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Salbung und Achter Tag

2. September 2018

Das ‚Salben‘, Acht(er Tag) und ‚Überfließen des Kelches‘: wenn Innen endlich auch Außen wird

Was ist die ‚Salbung‘, nach der Jesus seinen Titel ‚Christus‘ (griechisch für ‚Maschiach‘, bzw. eingedeutscht dann ‚Messias‘, wörtlich vom Hebräischen her einfach ‚Gesalbter‘) bekommt?

Die Salbung geschieht (zunächst ganz ‚materiell‘ gesehen), indem das ‚Öl‘ (typischerweise Olivenöl, woher ja auch das Wort für ‚Öl‘ in allerlei Sprachen hergeleitet wird) dem zu Salbenden VON AUßEN aufgetragen, bzw. er damit übergossen wird.

Öl nun ist in erster Linie ein Nahrungsmittel und ein Werkstoff, der ‚innerlich‘ Anwendung findet: Öl in Speisen wird gegessen, vielleicht sogar direkt getrunken; als Leuchtmittel dient es im INNEREN einer Lampe als Brennstoff (wodurch dann äußerlich immerhin schon ‚der Weg gezeigt‘ oder ‚das Haus erleuchtet‘ werden kann); möglicherweise dient es auch in mechanischen Apparaturen oder Vorgängen als ein ‚Schmiermittel‘, um also Bewegungen in geschmeidiger(er) Weise zu ermöglichen.

Bei der ‚Salbung‘ nun aber wird das Öl eben explizit ganz VON AUßEN angewendet. Anders ausgedrückt: Das sonst INNERE erscheint nun (auch) IM AUßEN. Und genau hierbei drückt sich ein wichtiger Aspekt des ‚Messias‘, der als PERSON auftretenden Erlösung also, aus: Der Erlöser wird erlebt als das Wesen, bei dem KEIN Widerspruch besteht zwischen Innen und Außen (während gerade bei uns ’normalen‘, gefallenen Menschen ein Charakteristikum ist, dass unser Außen, unsere Erscheinung eben NICHT unserem Innen, unserem Wesen zu hundert Prozent entspricht; zum Guten, wie zum Schlechten).

Das ‚Öl‘ der Salbung ist im Hebräischen ‚Schämän‘, gebildet mit der Wurzel Schin-Mem-Nun. Es hat den selben Zahlenwert wie das Wort für ‚Himmel‘ (390), und neben der Bedeutung ‚Öl‘ kann die Wurzel Sch-M-N auch die Begriffe der ‚Zahl 8‘, sowie des ‚fettig, fett‘-Seins im Sinne von (vor allem materiellem) ‚Überfluss‘ bilden (ein Beispiel für letzteres etwa im Segen für den ACHTEN Jakobs-Sohn Ascher, siehe Genesis 49,20: ‚Von Ascher her (kommt) Fettes/Überfluss: sein Brot; und er (ist es, der) gibt Leckerbissen des Königs‘; Alternativübersetzung ‚Vom Glücklich-Sein her die (Zahl) Acht für sein Begehren; und dies ist es, das gibt von den Wonnen deiner Begegnung‘).

In der Verknüpfung von ‚Acht‘ und ‚Überfluss‘ mit dem ‚Öl‘, und dem identischen Zahlenwert des Begriffs mit dem des Wortes für die ‚Himmel‘, zeigt sich dann im Verständnis der Überlieferung der ‚Achte Tag‘, also ‚die immer im-ankommen-befindliche Zukunft des individuellen Erlöst-Seins‘ (auch genannt die ‚Olam haBa‘, das heißt: ‚die Welt, die da kommt‘; nämlich ’nach‘ dieser ‚Welt des Siebten Tages‘ hier), als gekennzeichnet von (auch materiellem) ‚Überfluss‘, also von einem Zustand, in welchem keinerlei Mangel mehr in irgendeiner Beziehung herrscht. Ein Zustand, der personifiziert erlebt wird in dem ‚Messias‘, dem ‚Gesalbten‘, der das ‚Öl‘, das sonst ‚innerlich wirkt‘, gerade als sein Erkennungsmerkmal (auch) ÄUßERLICH trägt, dadurch wie ‚in den Himmel gekleidet ist‘; das ‚Innen‘, das Geheimnis, ist in Ihm also endlich auch ‚Außen‘, offenbarte Erscheinung geworden, das Erscheinende repräsentiert jetzt in Perfektion das Verborgene, das Innerliche leuchtet auf bis nach Außen in vollendeter Pracht und es offenbart sich so die innere Schönheit aller Schöpfung, der Funke vom Urlicht der Schöpfung in jedem Splitter der gefallenen Welt, des ‚gefallenen Ur-Adam‘, als die die ganze Schöpfung in gewissem Sinne auch gesehen wird (denn erst mit dem Ur-Menschen, der ‚fällt‘, fällt auch die ganze übrige Schöpfung ‚hinab‘ in diese dichteste Form von Materie, wie wir sie um uns her wahrnehmen, und diese Welt wird von dem Menschen von nun an ‚veräußerlicht‘, nicht mehr als substantieller Teil seines eigenen Inneren erkannt, stattdessen zur UM-Welt ‚gemacht’/erklärt).

Aber ‚Was im Dunkeln und in der verschlossenen Kammer getan und gesagt wird, wird von den Dächern hinab verkündet‘, wie es ja auch im Neuen Testament über die ‚Zeit zuletzt‘ heißt (Matthäus 10,26+27; Lukas 12,2+3; und dies ist nicht nur als ‚Warnung‘ vor Bloßstellung eigener und fremder Unzulänglichkeiten zu verstehen, sondern durchaus auch als Verheißung des ersehnten Offenbarwerdens all dessen, was wir innerlich wünschen, hoffen, erträumen, aber nicht äußerlich zur Erscheinung bringen können).

Ein Midrasch nennt noch einige interessante Aspekte des Öls: Das Öl ist eine der fünf Substanzen, mit denen die Thora verglichen wird, nämlich: Wasser (Jesaja 55,1), Wein (Sprüche 9,5), Honig und Milch (Hohelied 4,11), und eben auch Öl (Hohelied 1,3). Und ’sowie das Öl anfangs bitter, später aber süßlich schmeckt, so ist es auch mit den Worten der Thora: zuerst bereitet sie den Menschen Mühe, zuletzt aber erweist sie ihnen Gutes‘ (siehe Midrasch Debarim Rabbah, Paraschah Ki Tavo, Kapitel 28). Außerdem wird im selben Midrasch auf eine besondere physische Eigenschaft von Öl hingewiesen: Dass es sich nämlich ’niemals vermischt‘, so wie Israel sich ‚mit den Völkern‘ niemals vermischt, bzw. vermischen kann/soll. Zudem schwimmt Öl immer ‚obenauf‘, so wie Israel stets über den Völkern steht (zu verstehen als ‚das Geistig-Seelische‘, das ‚über dem Körperlichen‘ steht, von diesem ‚getragen‘ wird, siehe auch Jesaja 49,22; 60,4; 66,12).

Ausgehend von einer Thora-Stelle, in der die ’sieben Früchte‘ des Gelobten Landes aufgezählt werden (Deuteronomium 8,8), gilt die Olive in der jüdischen Überlieferung als die ’sechste Frucht‘, und ist damit auch mit anderen ‚Sechs-heiten‘ assoziiert, wie etwa mit dem ’sechsten Schöpfungstag‘ (wo also die Erschaffung, genauso wie der Fall des Menschen geschieht), mit dem Planeten ‚Venus‘ (bzw. im Hebräischen ‚Nogah‘ genannt, ‚Leuchtende, Strahlende; Erscheinende‘), mit dem Metall Kupfer/Bronze, mit der biblischen Figur des Josef oder auch mit der sogenannten ‚Sephirah‘ namens Jesod (‚Fundament‘; auch übersetzbar als ‚es ist ein Geheimnis‘).

Die Olive nun ist dem mythischen Bild nach insbesondere (auch) eine Frucht, die nach dem Pflücken GEPRESST wird. Hier sei verwiesen auf den Ortsnamen ‚Gat Schmanim‘ (Hebräisch für ‚Ölpresse‘), bzw. hellenisiert ‚Gethsemane‘ im Neuen Testament, und die Geschehnisse, die in den Evangeliumsberichten mit diesem Ort verknüpft sind. Außerdem ist der sogenannte ‚Ölberg‘ (wörtlich eigentlich ‚Olivenberg‘, ‚har-haZethim‘) schon in den Schriften der Propheten im Alten Testament der Ort der Erscheinung des Messias (siehe etwa Sacharja 14,4).

Und nicht nur, dass die Olive, als die ‚Frucht des sechsten Tages‘, gerade diejenige ist, die ‚gepresst‘ werden muss; in der Überlieferung wird sehr genau festgestellt, dass sie eben am ’sechsten Tag‘ gepflückt wird (und ab da gegessen werden kann), dann am siebten Tag (also hier in ‚unserer Zeitwelt‘, in die wir durch den, bzw. ’nach‘ dem ‚Fall‘ des Ur-Adams getrieben werden als nun zersplitternde Menschheit) als Öl für eine Lampe leuchten kann (das heißt, dass sie uns nun ‚den Weg zeigen‘ kann, ‚erhellend‘ wirken kann, hier in unserer Welt, wenn sie ‚gepresst worden‘ und entsprechend als ‚Brennöl‘ in einer geeigneten Vorrichtung ‚verbrannt wird‘), um dann am ACHTEN Tag endlich auch zur ‚Salbung‘ zu dienen, um also so das sonst nur INNERLICH angewandte Öl nun äußerlich zur Geltung zu bringen (Dass das Öl erst ‚am Achten Tag‘ zur Salbung tauglich ist, wird auch als eine Zeitspanne von acht Tagen der Zubereitung des Heiligen Salböls gedeutet, wie etwa in der Geschichte des ‚Channukah-Wunders‘ erwähnt, die im apokryphen ‚Buch der Makkabäer‘ nachzulesen ist).

Diese Dreiteilung des ‚Anwendungsbereiches‘ einer Olive nach der Auffassung der jüdischen Überlieferung kann auch mit der hebräischen Sprache untermauert werden: Die Olive selbst hat als Wort ‚Zajith‘ (Zajin-Jod-Thaw). Das Öl, das aus ihr gewonnen wird, hat nun aber ZWEI unterschiedliche Wörter, die sich je auf unterschiedliche Stufen des Verarbeitungsprozesses beziehen.

Einmal wäre da das Wort ‚Jitzhar‘ (Jod-Tzade-He-Resch), und dieses meint speziell dasjenige ‚Frischöl‘, wie es gerade aus der Olive ‚hervorgebrochen‘ ist und bereits für den Betrieb von Lampen geeignet ist (aber noch nicht als ‚Salböl‘ dienen kann). Das Wort ist vom Stamm ‚Tz-H-R‘ gebildet, der auch einfach ‚(auf-)brechen‘ bedeutet (dies die Grundbedeutung laut dem renommierten Lexikon von Wilhelm Gesenius); davon abgeleitet ist dann auch ein Wort für ‚Lichtöffnung, Fenster (nach innen)‘ (in der Beschreibung von Noahs Arche erwähnt, gelegentlich anders übersetzt, jedoch laut Überlieferung als Lichtöffnung NACH INNEN, also nicht als ein typisches Fenster um HINAUSzusehen, zu begreifen); und auch ‚Dach‘, bzw. ‚Rücken‘ kann es meinen; die Dualform ‚Tzahoraim‘ zuletzt bezeichnet den ‚Mittag‘.als Tageszeit, bzw. als Sonnenstand.

Und zum andern wäre da eben das oben bereits erwähnte Wort ‚Schämän‘, das ‚Salböl‘, das vom Stamm des Zahlwortes ‚Acht‘ kommt, und auch ‚fettig, Fettigkeit‘ meint – damit also den ‚Überfluss‘ als Bedeutung mitschwingen lässt.

… und der Überfluss, das Überfließen, ist auch in ganz wortwörtlichem Sinne ein bekanntes, eng verwandtes Symbol für ein Sich-Zeigen des Innerlichen bis hinein ins Äußerliche, Äußerste: nämlich das Überfließen des (Wein-)Kelches. Auch hierbei ist schließlich etwas ‚Inneres‘ auch nach außen tretend. Man denke zum Beispiel an den ‚überfließenden Kelch‘ im (in christlichen Kreisen genauso wie in jüdischen Kreisen) sehr populären Psalm 23 (‚Mizmor leDawid, ha-Shem Ro’i‘; ‚der Herr ist mein Hirte‘), welcher im Brauchtum der Juden Bestandteil des wöchentlichen ‚Schabbat-Kiddusch‘ (= Heiligung des Weines am Sabbat) ist, aber auch beim jährlichen Passah-Mahl in noch größerer Deutlichkeit anzutreffen ist. In ein und demselben Vers (Psalm 23,5b) wird neben dem ‚überfließenden Kelch‘ auch das ‚Salben des Hauptes‘ als Bild gegeben.

Auch lässt man den Weinbecher im Judentum gerade dann absichtlich überfließen, wenn beim Übergang des Sabbath-Tages in den Vorabend der neuen Woche die sogenannte ‚Havdalah‘ (= ‚Unterscheidung [von Heiligem und Profanem]‘) begangen wird, wenn also wieder ein ‚Erster Tag‘ anfängt, der theoretisch ein ‚Achter Tag‘ wäre – wenn der Zyklus der Zeit, hier konkret der Zyklus der ’siebentägigen Woche‘, endlich durchbrochen werden würde.

Im christlichen Abendmahl wird zwar typischerweise der Kelch nicht zum Überlaufen gebracht, jedoch deutet auch dieser Kelch in der Liturgie ausdrücklich auf etwas eigentlich nur ‚Innen anwesendes‘, das dadurch ’nach Außen treten kann/muss‘: es ist schließlich das Bild für das heilbringende ‚Blutvergießen‘ (eben ‚das Blut des Sohnes‘, und in diesem Sinne stets das EIGENE Blut zugunsten der Freunde und sogar zugunsten der Feinde – niemals ist dabei gemeint das Blut ‚eines anderen‘!). Und das ‚Blut‘ (hebräisch ‚dam‘, vom Stamm ‚Daleth-Mem‘, von dem ebenso das ‚gleichen, ähnlich sein‘ und das ’schweigen‘ kommt), ist immer auch das ‚Gleichnis Gottes‘, was in jedem Menschen, der im ‚Ebenbild Gottes‘ geschaffen ist, präsent ist, und das auf diesem Weg der schweigenden (= nicht ‚lauten‘, selbstdarstellerischen) SELBST-Aufopferung nach Außen tritt, SICHTBAR wird. Nicht umsonst heißt der Ur-Mensch ‚Adam‘, was seit Urzeiten auch als ‚ich gleiche‘ gelesen wird – diesen Satz sagt nämlich Gott, wenn er den Menschen sieht; und genauso sagt es der geläuterte, heimgekehrte Mensch, wenn er (wieder) Gott erblickt.

‚Überfluss‘ – gerade auch in Bezug auf den göttlichen Wesenskern aller Kreatur, der ‚am Achten Tag‘ nach Außen tritt, offenbar wird – ist also ein wichtiger Aspekt des Salböls und der ‚Salbung‘. Gewonnen aus der Pressung der Frucht des Sechsten Tages, der Olive, dann am Siebten Tag (also in unserer Alltags-Wirklichkeit) als ‚Jitzhar‘ in einer gewöhnlichen Lampe, als das ‚hervorgebrochene Öl‘, ‚den Weg erleuchtend‘ – und dann am Achten Tag besagten ‚Überfluss‘ zur Geltung bringend, indem es endlich als ‚Salböl‘ verwendbar wird.

Für den siebenarmigen Leuchter aus reinem Gold (die symbolträchtige ‚Menorah‘) wird übrigens kein ‚Jitzhar‘, sondern ‚Schämän‘, also das höherwertige Öl verwendet, und zwar ist es zudem ‚zakh kathith‘, ‚rein und gestoßen‘ (siehe Levitikus 24,2).

Und das tatsächliche Salböl des Maschiach dann hat eine noch etwas komplexere Zusammensetzung, als einfach nur ‚Schämän‘ zu sein. Die Komposition dieses besonderen Öls wird uns folgendermaßen beschrieben (Exodus 30,23+24): ‚von selbst ausgeflossene Myrrhe‘ (‚Mar D’ror‘; 500 Schekel), ‚Gewürz-Zimt‘ (‚Kinn’man Bessem‘; 250 Schekel), ‚Würzrohr‘ (‚Qanah Bossem‘; 250 Schekel), ‚Kassia‘ (‚Qiddah‘; 500 Schekel) … und eben als ‚Quintessenz‘, als fünfte Zutat (und nebenbei die erste völlig flüssige gegenüber den bisherigen vier trockenen/getrockneten): das Olivenöl (‚Schämän Zajith‘; 1 Hin).

In diesen Zutaten steckt wie so oft unermesslich viel und Tiefes drin. Nur einige Punkte sollen hier kurz umrissen werden. Der schwäbische Prediger Karl-Hermann Kauffmann hat einmal eine ausführliche Besprechung der fünf Zutaten gegeben, auf der das Folgende im Wesentlichen aufbaut (leider konnte der hier Schreibende besagte Predigt nicht wiederfinden; daher das Folgende soweit möglich aus dem Gedächtnis rekonstruiert, sowie mithilfe von anderweitigen im Internet auffindbaren Auslegungen der Salböl-Zutaten inspiriert):

Die ‚von selbst ausgeflossene‘ Myrrhe, bzw. ‚Myrrhe der Freiheit‘ wird beschrieben als ‚von süßem Duft, aber bitterem Geschmack‘ und ‚gegen Schmerzen helfend‘, sowie ‚Sekretbildung entgegenwirkend‘. Angemerkt sei aber auch, dass die jüdische Tradition sich demgegenüber einig ist, dass es sich hierbei NICHT um das Harz eines Baumes, sondern um ‚eine Substanz aus der Kehle eines Hirsches‘ handelt; ein Stoff also, der mit der ‚Stimme‘, mit dem ‚Wort‘ in Zusammenhang steht, sowie mit ‚David, dem Gesalbten König‘, welcher typischerweise mit einem Hirsch assoziiert ist (siehe etwa die häufigen hebräisch-jiddischen Namensgebungen im chassidischen Judentum wie ‚David Zwi Hirsch‘, wobei auch das ‚Zwi‘ bereits ‚Hirsch‘ auf Hebräisch bedeutet).

Der ‚duftende/würzige Zimt‘ soll von einem ‚immergrünen Baum‘ sein, der unter anderem als Medizin eingesetzt wird, u. a. gegen Herzleiden.

Das sogenannte ‚Würzrohr‘ oder ‚Kalmus‘ wächst wohl typischerweise ‚aus schlammigem Boden‘ hervor, und zwar auffallend ‚gerade nach Oben‘ (auch im Hebräischen Wort ‚qanah‘ erkennbar, was auch ‚auf-, errichten‘ bedeutet); speziell die Wurzel ist dabei der Duftträger. Wikipedia gibt als medizinische Wirkungen für Kalmus unter anderem ‚kräftigend‘ und ‚appetitanregend‘ an, aber auch heilende Effekte bei Magen- und Verdauungsproblemen, bei Husten, Erkältungen, Schmerzen und Entzündungen werden Kalmus nachgesagt.

Angemerkt sei noch, dass Minderheitenmeinungen dieses ‚Würzrohr‘ (Hebräisch ‚Qanah-Bossem‘) mit Cannabis identifizieren, dessen heilsame Wirkung bei sachgemäßem Gebrauch ja durchaus seit Urzeiten bekannt sein dürfte.

Als viertes Gewürz wird ‚Kassia‘ genannt, das laut Beschreibungen einem Baume entstammt, der ‚an unwirtlichen Stellen wächst‘ (laut Wikipedia: ursprünglich nur ‚in China‘); laut der oben erwähnten Predigt Karl-Hermann Kauffmanns wurde Kassia im Altertum insbesondere gegen ‚chronische, schlecht bis gar nicht richtig verheilende Wunden von Brandpfeilen‘ eingesetzt; wobei Kauffmann den Bezug zu den ‚feurigen Pfeilen des Bösen‘ (siehe Epheser 6,16) dahingehend herstellt, dass er diese mit (speziell ‚psychische‘) Traumata verursachenden Angriffen des Feindes gleichsetzt.

Das Olivenöl von bester Qualität ist dann das Trägermaterial, das alle genannten Essenzen aufnimmt, selbst zudem als ein Mittel wirkt, das das damit eingeriebene ‚geschmeidig‘ macht, auch ‚zum Glänzen bringt‘ und zudem ‚entzündungshemmend‘ wirken kann (letzteres wird heute auf einen Inhaltsstoff namens ‚Oleocanthal‘ zurückgeführt; in der Antike schon wurde Olivenöl daher als Wundbalsam auf allerlei äußerliche Verletzungen gestrichen und auch innerlich, durch orale Aufnahme, als Heilmittel angewendet).

Zusammenfassend hat das Salböl des Messias also den Charakter, alle erdenklichen Schmerzen zu lindern, und hierbei im Besonderen Sekretbildung, Herzleiden, Verdauungsstörungen und Entzündungen zu bekämpfen. Außerdem setzt es sich aus Pflanzen(bestandteilen) zusammen, die an unwirtlichen Stellen, gar aus Schlamm und Morast heraus, dabei dennoch ‚zielstrebig empor strebend‘, und als immergrüne Bäume wachsen, und deren für das Salböl genutzte Substanz teilweise zwar süß duftet, aber nichtsdestotrotz bitter schmecken kann, um seine segensreiche Wirkung im Organismus zu entfalten. Speziell die erste der fünf Zutaten ist außerdem mit dem Gesalbten König David und mit der ‚Stimme‘, dem WORT also, assoziiert.

Zur näheren Bedeutung dieser genannten Aspekte sei nun nur zu den vier aufgezählten Leiden noch etwas gesagt, welche durch die Bestandteile des Salböls explizit geheilt oder gelindert werden können:

‚Sekretbildung‘ ist das Hervorbringen von immer neuer überschüssiger, hinderlicher Flüssigkeit; symbolisch könnte man diese als ‚unnötige, quälende Zeit‘ übersetzen, die man zu erleben gezwungen ist (möglicherweise auch ’nur‘ immer und immer wieder erlebte Zeit, in Form von quälenden Erinnerungen, oder in marternden Zukunftsängsten, in denen man ständig bestimmte befürchtete Situationen gedanklich durchspielt; im traditionellen täglichen [Abend-]Gebet des Judentums wird in diesem Sinne um Schutz vor dem ‚Satan vor uns‘ und dem ‚Satan hinter uns‘ gebeten, der ungefähr so gedeutet wird: als ‚Hadern mit der Vergangenheit‘ und ‚Angst vor der Zukunft‘).

Beim ‚Herzleiden‘ sollte man bedenken, dass das ‚Herz‘ nicht nur als Sitz der Seele (im Sinne der ‚Nephesch‘, der ’niederen Leibes-Seele‘) gilt, sondern dass es auch von seiner biologischen Funktion her gerade für die Verteilung der lebenswichtigen Stoffe in den ganzen Körper und für die Reinigung desselben zuständig ist, indem durch den Blutkreislauf einerseits Nährstoffe verteilt, andererseits Giftstoffe aufgenommen, eingesammelt, und abgeführt werden. Ein ‚Herzleiden‘ entspricht somit vielleicht im Geistigen einer Art Fehlfunktion in der ‚Durchseelung der ganzen körperlichen Existenz‘.

‚Verdauungsstörungen‘ deuten auf Probleme in der Bewertung und Verwertung von Aufgenommenem hin. Da nun unser ganzes (Er-)Leben als ‚Mahlzeit‘ im mystischen Sinne aufzufassen ist, sind alle unsere Eindrücke und Erlebnisse, die wir in uns aufnehmen (und die Frage, welche wir davon zu einem Teil von uns machen, und welche wir wieder ausscheiden), unsere ‚Speise‘ – und unsere geistig-seelische Verdauung hat all dies dann zu verwerten, in unser ‚Selbst‘ zu integrieren oder zu verwerfen (und es ordnungsgemäß zu entsorgen, d. h. es zu ‚Dünger‘ verarbeitet der Welt wieder zurückzugeben; siehe Deuteronomium 23,13). Schaffen wir es nicht mehr, unsere Erlebnisse in diesem Sinne sinnvoll einzuordnen in unseren Lebens- und Schicksalszusammenhang, leiden wir unter ‚Verdauungsstörungen‘.

Bei einer ‚Entzündung‘ handelt es sich (laut Wikipedia) um eine ‚körpereigene Reaktion auf schädliche Reize‘, und zwar um einen Zustand, der durch Rötung, Erhitzung, Schmerz, Anschwellen und eine überhöhte Durchblutung des betroffenen Bereichs gekennzeichnet ist, wobei es zudem zu spezifischen Funktionseinschränkung des Körperteils kommen kann. Ziehen wir dabei in Betracht, das das Blut eines Lebewesens auch ‚die Seele (Nephesch, also ‚Leib-Seele‘) desselben ist‘ (siehe etwa Genesis 9,4; Levitikus 17,14), könnten wir die Deutung wagen, dass eine Entzündung im geistigen Sinne ein Zustand ist, der dadurch entsteht, dass der Mensch einem ’schädlichen Reiz‘ ausgesetzt ist, durch welchen ein bestimmter Bereich des Lebens(welt-Erfahrens) dieses Menschen durch eine ungesund überhöhte Aufmerksamkeit der (Leib-)Seele auf diesen Bereich in Über-Erregung gerät. Diese Über-Erregung zeigt sich eben unter anderen in ‚Rot-Werden‘ (‚rot‘, hebr. ‚edom‘, stets die Farbe des Körperlichen, Fest-Stofflichen, siehe etwa der Name ‚Edom‘ für Esau, oder das Wort ‚Adamah‘ für den ‚Erdboden‘, aus dem der Menschenkörper geformt wird in Genesis 2), in ‚Erhitzung‘ (‚Hitze‘, hebr. ‚chamah‘, meint auch ‚Zorn‘ und ‚geschlechtliche Erregung‘) und in einem ‚Anschwellen‘ (also einem ‚ungelenk-‚ und auffällig ‚wuchtig-werden‘) des betroffenen Lebensbereiches, was dann typischerweise auch mit funktionellen Einschränkungen einhergeht.

Gegen all diese typisch menschlichen Gebrechen also bietet das Salböl Linderung und letztlich sogar vollkommene Heilung. Und das Salböl ist effektiv eben das, womit der Messias, der ‚Gesalbte‘ also, gesalbt ist – und womit genau ist der Messias laut Lukas 4,18 (bzw. dem dort angeführten Zitat aus Jesaja nach) und laut Apostelgeschichte 10,38 gesalbt? Mit dem ‚Geist Gottes‘, dem ‚Geist der Heiligkeit‘, dem ‚Geist der Wahrheit‘. Alle näheren Untersuchungen dieses Artikels hier, was es mit dem ‚Salböl‘ auf sich hat, sind also eigentlich Untersuchungen der Beschaffenheit des ‚Heiligen Geistes‘, wie er im Leben der mit ihm Gesalbten (= im Leben der ‚Christen‘) wirkt.

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