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Hundertdreiundfünfzig, 6/17

21. Juni 2019

Der Täufer und sein Tadeln –
Ein Provinz-Fürst, seines Bruders Weib …
Der Kerker, das ‚Krakeelen‘, nein …
die kehlig-schöne Predigt!

Ja, wer hätt’s gedacht:
Same auf harrenden Grund. Doch …

das Festmahl. Der Rausch des ‚Erneuerns‘.
Wein, Tanz, die Lust … nein … GIER.
Und dann das LABERN … das Reden und Prahlen –
jener Sieg des Moments über Alles:
des Fetzens Triumph übers Ganze
… die Schande.

Und der Kopf …
das Haupt des letzten großen Sterblichen …
‚Es rollt der Fels hinab den Berg‘;
… mir serviert auf dem ‚Silbertablett‘ …
Schon wieder, wie immer.

O Salomé! Vergib uns allen.
… doch auch DU bist ja Teil der Dramatik.
Wir alle in Zwängen und Schwächen,
wir alle verletzen, wir alle verletzt –
wir alle als MENSCHEN, mit all unsern Grenzen …
nur … ICH darf leider nicht von eurer Art sein.

(Und Satan weinte.)

xxx

War ich nicht Dein treuster Diener, O Vater?!
DEIN Bote ihnen, komme auch was wolle?!
Der Geist dessen, der sich Dir entgegenstellen soll?
Entgegenstellen MUSS! … der Dich doch erst erfahrbar macht?
Der Geist jenes andern ‚Vaters‘,
des Vaters allen Lug und Trugs,
vor dem ICH die geliebten Kinder dennoch wappnen soll?!
Welch göttlich-gerissene Zwickmühle!
… wem könnt‘ ich da nicht gönnen
mich zu fürchten, mich ‚zerstörerisch‘ zu nennen …

… nur als ein Schleifstein ihnen dienend – allzu indirekt.
… doch Diamanten so erst Form verleihend!!
… Diamanten, die Du wachsen lässt aus dunklen Kohlen;
… aus dunklen Kohlen meines Höllenfeuers –
des Feuers, welches ich nur zünde –
SIE aber entfachen es.

Ich leide doch mit ihnen mit!
Nur lassen sie mich nicht ihr Leid
so tragen, wie Dein Sohn es doch vermochte …
wenn ‚man‘ Ihn HIER auch machen ließe dasjenige Eine,
was Er am tun ist dort, in Ewigkeit.

Ach wären sie doch so viel ‚besser‘ …
… so viel besser DRAN in ihrem Trachten!
Ich wollt, sie ließen sich von MIR bedienen!
… anstatt dass SIE mir dienen.
Wie sie es tun seit Eden.

Ja, ließe ich sie doch im Garten weilen …

(Und Satan weinte.)

xxx

Machen sie mich nicht erst selbst zu ihrem Feind?
Allda, wo sie mich so fatal verkennen?!
Wo sie mich nicht als Deine Gnade spür’n,
als Deine Gunst und Güte!?!

Denn verwerfen sie Dein Wohlwollen,
so zerbersten sie in ihrem eigenen ewigen ‚Großes‘ Wollen …

Ich wäre ihnen doch Stütze dabei!
Wär‘ starker Stab und Stimme, sie leitend!
Du der Hirte, ich Dein Stecken –
und sie … nicht ‚die Herde‘,
… sondern jeder und jede gemeinsam für SICH!!
… ein geliebtes Schaf Deines Hofes.
Ach, ‚Ich‘ wieder, so leicht missverstanden …

Sie ziehen es in ihrem Wahne vor,
die Stütze zum Schlagstock zu machen,
zur Waffe. Zuchtrute
in Deiner Hand muss ich sein,
geHASST … an Deiner Statt …
… oder gar von tragisch Verrissenen
Dir auch noch ENTGEGEN-gestellt
als Deine vermeintlich so viel ‚wahrere‘ Seite …

(Und Satan weinte.)

xxx

Ich könnte wohl ihr Sündenbock sein,
und zwar, in der Tat, der ECHTE!
Doch ziehen sie hierfür ihren König vor …
lassen IHN sterben –
also lebe der ‚König‘, der Moloch, der FÜRST!
Doch lasst es mich BITTE nicht auf ewig spielen …
Das Spiel endet anders, MUSS anders enden!!

Werden sie am Ende wohl vernünftig, endlich mündig?
Mündig werden WOLLEN wenigstens??
Kannst Du wirklich DIESE freie Wahl den Menschen lassen?!
Kannst Du Menschen Dich und Deine Pracht so hassen lassen?
Dass sie den schwarz-weißen Ziegenbock
jenes zehnten Tages des Jahres,
weiter nur in ihrem Wahne reiten … ?

(Und Satan weinte.)

xxx

Warum können sie all die Freuden –
auch die Lüste und Reize,
die Sehnsucht und Neugier,
das Wünschen und Träumen –
nicht einfach als das, was sie sind, lieben lernen?

Sie als Geschenk schon in DIESER empfangen,
doch für all JENE Welten bewahren, auch ’sparen‘ –
um DORT zu gebären:
Die Wonne des Urbeginns – jenseits beständigen Fallens!
– sie bewacht haben, ganz so wie Du es ihnen
empfiehlst seit jeher – um IHR zu dienen:
jener Wonne vom Anfang – ‚Eden‘.

Aber alle wählen wieder und wieder das ‚Wissen‘.
Und Sterben. Und sterben daran, darin.
Nur sterben sie nicht den Tod, sondern das Leben.
Ja: Sie sterben das Leben!

Keine Verwandlung. Nur ein Ergeben,
in ein Ver-Leben hinein, in ein Zer-Leben –
in ein Zerr-Leben.

Und bei mir … bleibt ein ER-BEBEN
vor schmachvoller Pein.
Weil ich ALL DAS weiß.

(Und Satan weinte.)

xxx

Ich habe keinen Schatten, keine Spucke, keinen Samen.
Kann nichts beschirmen, nichts verwerfen –
nichts befruchtend lieben.
Doch selber BIN ich Schatten, BIN ich Spucke,
die verwirft oder Genuss verschafft.
Und Same bin ich auch –
und jedes Grab mir Mutterschoß!

Ich schwitze nicht, ich blute nicht,
noch scheid ich aus, was Dünger ist.
Ich gieße nichts …
zu Heil oder Verderben.
Ich muss erdulden, was ihr Menschen
pflanzt und hegt und pflegt.

Das Fließen jener Lebenssäfte habt ihr nicht von mir.
Das Fließen aber all der Zeitenläufe und Äonen,
das schenke ich, das zwing ich auf –
denn DAS ist mein Beruf!

Und hierzu ist mir nur gegeben EINE Art des Flüssigen,
des Fließenden, des Fleuchenden, des Wässrigen;
des so prächtigen, mächtig Umflutenden:
das Salz der Meere sei euch Zeichen für mich!
Der Tod im Element des Lebens;
durstig machend, Durst nicht löschend!
So sollt IHR SELBST sein, so spricht doch ER …
Seid Licht für mich, den Schatten,
auf dass ich nicht ICH mehr sei …
und auf dass euch erlöse von mir … ER!

Seit dem Zweiten Tag sind die Beiden Wasser:
die Oberen Samen der Ewigkeit.
… die Unt’ren aber, hier bei euch,
sind nichts als MEINE TRÄNEN.

Ich bin der Geist der Schwere, Gewalt des Allerhöchsten,
abgesackt zum Dasein als der größte Urbeginn, Archont:
der ‚Zeitgeist‘ – doch nicht einer von den vielen …
… nicht jedes Jährchen wieder wechselnd … nein!

ICH bin die Bedingung
für Vergehen und Verwandlung
überhaupt;

Ich bin die ZEIT selbst.
Ach! … und bin ALLE Zeiten.

(Und Satan weinte.)

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