnen‘ wirklich auf sich hat, und so von dieser ‚Zahl‘ (dem ‚Biest‘, das auch ‚der Mensch‘ ist, also) ‚befruchtet zu werden‘.

3.3.1. Magister Templi (8. Grad)

Wie in vorherigen Teilen schon ausgeführt, beginnt hier im A.‘. A.‘., beim Eintritt in den eigentlichen ‚Inneren Orden‘, die Fähigkeit zur Begründung eines neuen ‚äußeren Ordens‘ (für alle bisherigen Grade).

Wie kann man diese Qualifikation auf das Modell des Chassidismus übertragen? Wohl nicht mehr so, dass es der durchschnittliche chassidische Jude ‚unterschreiben würde‘, herrscht doch der Chauvinismus in dieser wie in jeder anderen Religion vor, und man ist in der Regel der Meinung, dass es keinesfalls etwas ‚höheres‘ geben könne, als die Wahrheit der ‚eigenen‘ Tradition … bei aller ‚Toleranz‘ allem anderen gegenüber natürlich …

Doch ungeachtet dieser Befürchtungen in Bezug auf die breitere Masse, sei hier doch folgendes behauptet: Auch im Chassidismus ist es vorstellbar, dass die wirklichen ‚Weisen‘ wissen (oder, wenn bisher noch nie mit einer derartigen Situation konfrontiert, zumindest ‚ahnen‘), dass eine Möglichkeit besteht, auch außerhalb der eigenen Tradition jegliches Konzept der Überlieferung zu vermitteln. Dass also oberhalb aller Worte und sogar oberhalb aller bildhaften Formen und Mythen der Überlieferung noch eine gestaltlose Schicht der ewigen Wahrheit besteht, die sich je nach Kultur- und Zeitkontext immer und immer wieder neu manifestieren kann, in jeder Gestalt, die sich anbietet.

Und theoretisch könnte eine solche Einsicht somit, wenn sie nicht nur abstrakt gedacht, sondern auch konsequent praktisch gelebt wird, auch im Judentum (bzw. aus dem Judentum ‚heraus‘) eine neue ‚Schule‘ begründen. Tendentiell aber würde so eine ’neue Schule‘ wohl ohne feste äußere Form sein. Als leuchtendes Beispiel sei hier natürlich Friedrich Weinreb und sein Lebenswerk genannt.

3.3.2. Magus (9. Grad)

Zum neunten Grad, dem ‚Magus‘, ist es schon sehr schwierig, viel zu sagen, ohne in allzu symbolischer Sprache zu reden. Nicht umsonst hat ein Crowley sich zu den höheren Graden noch am ausführlichsten in lyrischer Form geäußert. Doch wir können grob die Vollendung der ‚Magie‘ an diese Stelle setzen: hier geschieht ein ‚(Mit-)Kreieren der (neuen, sich ständig erneuernden) Welt‘ durch den ‚Magus‘, indem das ‚Wort‘ (der ‚Logos‘, in seiner geschichtlich aktuellen, dem herrschenden ‚Äon‘ an- und zu-gemessenen Gestalt) völlig im Inneren des Magiers lebendig am wirken ist, und dieses ‚Wort‘ durch sein Handeln in der Welt verbreitet wird, sich also ‚durch die Existenz des Magus ausdrückt‘, sich so ‚externalisiert‘, und seine transformierende Kraft in der Schöpfung (und im Besonderen innerhalb der menschlichen Gesellschaft) entfaltet.

Diesen Beschreibungen entspricht im jüdischen Mythos ziemlich präzise die Tätigkeit der ‚Nachkommen König Davids‘, die im Geheimen durch ihren Austausch und ihr Tun und Denken die Weltgeschicke lenken – als ‚Sachwalter des Ewigen auf Erden‘ sozusagen.

3.3.3. Ipsissimus (10. Grad)

Zu diesem ‚höchsten‘ Grad kann nicht mehr viel gesagt werden an dieser Stelle, außer: Es ist das völlige Einssein mit der ganzen Schöpfung – äußerlich besteht keinerlei Unterschied zum 9. Grad. Und in Bezug auf unser Vergleichsobjekt, das chassidische Judentum, bleibt auch nur noch: dito.

!B!