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Opfergaben

26. März 2017

Opfergaben levitischer Ordnung und ihr Widerhall im Alltag des Christus-Jüngers

‚Opfer‘ ist ein zentrales Thema in der biblischen Geschichte – ja, eigentlich wohl sogar in jedem aufrichtigen Streben nach einem Leben im Einklang mit dem Ewigen, von welcher Weltanschauung auch immer dabei ausgegangen wird. Das ‚Sich-Selbst-Aufopfern‘ wird dabei sogar von ‚modernen‘ Atheisten (wenigstens bis zu einem gewissen Grad) als Notwendigkeit akzeptiert, um Gutes in diesem Leben hier auf Erden verwirklichen zu können. Aber … dieses eher ‚metaphorische‘ Aufopfern von eigener Zeit und eigenen Ressourcen dann mit den in der Bibel minutiös beschriebenen ‚blutigen‘, ‚primitiven‘ Opfer-Riten zusammenzubringen … das ist auch für heutige Christen oft ein schwieriges Thema. All zu gern wird an dieser Stelle schlicht behauptet, die Opfer-Riten des ‚Alten Testament‘ seien ja heute durch das einmalige Opfer Jesu Christi ein für alle Mal ‚abgeschafft‘, überflüssig geworden. Dass sich mit so einer Aussage im Grunde selbst widersprochen wird, sollte im Verlauf der nächsten Absätze bald klar werden.

Drei Arten von Opfergaben sollen dazu im Folgenden besprochen werden. Das Brandopfer, das Speisopfer und das Friedensopfer. Eine wesentliche Basis der folgenden Ausführungen bildet eine Kurz-Video-Reihe des deutsch-afrikanischen Predigers Steve Okunola, die im Internet auf Youtube zum Thema ‚Opfer‘ veröffentlicht wurde – diese Reihe gab dem hier Schreibenden den ersten Impuls zur Beschäftigung mit der Opfer-Thematik in diesem Sinne, und einige der hier vorgebrachten Deutungen sind direkt von dieser Video-Reihe Okunolas übernommen.

Im Vordergrund soll dabei nun stehen, was diese Opfergaben ihrem Symbolgehalt nach für den individuellen Wandel eines Dieners des Ewigen bedeuten – auch heute noch, ganz jenseits irgendeines oberflächlichen Schlachtopferkultes, bei dem man (angeblich) ‚andere‘ Lebewesen für die eigenen Sünden opfert, anstatt die Verantwortung fürs eigene Handeln, mit dem Beistand Gottes, selbst auf sich zu nehmen. Denn aller äußerlicher Ritus ist seit jeher EIGENTLICH in erster Linie ein Abbild von Himmlischem, das uns auf diesem anschaulichen, handfesten Wege näher gebracht werden soll. Das Hebräische Wort für ‚Opfern‘, Korban, ist wortwörtlich eigentlich als ’näherbringen; sich nahen‘ zu übersetzen. Denn in Gestalt der Prozesse, die sich in den sogenannten ‚Opfergaben‘ verkörpern, können wir als Priester Christi uns dem Ewigen nähern, indem wir diese Opfergaben ‚in Wahrheit und Geist‘ darbringen (und eben nicht in physischem Blutvergießen und Fleischzerhacken …).

Auch die jüdische Überlieferung stellt klar: Die wahren Opferhandlungen haben sich immer NUR in einer Dimension der Realität abgespielt, die für uns heutige Menschen mit unserer Wirklichkeitswahrnehmung als eine Art ‚Traumwelt‘ bezeichnet werden müsste. Die Sprache der Überlieferung drückt das dann so aus, dass ‚die Opferhandlungen nur in der Zeit des Tempels stattfinden können‘ (und damit wird KEIN Gebäude aus Stein gemeint, das möglicherweise von eifrigen Israelis irgendwann im irdischen Jerusalem ‚wieder‘-erbaut werden wird …); nach der ‚Verwüstung des Tempels‘ (bzw. wörtlich: des ‚Hauses Gottes‘ oder des ‚Hauses des Heiligtums‘) sind wir ‚im Exil‘, wo keine Opfer mehr möglich sind, und wo stattdessen ‚die Opfer unserer Lippen den ursprünglichen Dienst ersetzen‘. So ist also die ‚Zeit des Tempels‘ jene ‚Traumwelt‘, von der wir als ‚verbannte Kinder Israels‘ abgeschnitten sind mit unserer körperlichen Existenz, in der sich aber prinzipiell immer noch alles AUCH abspielt, was wir hier im Exil tun – nur auf einer ‚höheren Ebene‘: Bringen wir hier in der ‚materiellen Welt‘ unsere eigene körperliche Existenz in dieser oder jener Hinsicht als ‚Opfer‘ dar, um so dem Ewigen zu dienen … dann zeigt sich in jener ‚Traumwelt‘, wie wir dabei ganz ‚plastisch‘ als der ‚Israelit in uns‘ eins der ‚tadellosen Tiere unserer Herde‘ an den ‚Priester in uns‘ übergeben, und sich dort ‚im Tempelvorhof‘ das in der Thora minutiös beschriebene ‚Opferritual‘ vollzieht.

Grundsätzlich gilt: In allen Opfergaben des Levitischen Ritus spiegelt sich das absolute Opfer des Christus wieder, das, vom Ewigen her betrachtet, schon vor ‚Grundlegung der Welt‘ geschehen ist (siehe Offenbarung 13,8), bzw. das immerzu im Ewigen geschieht, und sich vor nun mehr rund 2000 Jahren dann in einem historischen Ereignis als handfeste ‚äußerliche‘ Realität manifestiert hat. In jedem Detail der levitischen Opfergaben kann deshalb ein Aspekt der Selbstaufopferung des Messias gesehen werden.

Darüber hinaus jedoch, weil nämlich der Christus in allen seinen Nachfolgern lebendig sein muss (z. B. Galater 2,20; Johannes 15,5), zeigen die levitischen Opfergaben gleichzeitig dem Gläubigen auf, wie dieser in seinem eigenen Leben den Messias erhöhen kann. Jedes Detail der Opferanweisungen kann deshalb auch als Hinweis gelesen werden, an welchen Punkten in unserem eigenen Wandel das ‚Kreuz Christi‘ greifen soll, und auf welche Art und Weise.

Das Ganzopfer (oder ‚Brandopfer‘), bei dem alles ganz ‚aufsteigt gen Himmel‘, ist die erste Grundvoraussetzung für alles weitere. Das bedeutet fürs Geistige: Zu aller erst muss der Diener des Ewiglebendigen bereit sein, sich selbst – seine ganze individuelle Existenz – aufzuopfern, das heißt in die Hände des Ewigen und seines Messias zu legen, der da ist das fleischgewordene ‚Wort Gottes‘ (= die Thora), der nach seiner Auferweckung vom Tode (= von der einstigen Inaktivität) nun lebendig ‚zur Rechten der Macht sitzt‘ (= als die ‚rechte Hand‘, als das direkte Handeln und Wirken des Ewigen innerhalb der Schöpfung dient), zu ‚richten (= berichtigen) die Lebenden und die Toten‘ (siehe zu solcherlei Ausdrucksweisen auch nochmal den Artikel ‚Bekenntnis‘ in der Rubrik ‚Grundlage‘).

Dem Brand- und Ganz-Opfer entspricht deshalb die Bereitschaft, dem Messias in der Tat ‚bis ans Kreuz‘ zu folgen, das heißt: genau so wie Er den schmachvollen und harten Weg anzutreten, der mit Gewissheit den ‚Tod des Fleisches an der Vierheit des Materiellen‘ zur Folge hat – ein (Ab-)Sterben (des eigenen Fleisches), das die Voraussetzung für die darauffolgende ‚Wiedergeburt aus Wasser und aus Geist heraus‘ (Johannes 3) ist, für die ‚Auferweckung von den Toten‘, zum ‚ewigen Leben‘, zugunsten eines – abstrakt gesprochen – ’sich-selbst-erlebenden Lebendigseins als Existenz bis in die Dimension der Ewigkeit hinein‘.

Im selben Maße, wie die Bereitschaft zur völligen Selbstaufgabe eine Notwendigkeit für alles weitere im Glaubensleben ist, wenn es ein dem Ewigen entsprechendes Glaubensleben sein soll, so ist auch das Ganzopfer im levitischen Ritus eine Notwendigkeit für alle weiteren Opfergaben, die darauf aufbauen. Wird irgendeine andere Opfergabe versucht darzubringen, ohne dabei das ‚Feuer‘, die glühenden Kohlen vom Brandopferaltar zu benutzen, auf dem man zuvor das Ganzopfer gebracht hat – so ist es eine Opfergabe mit ‚fremdem Feuer‘ und endet, wie im Falle von Nadav und Abihu geschehen (Levitikus 10,1ff): der Ewige verzehrt die Falsch-Opfernden, anstelle der Opfergaben, mit seinem unauslöschlichen Feuer (zu Nadav und Abihu gibt es jedoch auch andere Sichtweisen in der jüdischen Überlieferung, die hier nur erwähnt sein sollen, ohne näher darauf einzugehen; etwa, dass die beiden vor eifernder Ungeduld taten, was sie taten, und deshalb von Gott auf diesem Wege ‚besonders unverzüglich zu sich genommen worden sind‘, also nicht eigentlich aus ‚Strafe‘, sondern als ‚Lohn‘ für ihren Eifer; laut Überlieferung sollen wir uns in jedem Fall immer hüten, Figuren aus der Bibel als ’sündig‘ zu betrachten, auch, wenn ihre beschriebenen Taten von unserer Perspektive eindeutig als ‚Übertretung des Gesetzes Gottes‘ erscheinen, wie etwa im Falle des Dawid mit der Batscheva und ihrem Mann Uria, etc.).

Entsprechend schreibt Paulus: ‚Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger [wörtlich etwa: euer ‚dem Logos/Wort entsprechender‘] Dienst ist.‘ (Römer 12,1)

Betrachten wir nun noch einige Details der Anweisungen zum Brandopfer, kommen noch manche interessante Entsprechungen in den Blick.

‚Es soll das Feuer auf dem Altar immer brennen‘: Die Bereitschaft, die eigene Existenz, das eigene Leben vollständig ‚dahinzustellen‘ (Johannes 10,17f; 15,13) ‚für seine Freunde‘ (und für seine Brüder und Schwestern), muss immer vorhanden sein. Das ‚Feuer des Geistes‘ darf niemals ausgehen.

‚Der Priester soll die Hände auf den Kopf des Opfertieres stützen‘: Der Nachfolger des Messias stützt für seine eigene Selbstaufopferung all sein Handeln auf das Haupt (= Prinzip) des für ihn Geopferten (= Messias), sodass also all sein Handeln nach den Prinzipien des Messias ausgerichtet sei.

‚Das Blut des Geopferten soll ringsum an den Altar (‚Altar‘ ist auf Hebräisch wortwörtlich: ‚[sich-]Darbringendes‘) gesprengt werden‘ (das Hebräische Wort für ‚Blut‘ kann u. a. immer auch als ‚gleichen, Gleichnis‘ übersetzt werden): Das Gleichnis des Messias muss von allen Seiten dem Sich-Darbringenden entgegentreten; die gesamte individuelle Wirklichkeit muss somit zu einer Heiligen Schrift werden, die ihm das Evangelium verkündigt.

‚Das Opfer soll zerlegt werden, Kopf und Fett sind auf dem Holz zuzurichten‘: Unser Messias muss unter alle Welt verteilt werden (indem er in allen seinen Jüngern, wie sie auf Erden wandeln, lebendig sein soll), sein Prinzip und das Beste von ihm müssen unbedingt auf dem Holz (= auf dem ‚Kreuz‘; innerhalb der gefallenen, grausamen, materiellen Welt) das Werk für diese Welt vollenden.

‚Eingeweide und Schenkel sollen in Wasser gewaschen werden‘: Die ‚Reinigung im Wasserbad des Wortes‘ (Paulus an die Epheser, Kapitel 5,26) muss gleichermaßen das Innerlichste betreffen, wie auch den äußerlichen Wandel.

Das Speisopfer besteht dann darin, aufbauend auf dem primären Ganzopfer, zusätzlich Feinmehl, oder Kuchen und Brotfladen aus Feinmehl, darzubringen; stets mit Öl begossen und mit Weihrauch verfeinert (Details in Levitikus 2 und 6,7-16, bzw. 6,14-23 in anderer Verszählung). Insbesondere das Gewinnen von Feinmehl ist dabei nun der Prozess, in dem etwas (nämlich die Frucht des Getreides, das Geerntete) immer weiter verfeinert wird, in tagtäglicher Mühsal (die hierzu gebrauchten Siebe sind recht massiv und der Siebe-Vorgang nimmt Zeit in Anspruch, zudem muss sich damit arrangiert werden, niemals ‚ganz fertig‘ werden zu können, weil es stets wieder Bedarf nach neuem Feinmehl geben wird, solange man noch weiter opfern will und muss).

Vom Hebräischen her ist das ‚Speisopfer‘ eigentlich eher als ‚Geschenk‘ oder als ‚Tribut‘ zu übersetzen (‚Minchah‘), wortwörtlich jedoch ist es sogar das ‚Besänftigende‘, das ‚Beruhigende‘ und das ‚Beschwichtigende‘ (vom selben Stamm wie der Name ‚Noach‘).

Die Symbolik dieses Opfers also meint, durch einen tagtäglichen, nie ganz zu vollendenden Prozess der ‚Feinsiebung‘ der eigenen Verhaltensweisen und Denkmuster dafür zu sorgen, dass es zu einem zunehmenden ‚Beruhigen‘ kommt, zu einem Beschwichtigen des rechtmäßigen ‚Zornes der Gottheit‘ aufgrund unserer menschlichen Unzulänglichkeiten, durch den wir im Bestfall gezüchtigt, im schlimmsten Fall gar vernichtet werden. Es ist dies gleichermaßen ein Beruhigen dieses Zornes der Gottheit und ein Beruhigt-Werden DURCH die dabei zur Geltung kommende Gnade dieser Gottheit. Ein Beruhigt-Werden, das darin besteht, dass man in der Folge der völligen ‚persönlichen‘ Selbstaufgabe (das ‚Ganzopfer‘) vermittels der freiwerdenden Energie derselben (dem ‚Feuer‘ dieses Ganzopfers) einen wenigstens symbolischen Tribut entrichtet demjenigen, der (oder ‚das‘) einem ermöglicht, entgegen aller Gerechtigkeit, aus reiner Gnade und Barmherzigkeit, zu LEBEN, so als hätte man die Ordnung der ursprünglichen Schöpfung nie verlassen gehabt. Dankbarkeit ist (neben der noch wichtigeren Treue, dem Glauben und Vertrauen) deshalb vielleicht eine wesentliche Triebkraft, die uns zum täglichen Feinsieben verhilft, um unser Beruhigt-Werden als einen Tribut unserem Schöpfer wenigstens symbolisch zurückzugeben.

Auch zum Speisopfer sollten wir uns aus einer symbolischen Perspektive nun noch einige Details der Anordnungen ansehen.

Die Symbolik des Öls ist aus neutestamentlicher Perspektive ganz klar das ‚Erfüllt-Sein mit dem Geist der Heiligkeit‘. Unsere ständige Arbeit an unserem Alltagswandel muss also vom Geist Gottes geleitet sein, darf nicht ohne diesen von Statten gehen (das wäre nämlich dann ‚aus uns selbst heraus‘, das heißt: unseren eigenen, noch vom Fleisch verblendeten Vorstellungen entsprechend).

Bei der Symbolik des Weihrauchs kann einerseits einfach das ‚Gebet eines Heiligen‘ gesehen werden (siehe Offenbarung 5,8), wenn der Weihrauch schlicht als ein ‚Räucherwerk‘ aufgefasst wird. Darüber hinaus allerdings kann auch die Hebräische Wortwurzel, die von der Farbe ‚Weiß‘ spricht, in Betracht gezogen werden: Der Weihrauch also steht für das reine, lautere Bitten, das der an sich selbst Arbeitende stets auf den Lippen haben soll (siehe etwa 1. Thessalonicher 5,17).

Dass kein Sauerteig (das ist ‚Aufblähendes‘) im (regulären) Speisopfer sein soll, unterstreicht den Anspruch an sich selbst, jegliche Sünde und Sündhaftigkeit (und die ‚Lehre/Heuchelei der Pharisäer‘, siehe etwa Matthäus 16,12 und Lukas 12,1) zu vermeiden, aus dem Wandel auszutilgen. Denn, wie der kleinste Rest an Sauerteig, ist auch die kleinste Sünde etwas, das sich zwangsläufig ausbreitet, bis am Ende ‚der ganze Teig durchsäuert‘ ist (siehe etwa Paulus im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 5,6). Mit dem Vermeiden eines jeglichen ‚Aufblähens‘ steht auch die Empfehlung im Zusammenhang, dass ‚kein Honig‘ im Speisopfer enthalten sein soll; denn Honig begünstigt einen Gärungsprozess, der wiederum Sauerteig hervorbringen würde. Dasjenige also, das unser Bestreben nach einem wohlgefälligen Wandel allzu sehr ‚versüßen‘ würde, gilt es zu vermeiden, weil es die Tendenz hat, uns wieder in Sünde abgleiten zu lassen. Stattdessen soll unser Bestreben ‚gesalzen‘ sein; Salziges macht Durst auf ‚Wasser‘, in diesem Fall auf das ‚lebendige Wasser‘, welches das Wort Gottes, die Lehre unseres Messias ist (siehe z. B. Johannes 4).

Zuletzt: In der Pfanne erhitzt wird das Speisopfer, und damit auf den glühenden Kohlen des Brandopferaltars, deren Feuer nie ausgehen darf. Kann dies ein Hinweis sein auf die ‚Drangsal‘, in der uns unser himmlischer Vater läutert, wie man Gold oder Silber im Feuer läutert (siehe z. B. Sacharja 13,9; Maleachi 3,3; Jesaja 48,10; Sprüche 17,3; 1. Petrus 1,7; Hebräer 12,11)? Denn ganz ohne Drangsal, ohne Anfechtung und Gegenwind, kann ein aufrichtiger Glaubensweg nicht gegangen werden, solange diese Weltzeit noch andauert. Hat ein Diener des Ewigen bisher noch keinerlei Anfechtungen und Prüfungen erleiden müssen (das muss nicht immer im äußerlichen Leben sein – wenn es einen auch sicher oft vermittels dieser äußeren Umstände trifft), dann sollte er sich ernsthaft Gedanken machen, ob er nicht einem falschen Christus am folgen ist …

Das Friedensopfer ist dann die Vollendung derjenigen drei Opfer, die nicht als bloße Korrektur von konkreten Verfehlungen nötig geworden sind, sondern die ganz grundsätzliche Aspekte der Anbetung des Ewigen darstellen (und die deshalb in diesem Artikel hier beschrieben werden).

‚Frieden‘ ist im Hebräischen von der Wortwurzel her immer gleichzeitig auch ein ‚Ausgleich‘, ein ‚Wiederherstellen von zuvor erschütterter Ordnung‘, eine notwendig gewordene ‚Vergeltung‘ und eine daraus folgende ‚Harmonie‘. Das Endziel der Selbstaufopferung und Heiligung eines Dieners des Ewiglebendigen, eines Jüngers Jesu Christi, ist genau dieser FRIEDEN Christi (Kolosser 3,15; Johannes 14,27): ein erlebter vollendender Ausgleich aller Ungerechtigkeit, als die (zunächst subjektive) Wiederherstellung der harmonischen Ordnung des Ursprungs – etwas, was die Welt einem niemals wird geben können.

Im Friedensopfer zeigt sich besonders deutlich, wie die zwei vorangehenden Opfergaben als direkte Voraussetzung zu verstehen sind, denn das Friedensopfer ist selbst ‚auf dem Brandopfer anzurichten‘ (Levitikus 3,5) und beinhaltet als einen ‚Dankopfer-Anteil‘ auch eine Art Speisopfer (Levitikus 7,12). Überhaupt gibt es beim Friedensopfer einige Gemeinsamkeiten mit dem Brandopfer: der Priester soll wieder seine Hände auf den Kopf des Opfertieres stützen und es soll auch wieder das Blut um den Altar herum gesprengt werden (zur Symbolik siehe daher oben im Text).
Die spezifischen Einzelteile des Opfertieres für das Friedensopfer sind nun: das Fett aller besonders fettigen Stellen (wie immer; das Beste gilt es, dem Ewigen anzudienen), die Nieren (wörtlich auch als ‚Vollendung; Vernichtung‘ aus dem Hebräischen übersetzbar) und das Netz, bzw. der Lappen über der Leber (auch übersetzbar als das ‚Überhängende; Überflüssige‘ oberhalb der ‚Schwere; Ehre; Herrlichkeit‘).

Diese spezifischen Teile nun sollen als ‚Feueropfer‘ dargebracht werden (wie beim Brandopfer), ‚geräuchert‘, zum ‚lieblichen Geruch‘ für den Ewigen. Das Wort ‚Feueropfer‘ ist deswegen interessant, weil es auf Hebräisch genauso geschrieben wird, wie das Wort ‚Frau‘. In diesem Sinne ist ein jedes ‚Feueropfer für den Ewigen‘ eine ‚Frau für den Herrn‘; so wie die Gemeinde Christi, die sich selbst für den Ewigen hingibt, um ‚zu ihm aufzusteigen‘ (1. Thessalonicher 4,17), als dessen ‚Braut‘ (hebräisch wörtlich ‚die Vollendete‘, vgl. auch die erwähnte Wortbedeutung des hebräischen Wortes für ‚Nieren‘) eben auch eine ‚Frau für den Herrn‘ ist, um ‚verherrlicht zu werden‘ (vgl. mit erwähnter Nebenbedeutung des hebräischen Wortes für ‚Leber‘) wie Er es ist.

Bei dem bereits erwähnten ‚Speisopfer-Anteil‘, der für den Dankopfer-Aspekt des Friedensopfers bestimmt ist, ist die Besonderheit festzustellen, dass neben dem ‚regulären‘ Speisopfer in Form von Kuchen aus Ungesäuertem, auch explizit Gesäuertes dazu gefordert wird (Levitikus 7,13). Das kann man möglicherweise so verstehen, dass dies auf die Barmherzigkeit unseres Gottes hinweist, im endgültigen Friedensschluss mit uns durch das Opfer seines erstgeborenen Sohnes Jeschua, uns anzunehmen, auch mitsamt unserer Sünden (für die der Sauerteig steht), die wir bis hierhin trotz allem Ringen nicht gänzlich ablegen konnten (siehe etwa 1. Johannes 1,8+9).

Eine entscheidende Besonderheit des Friedensopfers gegenüber den vorangehenden zwei Opfergaben ist dann: Alle Mitglieder der Gemeinschaft Israels, zumindest alle kultisch ‚Reinen‘, dürfen sich speisen vom Friedensopfer (Levitikus 7,19), nicht nur die Priester. Dies könnte man etwa so auf das Geistige des Einzelnen übertragen, dass durch das Friedensopfer nun auch diejenigen Anteile seiner Existenz mit an der Annäherung (wir erinnern uns: das Wort für ‚Opfer‘ bedeutet im Hebräischen gleichzeitig ‚Annähern‘) an den Ewigen (und an DAS Ewige) teilhaben können, die (noch) nicht völlig bewusst im direkten Kontakt mit diesem Ewigen stehen, die sich aber dennoch durch das Vertrauen auf diejenigen Anteile der Persönlichkeit (die ‚Priester(lichen)‘), die diesen bewussten Kontakt pflegen, ‚rein‘ gehalten haben.

Man könnte außerdem die Deutung wagen, dass erst durch das Friedensopfer auch die Mitmenschen des Christus-Jüngers gesegnet werden. Denn in Christus sind alle Gläubigen nun ‚Priester‘ (Exodus 19,6; 1. Petrusbrief 2,9; genauer: sie sind Priester ’nach der Ordnung Melkhitzedeks‘; siehe Hebräerbrief, Kapitel 7) und speisen sich daher auch schon von den Brandopfern und den Speisopfern, also von der ‚Selbstaufgabe‘ und der ‚Heiligung‘. Vom Friedensopfer, also vom leibhaftig durch den Christus-Jünger erlebten Frieden Christi, können sich dann aber sogar diejenigen Mitmenschen noch speisen, die soweit reinen Herzens sind, dass sie diesen Frieden im Leben des Christus-Jüngers (mehr oder weniger bewusst) wahrnehmen können (‚die, die reinen Herzens sind, werden Gott schauen‘; Matthäus 5,8; das gilt auch, wenn sich Gott durch seine Diener auf Erden offenbart, in und an denen er mit seinem Wirken sichtbar wird).

Das Friedensopfer vollendet deswegen die Dreiheit der zentralen Opfergaben. Es fügt der Selbstvervollkommnung eines Gotteskindes durch den Geist Gottes den Impuls zur Fortpflanzung dieser Gotteskindschaft hinzu, lässt den Leib des Messias auf diesem Wege wachsen und gedeihen.

Alle diese drei Opfer – Brandopfer, Speisopfer und Friedensopfer – greifen also direkt ineinander. Keines von ihnen hat Sinn, bzw. erfüllt seinen Zweck, wenn es isoliert stattfindet. Sie bauen also einerseits aufeinander auf in derjenigen Reihenfolge, in der sie in der Heiligen Schrift erstmals beschrieben werden, andererseits kann niemals eines der Opfer ‚abgeschlossen‘ werden, solange der Mensch im Fleische weilt. Für den wahrhaft heilen Wandel finden immer alle drei Opfer gleichzeitig statt, und insbesondere das Friedensopfer, das gewissermaßen für den (Sich-Selbst-Auf-)Opfernden das (zunächst ‚irdische‘) Ziel darstellt, kann nur tatsächlich zum Frieden Christi führen, wenn dessen Voraussetzungen, Selbstaufopferung und Heiligung, auch wirklich durchgängig aktiv angestrebt werden.

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